Social Media und Arbeitgebermarke – was tun, wenn die Fassade bröckelt?

Nina Kalmeyer
Nina Kalmeyer

Ein Beitrag von Nina Kalmeyer

Die meisten Firmen in Deutschland gibt es zweifach: in der Außendarstellung, wie sie gern wären – und in der Innenansicht, wie sie wirklich sind. Verschleiert von Hochglanzbroschüren, ausgelassen in Geschäftsberichten, schöngeredet von Managern tobt sich hinter vielen Firmenmauern der reinste Irrsinn aus. Die Unternehmen sind nicht mit den Märkten, sondern mit sich selbst beschäftigt: Konzerne gleichen Kindergärten. Mittelständler pflegen Mittelmaß. Familienbetriebe bräuchten Familientherapie.

So der Karriereberater Martin Wehrle in einem Spiegel Artikel zu seinem neuesten Buch: ‚Ich arbeite in einem Irrenhaus‘. Ihn packt heiliger Zorn, wenn Klienten aus dem Arbeitsalltag berichten, denn:

‚Diesen alltäglichen Irrsinn hinter Firmenmauern kennen nur die Mitarbeiter. Sie erleben ihre Firma, wie sie keiner kennt – als Käfig voller Narren, als Irrenhaus GmbH. Nach einer Umfrage der Internet-Jobbörse StepStone „schämen“ sich 50 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland für ihren Arbeitgeber.Wenn Mitarbeiter auspacken, bröckeln die Fassaden deutscher Unternehmen. Scheinbar seriöse Firmen, mit Namen wie Gütesiegeln, entpuppen sich als Blindgänger, als Geldvernichter, als lächerliche Chaostruppen.‘

Martin Wehrle

Ich möchte hier keine Werbung für das Buch von Martin Wehrle machen. Was mir jedoch bei der Lektüre des Artikels durch den Kopf ging, ist Folgendes:Falls dies wirklich in Unternehmen immer noch die Realität ist, und daran zweifle ich nicht, denn meine eigene Erfahrung, die Erzählungen von vielen anderen und letztendlich auch die Bewertungen auf Kununu deuten darauf hin, dass es diese zwei ‚Unternehmensgesichter‘ wirklich gibt. – Was wird denn dann bei einer zunehmender Nutzung von dialogorientierter Kommunikation in sozialen Netzwerken passieren?

Die Zeiten, in denen sich potentielle Bewerber nur über Hochglanzbroschüren, aufgeputzte Webseiten oder Gütesiegel über ihren nächsten Arbeitgeber informieren konnten, gehen unwiederbringlich dem Ende zu. Gut für wechselbereite Kandidaten – aber was ist mit den Unternehmen? Lohnt es sich für sie wirklich noch an der nächsten Hochglanzbroschüre zu basteln, das nächste, diesmal‚authentische‘, Arbeitgebersiegel zu erkaufen bekommen, mit Videos auf der Unternehmenswebseite den perfekten Arbeitsplatz vorzugaukeln oder aktuell sehr beliebt: auf einer durchdesignten Karrierepage auf facebook die vermeintliche Nähe zur Generation Y zu zelebrieren?

Schwierig, wenn parallel dazu in anderen sozialen Netzwerken aktuelle oder frühere Mitarbeiter ein ganz anderes Bild des Unternehmens aufzeigen. Das Fatale dabei ist: durch Internet-Suchmaschinen bekommt der Suchende meist schon auf der ersten Seite kontroverse Informationen aufgelistet. Und wem wird geglaubt – der Hochglanzbroschüre oder dem monierenden (Ex)Mitarbeiter?

Was kann ein Unternehmen tun, um Kandidaten mit seiner Arbeitgebermarke positiv zu beeindrucken?

“Um Social Media erfolgreich in das unternehmerische Recruiting-Portfolio zu integrieren, müssen die Arbeitgeber ihr Engagement in sozialen Netzwerken unbedingt langfristig gestalten. Speziell der Aufbau einer virtuellen Vertrauensbasis zu potenziellen Kandidaten erfordert von den Unternehmen ein hohes Maß an authentischer, regelmäßiger und zeitintensiver Kommunikation”, kommentiert Professor Tim Weitzel vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen der Universität Bamberg. “Social Media sind kein isoliertes Phänomen sondern in die gesamte Employer-Branding- und Kommunikationsstrategie einzubindende Kanäle, die ernsthaft betrieben werden wollen.”

Und genau das unterscheidet, die frühere, auf Monolog basierte Kommunikation. Wenn die Broschüre erst mal gedruckt war, musste man sie nur noch unters Volk bringen und ggf. jedes Jahr die Zahlen aktualisieren und meist nur alle 3-5 Jahre ein neues Konzept dafür entwickeln. Bei der dialogorientierten Kommunikation im Social Web kommuniziert man up to date in Augenhöhe. Dies bedeutet eben nicht, wie viele heute noch meinen, dass, weil die meisten Plattformen kostenlos sind, dies ein neuer Weg ist Geld zu sparen. Die Investition liegt in den Themen und der Manpower, die man braucht, um intelligent, authentisch und aktuell zu kommunizieren. Eine weitere Investition liegt darin, die Mitarbeiter weiterzuentwickeln und in diese neue Art der Kommunikation nach Außen mit einzubeziehen und auch zuzuhören, was denn einen Arbeitgeber heute und zukünftig attraktiv macht.

Die meisten Unternehmen haben sicher 2 Gesichter, wie die meisten Menschen auch. Aber dies kann nicht in schwarz/weiss Kategorien gesehen werden sondern hat viele Abstufungen und Schattierungen. Finden Sie heraus, was Ihre Wunschmitarbeiter sich von ihrem Arbeitgeber wünschen. Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen eine Kultur hat, dies anzubieten oder dazu bereit ist, Schritte in die richtige Richtung zu gehen und kommunizieren Sie das in den relevanten Netzwerken. Lassen Sie Dialog zu und HÖREN Sie zu. Arbeitnehmer erwarten keine Wunder. Sie erwarten ernst genommen zu werden und wollen für ein Unternehmen arbeiten in dem sie sich wohl fühlen, auf das sie stolz sein können und das Antworten auf die Anforderungen ihrer Lebensrealität hat. Wenn Sie diesen Dialog aktiv entwickeln, brauchen sie bald weder Hochglanzbroschüren noch Gütesiegel, denn Sie sind Teil der Community geworden.

Was können/kann Unternehmen/ihr Unternehmen tun, um als Arbeitgeber erfolgreich zu sein? Diskutieren Sie mit auf newcruiting.de

newcruiting – the HR trend scouts:Erfolgreich Social Media in Recruiting- und Employer Branding integrieren

Der Einsatz von Social Media in Unternehmen bedeutet Veränderungen – in Kultur, Kommunikation und für die Unternehmensidentität (corporate behaviour). Vorausschauende Planung, Analysen und Workshops, bevor man mit einem HR Social Media Projekt startet, ersparen Unternehmen Fehlinvestitionen und Enttäuschungen. Diese Projekte durch Coachings zu begleiten und in Schulungen intern zu kommunizieren, sind weitere wesentliche Schritte für nachhaltigen Erfolg! Denn ihre Mitarbeiter sind die wichtigsten Botschafter ihrer Arbeitgebermarke.

Kontakt

newcruiting – the HR trend scouts
Dürener Strasse 225 | D-50931 Köln

Telefon: +49 151 404 26 401
E-Mail:
Kalmeyer@newcruiting.de

 

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.