HR BarCamp 2014: Die Diskussion geht weiter – Mobile Recruiting und Candidate Experience sind Herausforderungen

Innovativer Gedankenaustausch schärft den Handlungsbedarf im Recruiting

von Helge Weinberg

Das HR BarCamp in Berlin ist schon einige Tage vorbei. Die Berichte darüber lassen vor allem in den HR-Blogs nicht nach. Was darauf schließen lässt, dass die Diskussionen und die Zusammenarbeit auf dem aus meiner Sicht innovativsten HR-Event des Jahres Folgen hatten. Folgen – nicht nur in Form von Ideen für das Recruiting der Unternehmen, sondern auch in Form eines grundsätzlichen Überdenkens beliebter Glaubenssätze, Stichwort „Candidate Experience“. Auch die Frage, ob Mobile Recruiting „funktioniert“ oder nicht, bestimmt die laufende Diskussion. Vor ein paar Tagen hatten wir Experten zum HR BarCamp befragt. Jetzt legen wir noch einmal ausführlich mit weiteren Gesprächen nach. Die Fragen stellte Helge Weinberg, Berater und Blogger aus Hamburg.

Wir starten mit dem Veranstalter. Christoph Athanas, Geschäftsführer der metaHR Unternehmensberatung GmbH, Berlin, und Herausgeber des Human Resource-Blog der metaHR, antwortete uns:

 

Was waren aus Deiner Sicht die Highlights auf dem diesjährigen BarCamp?

Für mich als einer von zwei Veranstaltern war das gute Gelingen des Gesamtevents mein persönliches Highlight. Die Feedbacks der Teilnehmer sind wieder einmal hervorragend. Bei unserem Format, mit dem hohen Anteil an Selbstorganisation und Teilnehmerbeteiligung, ist der perfekte Ablauf vorher nicht 100%ig sicher zu stellen. Umso schöner dann, wenn alles gut wird.

Das BarCamp fand jetzt zum dritten Mal statt. Hat sich etwas gegenüber den Vorjahren verändert?

Nein und ja. Nein, weil wir nach wie vor das nicht-kommerzielle, basisdemokratische HR-Event sind. Die Spielregeln sind die Gleichen und auch der HR BarCamp-Charme von „Professionalität trifft auf Lockerheit“ war wieder zu spüren.

Ja, weil nach zirka 100 beziehungsweise 130 Teilnehmern in den Vorjahren nun rund 150 Personen dabei waren. Wir hatten dafür auch mehr Platz und so konnten parallel bis zu vier Sessions, also inhaltliche Angebote stattfinden.

Wie würdest Du die Teilnehmer charakterisieren? Treffen sich auf dem BarCamp hauptsächlich HR-Blogger und Personalmarketing-Experten oder nehmen auch HR-Generalisten teil?

Bei der Teilnehmerschaft achten wir sehr genau darauf, dass die Mischung stimmt. Das heißt mindestens die Hälfte der Teilnehmer kommt aus unterschiedlichen Personalfunktionen in Unternehmen, während die andere Hälfte Vertreterinnen von HR-Dienstleistern beziehungsweise HR-Berater sind. Unter beiden Gruppen finden sich natürlich HR-Blogger, aber die stellen bei weitem die Minderheit. Insgesamt war die Veranstaltung noch durchmischter als in den Vorjahren. Wir hatten eine Reihe HR-BarCamp-Veteranen dabei, aber auch viele, die das erste Mal teilgenommen haben. Das bringt frischen Wind und hilft dabei die Ideen des BarCamps, nämlich die vom Austausch auf Augenhöhe und die vom selber aktiv werden, in weitere Kreise vordringen zu lassen. Jeder ist willkommen, der diesen Spirit teilt und nicht nur stumm konsumieren möchte.

Christoph Athanas

Christoph Athanas

Stichwort Unternehmen: Wie wird hier das BarCamp angenommen? Ist die Veranstaltung für den Mittelstand ein Thema?

