Die schlimmsten Personalmarketing-Aktionen Deutschlands 2014

Wolfgang Brickwedde ist Director des Instituts for Competitive Recruiting in Heidelberg
Wolfgang Brickwedde, Institute for Competitive Recruiting

Ein Beitrag von Wolfgang Brickwedde, Institute for Competitive Recruiting

Goldene Runkelrübe 2014 für missratene Stellenanzeigen, Karriere-Videos, Karriere-Websites sowie Social-Media-Auftritte verliehen

Es gib ja manchmal Preise, da freut sich keiner wirklich drüber. Die Goldene Himbeere in Hollywood zum Beispiel. Auch bei der goldenen Runkelrübe ist so. Keiner der „Gewinner“ dürfte sich über die Auszeichnung mit diesem Preis wirklich freuen, gereichen sie wohl eher zu zweifelhaftem Ruhm. Im vergangenen Jahr wurde der Preis für herausragend schlechte Personalkommunikation ins Leben gerufen und erstmalig verliehen, nun ist die kuriose Auszeichnung zum zweiten Mal vergeben worden. Am 2.12.2014 in Berlin wurden die „Gewinner“ mit der Goldenen Runkelrübe ausgezeichnet. Der Preis wird in vier verschiedenen Kategorien verliehen – die „Gewinner“ sind:

Stellenanzeige: Europäisches Patentamt
Karriere Video: Volksbank Franken
Karriere Website: LASE Industrielle Lasertechnik
Social Media Auftritt: Call a Pizza

 

Detailierte Infos und Kommentare zu den „Gewinnern“ finden Sie weiter unten

Wer war sonst noch in Gefahr, zu „gewinnen“?

Die Nominierungen für 2014 finden Sie auf den folgenden Seiten:

Die abschreckendste Stellenanzeige
Das furchtbarste oder peinlichste Karriere-Video
Die unattraktivste Karrierewebsite
Den misslungensten Social Media-Auftritt

Über den „Preis“

Die Goldene Runkelrübe ist ein Publikumspreis – eine Jury, bestehend aus Unternehmensvertretern, Personaldienstleistern und Bewerbern, hat die schlechtesten Maßnahmen der Personalkommunikation dieses Jahres aus den 60 zuvor eingereichten Nominierungen ausgewählt. Alle Jurymitglieder bewerten die jeweiligen Maßnahmen nach eigenem Geschmack bzw. ihrer fachlichen Kompetenz.

“Das Ziel aller Personalmarketingmaßnahmen ist es, passende Bewerber anzusprechen und als Arbeitgeber zu überzeugen. Das ist nicht immer einfach, insbesondere in Berufsfeldern, in denen der Nachwuchs hart umkämpft ist. Umso wichtiger ist es also, zielgerichtet und mit den richtigen Botschaften zu kommunizieren”, so Jannis Tsalikis, einer der beiden Organisatoren des Awards.

Die Goldene Runkelrübe wird in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal verliehen. Da es mittlerweile eine Vielzahl an Auszeichnungen im HR-Bereich gibt, aber nicht alle Aktionen in der Personalkommunikation gut sind, riefen Jannis Tsalikis und Henner Knabenreich im vergangenen Jahr die Goldene Runkelrübe ins Leben. Das Ziel ist es, auf Fehler in der Personalkommunikation aufmerksam zu machen.

Aus Fehlern lernen

“Wir wollen die Unternehmen nicht an den Pranger stellen bzw. nicht lachend mit dem Finger auf sie zeigen. Ganz im Gegenteil. Unser Ziel ist es, auf Fehler hinzuweisen und die entsprechenden Maßnahmen in Zukunft zu verbessern – und das mit einem kleinen Augenzwinkern. Aus Fehlern lernt man schließlich, die ausgezeichneten Maßnahmen sind Lehrbeispiele und zeigen, wie man es eben nicht machen sollte”, sagt Henner Knabenreich, ebenfalls Organisator der Goldenen Runkelrübe.

