IT-Girls: Wo sind die Frauen in der IT?

von Deborah Liebig, PR und Marketing bei get in IT

 

Deborah Liebig

Ein Hörsaal voller Männer. Das ist in der Informatik kein seltener Anblick. Nur knapp 20 % der Studenten sind weiblich, bei den IT-Azubis sind es sogar nur 10 %. Nicht nur am Weltfrauentag stellt sich die Frage, wieso sich so wenige Frauen für IT begeistern können.

There are no women on the Internet

Natürlich sind Frauen online. Sie stellen die Mehrheit in den sozialen Netzwerken, sie shoppen und spielen Social Games. Produziert werden die digitalen Welten allerdings von Männern. Eine Infografik von „Women Who Tech“ demonstriert, dass immer noch in erster Linie Männer die Gründer, Erfinder und Entwickler sind – Frauen dagegen „nur“ die Konsumenten.

Ein Blick zurück

Die IT-Welt hat sich zu einer Männerdomäne entwickelt. Was viele nicht wissen: Die ersten Programmierer der Welt waren weiblich. Programmieren war ein typischer Frauen-Job. Allerdings ging es damals in der Regel um Arbeiten für Bürokräfte mit niedrigem Status.

Eine der wenigen Ausnahmen war Grace Hopper, eine der Pionierinnen der Informatik. Sie arbeitete mit dem Mark I, dem ersten vollelektronischen Rechner der Welt. Sie erfand den Compiler und die Bezeichnung „Bug“. Und sie war überzeugt, dass Frauen die besseren Coder sind: „Man muss vorausplanen und alles so terminieren, dass es fertig ist, wenn man es braucht. Das geht nur mit Geduld und dem Blick für Details. Frauen sind Naturtalente im Programmieren.“

Grace Hopper

 

IT-Branche wirbt um Frauen

Im Jahr 1987 lag der Frauenanteil unter den Software-Entwicklern in den USA bei 42 %. Davon sind heute alle westlichen Industrienationen weit entfernt. Eine Bitkom-Umfrage hat ergeben, dass in deutschen ITK-Unternehmen durchschnittlich nur 15 % der angestellten Fachkräfte Frauen sind. In der Games-Branche sind es dem Verband BIU zufolge 20 %.

Doch die ITK-Unternehmen haben sich hohe Ziele gesteckt: Bis zum Jahr 2020 soll jede vierte IT-Stelle in Deutschland mit einer Frau besetzt sein. Viele ITK-Unternehmen sind bei der Förderung von Frauen Vorreiter. Die Deutsche Telekom etwa hat sich als erster – und bisher einziger – DAX-Konzern eine Frauenquote für Führungspositionen auferlegt.

Dass plötzlich um Frauen geworben wird hat in erster Linie ökonomische Gründe: Es gibt nicht genug Männer, um die ganzen freien IT-Stellen zu besetzen. Wegen des Fachkräftemangels versuchen Politiker, Verbände und Unternehmen schon seit Jahren, Frauen für die MINT-Fächer zu begeistern. Bisher bringen millionenschwere Image-Kampagnen wie „Komm mach MINT“ aber noch nicht den erhofften Erfolg. Allein in diesem Jahr werden 330.000 Akademiker in den naturwissenschaftlich-technischen Berufen fehlen.

Aber alle freiwillig festgelegten oder gesetzlich vorgeschriebenen Quoten bringen wenig, wenn sich nach wie vor zu wenige Frauen für ein Informatikstudium entscheiden.

Die neuen „IT-Girls“

Es gibt sie, die weiblichen Geeks und Nerds, Gamerinnen und Haecksen. Und wer, wenn nicht sie, sollen ihren Geschlechtsgenossinnen zeigen, dass IT nicht nur aus Zahlenkolonnen besteht, sondern Spaß macht? Immer mehr Geekettes und Webgrrls schließen sich zusammen, tauschen sich aus, veranstalten Frauenworkshops und Wettbewerbe. Denn Networking, weibliche Vorbilder und Einblicke in die Praxis sind die wichtigsten Faktoren, junge Frauen für die IT-Welt zu begeistern.

 

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