Die Tickets zur Veranstaltung war sehr begeht und wir hatten eine Nachfrage, die deutlich höher war als das Angebot an Tickets. Insofern kann man wohl sagen, dass das HR BarCamp sehr gut angenommen wird. Mittelständler waren ebenfalls dabei und ich begrüße es, wenn sie in Zukunft noch stärker teilnehmen. Meiner Erfahrung nach hat der Mittelstand oft bei Themen wie Recruiting und Employer Branding einen erheblichen Handlungsbedarf. Auf dem HRBC gibt es hierzu definitiv tolle Anregungen und prima Kontakte.

Und auch an Dich geht die stets gestellte Frage: Was war das wichtigste Thema auf dem HR BarCamp 2014?

Inhaltlich gab es aus meiner Sicht nicht DAS Highlight. Interessante Themen waren viele dabei. Ich denke am ehesten werden wohl die Themen „Candidate Experience“ und „Mobile Recruiting“ vom HR BarCamp 2014 in Erinnerung bleiben. Dominiert aber haben diese Themen das Event nicht, denn dazu ist das HRBC zu vielfältig.

 

Es folgt die Antwort von Dominik A. Hahn, Manager Global Employer Branding & eRecruiting, Allianz SE, München. Zuständig ist er für den globalen Arbeitgebermarkenauftritt der Allianz Gruppe und das weltweit eingesetzte E-Recruiting-System.

 

 

Was war für Dich das wichtigste Thema auf dem HR BarCamp 2014?

DAS wichtigste Thema gab es für mich nicht. Wenn man Schlagworte herausstellen möchte, dann waren das aus meiner Sicht die sehr allgemeinen Buzzwords „Candidate Experience“ und „Mobile Recruiting“. Beides kann Alles oder Nichts und ganz viel dazwischen bedeuten. Das zeigt aber, wie vielfältig die Themenpalette des HR BarCamps dieses Jahr wieder war.

Wie intensiv und vielleicht auch kontrovers wurde das Thema in Berlin diskutiert?

In den eineinhalb-stündigen Sessions kann man natürlich nicht jedes Detail beleuchten. Kontrovers wurde dennoch diskutiert – egal zu welchem Thema. Das liegt auch daran, dass beim HR BarCamp Personaler mit sehr verschiedenen Hintergründen zusammenkommen – da ist sowohl der Großkonzern als auch ein Start-up vertreten. Der eine fokussiert sich im Daily Business eher auf Recruitment, der andere sieht sich eher als Brand Manager. Insofern gibt es nie DIE EINE Lösung, die auf alle Unternehmen anwendbar ist – gerade bei den Themen Candidate Experience (Stichwort „Wie genau kann ich jedem Kandidaten den aktuellen Status seiner Bewerbung mitteilen?“) und Mobile Recruiting.

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Dominik A. Hahn

Hast Du (dazu) auf dem BarCamp neue Erkenntnisse gewonnen und welche?

Ich würde es nicht unbedingt als neu bezeichnen, aber in den Diskussionen kommt man häufig immer wieder auf einen Punkt: Wir haben zum Teil immer noch nicht unsere Standard-Hausaufgaben erledigt. Als Beispiel sind hier verständliche und SEO-optimierte Stellentitel zu nennen. Oder auch ein Service orientierter Umgang mit Bewerbern – trotz oder gerade durch den Einsatz eines Applicant Tracking Systems.

Wo gibt es Handlungsbedarf und welche Handlungsempfehlungen nimmst Du aus Berlin mit?

Mit Hinsicht auf mein Lieblingsthema Mobile Recruiting: Es gibt (noch) keine perfekte Lösung/kein perfektes System. Und ich bin sicher, dass es das in Zukunft auch nicht geben wird. Wir müssen uns hier je nach Zielgruppe und auch Land (zum Beispiel China, beziehungsweise Afrika als ganzen Kontinent) die Bedürfnisse und Gewohnheiten ansehen und  entsprechend verschiedene Wege im Mobile-Bereich anbieten. Dasselbe gilt im Übrigen auch für die „herkömmliche“ Desktop-Bewerbung. Wir alle sollten hier mehr „Touchpoint“-orientiert denken und verschiedene Wege und Arten der (Online-)Bewerbung ermöglichen. Das ist weniger eine Herausforderung für die IT, als vielmehr eine für Recruiter und das Bewerbermanagement als solches.

