Recruiting 2015: Unternehmen werden individuell mit Bewerbern kommunizieren.

Helge Weinberg

Helge Weinberg

von Helge Weinberg

Am 24. September war ich auf der Recruiting 2015 in Hamburg. Die jährlich stattfindende Veranstaltung (http://www.cyquest.net/company/events/praxisseminar-recruiting-2015/ ) ist ein Treffen der Vordenker des innovativen Recruitings, der Blogger und der Social Recruiting-Experten. In diesem Jahr stand sie im Zeichen eines Trends, der für die Arbeitgeberkommunikation eine Rolle spielen wird: Individualisierung.

Bewerber wollen individuell angesprochen werden

Me, myself and I: Viele Menschen sind Meister im Posten von Selfies. Die Botschaft lautet: Ich möchte, dass Ihr mich wahrnehmt – und zwar als Individuum. Was vielen Menschen so wichtig ist, das setzt sich jetzt auch im Recruiting durch.

In Hamburg war nicht die Rede von „die Besten der Besten gewinnen“ oder über „high potentials“. Themen waren die Kommunikation mit Bewerbern, das Umdenken in Unternehmen (Stichwort „Quereinsteiger“) und die Candidate Experience. Das mag daran gelegen haben, dass es auf der Veranstaltung um „Berufsorientierung“ ging.

CYQUEST kombiniert wissenschaftlich-fundiertes psychologisches Know-How mit State-of-the-Art Webdesign und Programmierung. Wir sind spezialisiert auf die unternehmens- und hochschulspezifi-sche Erstellung sowie Anpassung von Lösungen

Joachim Diercks

Für ein solches Thema gibt es gute Gründe. Durchschnittlich 28 Prozent der Bachelor-Studenten brechen ihr Studium ab, 25 Prozent der Azubis ihre Ausbildung. Die Spitzenwerte liegen je nach Fachbereich bei weit über 50 Prozent, so Joachim Diercks, Geschäftsführer von CYQUEST, Veranstalter der Recruiting 2015.

Von der Generation Y zur Generation Z

Was kommt auf die Unternehmen zu? Gero Hesse, Geschäftsführer Medienfabrik Gütersloh, präsentierte eine treffende Situationsbeschreibung. Seine Kernaussagen:

Wir reden in Kürze nicht mehr über die Generation Y, sondern über die Generation Z (Jahrgänge 1995 bis 2012). Sie stellt nur noch 18 Prozent der Bevölkerung, im Gegensatz zu den 22 Prozent der Generation Y.

Gen Z kommuniziert über Bilder, nicht mehr über Text. Ihr Kommunikationsmedium ist das Smartphone. Facebook ist noch der wichtigste Kanal, aber mit Einschränkungen. Instagram und Snapchat sind angesagt, die Musik kommt von Spotify. Vine und YouTube spielen eine große Rolle, Twitter ebenfalls.

Was bedeutet das für die Arbeitgeberkommunikation? Per Instagram „Unternehmen erlebbar machen“ und per Facebook „Unternehmen erklären“, so lautet die Meinung von Gero Hesse. Seine Forderung lautet: Für die Generation Z muss der richtige Inhalt im richtigen Kontext gespielt werden, um Relevanz zu erzeugen. Das ist selbst für so manche Kommunikationsexperten nicht so einfach.

Work-Life-Balance ist nicht so wichtig für Gen Z, sondern eine Work-Life-Blend.

Birger Meier

Birger Meier

43 Prozent aller Studierenden nutzt das Smartphone zur Jobsuche. Folglich sollte die Website mobiltauglich sein, auch der Karrierebereich. Das ist in vielen Unternehmen nicht der Fall. Bewerbungen per Smartphone hingegen sind noch selten ein Thema.

Die Gen Z wird bald Praktika in Unternehmen machen und eine Ausbildung aufnehmen. Angesichts der zukünftig sinkenden Bewerberzahlen werden die Unternehmen den gesamten Bewerbungsprozess unter die Lupe nehmen müssen.

Candidate Experience – ein positives Bewerbererlebnis schaffen

Damit kommen wir zur Candidate Experience. Ihr Ziel ist es, an allen relevanten Kontaktpunkten ein konsistentes Bild der Arbeitgebermarke erlebbar zu machen und ein positives Bewerbererlebnis zu schaffen. Hier zitiere ich den Vortrag von Birger Meier, Talent Acquisition Expert Boehringer Ingelheim, und Tim Verhoeven, Senior Manager HR Elégance, für mich ebenfalls ein Highlight auf der Recruiting 2015.

Tim Verhoeven

Tim Verhoeven

Ihr Vorbild ist das Customer Experience Management (CEM). Würden die Unternehmen ihre Bewerber als Kunden ansehen, dann wäre ein Blick auf die Prinzipien des CEM lohnenswert. Die Aufgabe ist anspruchsvoll: Boehringer Ingelheim kam auf 170 Touchpoints im Kontakt mit Bewerbern. Tim Verhoeven hatte in seinem Blog (http://nocheinpersonalmarketingblog.blogspot.de/2014/09/candidate-experience-4-zahlen-daten.html ) einige Fakten zu der Bewerberorientierung der Unternehmen aufgelistet. Wie diese:

  • „56,3 Prozent der Unternehmen bevorzugen Bewerbung über Online-Formulare“ versus „nur 8,6 Prozent der Bewerber bevorzugen hingegen diese Bewerbungsform“.
  • „34 Prozent aller Online-Bewerbungen dauern zwischen 31 und 60 Minuten“ versus „nur vier Prozent der Bewerber möchten mehr als 30 Minuten in eine Online-Bewerbung investieren“.
  • Die Situation heute: Nur 36 Prozent der Bewerber haben das Gefühl, wie Kunden behandelt zu werden.
Gero Hesse

Gero Hesse

blicksta kommuniziert individuell und zeitraumbezogen

In Zukunft ist die Arbeitgeberkommunikation mobil – und individuell. Beispiel blicksta: Gero Hesse stellte auf der Recruiting 2015 diese Plattform (https://blicksta.de/ ) vor, die auf den Digital Communication Awards 2014 als „Innovation of the Year” prämiert wurde. Für Schüler gibt es unendlich viele Informationen rund um das Thema Berufs- und Studienorientierung. Ziel von blicksta ist es, diese Komplexität zu reduzieren. Die Plattform passt sich den Lebens- und Entscheidungsphasen der Jugendlichen an. Sie ist individuell und zeitraumbezogen angelegt und bemüht sich, in jeder dieser Phasen die Schüler mit den jeweils passenden Inhalten anzusprechen.

Gero Hesse hatte auf der Veranstaltung ein kleines Video gezeigt, um die Werte der Generation Z vorzustellen. Es ist in meinem Blog zu finden. (http://blog.helge-weinberg.de/2014/recruiting-2015-wie-tickt-die-generation-z/ )

Über den Autor

Helge Weinberg ist Berater, Blogger und Journalist aus Hamburg. Seine Agentur Strategie & Kommunikation ist spezialisiert auf Strategische Kommunikation und Arbeitgeberkommunikation / Personalkommunikation. Darüber schreibt er auch als Blogger (http://blog.helge-weinberg.de/). Er ist Korrespondent Hamburg / Norddeutschland des PR-Journals und Mitglied der Redaktion des Crosswater Job Guide.

Kommentieren

cw1