Hier lesen Sie die Kommentare von Jannis Tsalikis und Henner Knabenreich zu den Auszeichnungen:

Die „Gewinner“ im Detail

Stellenanzeige: Europäisches Patentamt

Jannis Tsalikis
Jannis Tsalikis

Jannis Tsalikis: „Ganz offenbar ist hier Name Programm, denn das Europäische Patentamt bedient jedes Klischee. Die Stellenanzeige verliert sich viel zu sehr im Detail und ist mithin äußerst schwere Kost.“

 

Henner Knabenreich: „Das Europäische Patentamt sucht einen Direktor für Personaleinstellungen. Und das haben sie offenbar dringend nötig, wenn man einen Blick auf die Stellenanzeige wirft. Sie ist definitiv zu lang, es werden nur Forderungen gestellt, Informationen zu dem, was der Arbeitgeber bietet, findet der Bewerber auf zwei Zeilen. Vermutlich war es die unglaubliche Länge, die die Juroren zu diesem Urteil bewogen hat. Eine Entscheidung, die ich mittragen kann.“

Karriere-Video: Volksbank Franken


Jannis Tsalikis: „Ich möchte niemandem zu Nahe treten, aber aus meiner Sicht bringt mich die schauspielerische Leistung zum Fremdschämen. Konzept und Schnitt sind leider auch unprofessionell. Wenn solche Videos dann für ein Unternehmen stehen, ist das keineswegs dienlich für die Reputation.“

 

Henner Knabenreich Personalmarketing2null
Henner Knabenreich

Henner Knabenreich: „Ein würdiger Gewinner! Was haben diese Bettszene, was hat ein lediglich mit einer Unterhose bekleideter Bewerber mit dem ‚Top-Arbeitgeber’ Volksbank Franken zu tun? Und warum werden zusätzlich zu den (schlecht gespielten) Schauspielszenen noch billig animierte Einspieler gebracht? Peinlich, beschämend und reputationsschädigend.“

Karriere-Website: LASE Industrielle Lasertechnik


Jannis Tsalikis: „Ich muss gestehen, dass mich die Entscheidung der Juroren in diesem Fall etwas überrascht hat, denn schaut man sich die Nominierten an, dann hätten sicher auch andere Unternehmen gewinnen können. Jedoch: Ich habe lange keine Karrierewebsite gesehen, die so konsequent Bewerber ausgeladen hat. Von daher ist der Sieg auch nicht ungerecht.“
Henner Knabenreich: „Mein Favorit war ein anderer. Ich persönlich kann die Entscheidung der Juroren nicht so ganz nachvollziehen. Allerdings wirkt das ‚Besetzt!’ in der Tat eher abschreckend und signalisiert auch nicht gerade, dass der Bewerber willkommen ist.“

Social Media: Call a Pizza

(Es sieht aus, als wenn die Macher der Seite sehr schnell reagiert haben, die Seite ist nicht mehr zu finden!)

Jannis Tsalikis: „Wer in Social Media aktiv sein will, muss bereit sein, sich über guten Content Gedanken zu machen und bereit sein für den Dialog. Einfach immer nur den gleichen Post zu veröffentlichen ist, als wolle man in einer Bar seine Freunde mit immer der gleichen Story begeistern. Genau das macht Call a Pizza und verdient mithin zurecht die Rübe. Gratulation.“

Henner Knabenreich: „Muss ein Unternehmen zwingend mit einer Karriereseite auf Facebook vertreten sein? Definitiv nicht. Und schon gar nicht, wenn einem nichts an Inhalt einfällt und man regelmäßig ewig den gleichen Inhalt postet. Mein Favorit war allerdings die Jobmesse auf Twitter. Twitter braucht keine festen Öffnungszeiten. Und Unternehmen, die das Prinzip Twitter nicht verstanden haben, sollten der Plattform einfach fern bleiben. So einfach ist das!“

 

Mehr Info unter: www.goldenerunkelruebe.de

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.