Hier kommt die Antwort von Michèle Richner, HR Social Media Manager, Group Human Resources, Baloise Group, Basel:

Was war für Dich das wichtigste Thema auf dem HR BarCamp 2014?

Für mich persönlich war das wichtigste Thema „Mobile Recruiting“. Es gab auch sonst viele spannende Themen, die bereits mehrfach erwähnt wurden, wie zum Beispiel „One-Click Bewerbung“ oder „Candidate Experience“, die auch im Zusammenhang mit „Mobile Recruiting“ hochrelevant sind.

Wie intensiv und vielleicht auch kontrovers wurde das Thema in Berlin diskutiert?

Die Meinungen bezüglich Mobile Recruiting gehen weit auseinander. Diskussionspunkt war insbesondere, ob es wirklich nötig sei, eine Bewerbung mobile abschließen zu können. Schön war zu sehen, dass nicht mehr die Diskussion geführt wird, ob Mobile Recruiting überhaupt relevant sei. Dies ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Michèle Richner

Michèle Richner

Hast Du (dazu) auf dem BarCamp neue Erkenntnisse gewonnen und welche?

Was sich aus den Diskussionen herauskristallisiert hat, ist, dass man die Entscheidung, ob sich ein Bewerber mit seinem Smartphone bewerben möchte, eben diesem überlassen sollte. Das heißt, man sollte Bewerbern alle Möglichkeiten bieten, ungeachtet aktueller Bewerberzahlen. Hier ergeben sich natürlich neue Herausforderungen, einerseits für das Recruiting (wie geht man mit solchen Bewerbungen um?) und auch technischer Natur. Eine mobile Bewerbung muss einfach und schnell gehen, niemand möchte 20 leere Felder auf seinem Smartphone ausfüllen. Hier sehen wir wieder Schnittstellen zu „Candidate Experience“ und „One-click Bewerbung“. Auch hier muss ich aber dazu sagen, dass dies keine neuen Erkenntnisse sind. Jedoch war es sehr spannend, sich (auch kritisch) mit Kollegen darüber auszutauschen.

Wo gibt es Handlungsbedarf und welche Handlungsempfehlungen nimmst Du aus Berlin mit?

Ich denke, es gibt an vielen Stellen noch Handlungsbedarf. Was „Mobile Recruiting“ angeht stehen wir wirklich erst am Anfang. Viele Unternehmen müssen aber erstmal ihre Hausaufgaben machen und ihre Karrierewebsite mobilfähig gestalten, bevor überhaupt „Mobile Recruiting“ erwähnt werden sollte. Auch wir bei der Baloise sind hier keine Ausnahme. Dies wird sich aber bald ändern.

 

 

Es folgt die Antwort von Florian Schrodt, Referent Personalmarketing, DFS Deutsche Flugsicherung GmbH, Langen, HR-Blogger (unter anderem für „Personalblogger“):

 

 

Was war für Dich das wichtigste Thema auf dem HR BarCamp 2014?

Für mich gab es kein konkretes Thema, das ich in den Vordergrund stellen würde. Mein Eindruck war eher, dass es keinen großen Hype gibt, aber viele Stellschrauben und Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Oftmals ging es jedoch auch darum, die Bedürfnisse unserer Zielgruppen richtig einzuordnen. Das empfand ich als sehr wohltuend.

Wie intensiv und vielleicht auch kontrovers wurde das Thema in Berlin diskutiert?

Sei es Führungsarbeit, One-Click-Bewerbung, oder auch Feel-Good-Management, für mich hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass wir nicht nur Instrumente konstruieren dürfen. Wir benötigen Empathie und Know-how gleichermaßen, um passgenaue Lösungen anzubieten und HR wertschöpfend zu etablieren.

Hast Du dazu auf dem BarCamp neue Erkenntnisse gewonnen und welche?

Florian Schrodt

Florian Schrodt

Für mich ist es immer wieder enorm spannend zu sehen, wie „fruchtbar“ der kollaborative Ansatz des Barcamps ist. Der gemeinsame Austausch fördert nicht nur Lösungen zu Tage, sondern bietet vor allem auch auf der Haltungsseite enorm viel Inspiration.

Wo gibt es Handlungsbedarf und welche Handlungsempfehlungen nimmst Du aus Berlin mit?

Auf der übergeordneten Ebene wird immer wieder deutlich, wie wichtig Austausch und Dialog sind. Gerade auch Sessions wie das „HR_Taxi“ mögen in erster Linie nur amüsante Fingerübungen sein, schaffen aber, HR-Themen zu vermenschlichen. Und das ist nicht nur auf fachlicher Prozess-Seite eine Herausforderung, vielmehr auch in der Darstellung des Arbeitgebers nach Innen und Außen und im Umgang mit unseren Zielgruppen. Entscheidendes Erfolgskriterium ist meines Erachtens auch ein passendes „Mindset“.

 

Henrik Zaborowski, Recruiting Coach und Interim Recruiting Manager, Bergisch Gladbach, HR-Blogger (unter anderem für „Personalblogger“, „Jobnet.de“ und unter „hzaborowski“), beschließt unsere kleine Serie über das BarCamp. Seine Meinung:

Was war für Dich das wichtigste Thema auf dem HR BarCamp 2014?

Paraxoderweise das Thema „Mobile Recruiting funktioniert … nicht“. Denn es hat gezeigt, dass nicht die Technologie die Herausforderung ist, sondern das Denken und Handeln aller Beteiligten: Recruiter, Hiring Manager und Bewerber. Die können mit den Möglichkeiten noch gar nichts anfangen. Da haben wir noch viel Arbeit vor uns.

Wie intensiv und vielleicht auch kontrovers wurde das Thema in Berlin diskutiert?

Eigentlich gar nicht kontrovers. Ich hatte eher den Eindruck, alle sind dankbar, dass jetzt etwas Druck aus der Sache ist (weil es ja eh noch nicht funktioniert). Und da außer der Allianz bisher kaum jemand wirklich Erfahrungen mit Mobile Recruiting gesammelt hat, gab es wenige Gegenmeinungen.

Hast Du dazu auf dem BarCamp neue Erkenntnisse gewonnen und welche?

Eine ganz wichtige, auch wenn sie nicht wirklich neu ist: Alle kochen nur mit Wasser und haben mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen. Aber die Bandbreite, wie professionell Recruiting betrieben wird und wo die einzelnen Unternehmen stehen, ist riesig!

Henrik Zaborowski

Henrik Zaborowski

Wo gibt es Handlungsbedarf und welche Handlungsempfehlungen nimmst Du aus Berlin mit?

Den größten Handlungsbedarf sehe ich in den Köpfen aller Beteiligten. Wir bewegen uns im Recruiting oft gedanklich noch im Mittelalter, während der Gestaltungsspielgraum und der Handlungsdruck der der Gegenwart ist. Wir werden mehr Spezialisten brauchen, die aber alle Hand in Hand arbeiten müssen. Diese Verzahnung von Kompetenzen und Zuständigkeiten jetzt anzugehen ist eine Empfehlung aus Berlin.

 

Zum Autor:

Helge Weinberg

Helge Weinberg

Helge Weinberg ist Inhaber des Beratungsunternehmens Strategie & Kommunikation in Hamburg. Er ist spezialisiert auf Personalkommunikation / HR-PR. Den vielfältigen „Touchpoints“ in der Kommunikation mit Bewerbern im Personalmarketing und Recruiting gilt sein Interesse. Darüber schreibt er auch als Blogger (http://blog.helge-weinberg.de/) und als Fachjournalist.

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