Kontrapunkt: Social Media Recruiting hat Grenzen. Print auch.

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide.

Protagonisten und Opponenten des Social Media Recruiting erreichen in diesen Tagen wieder einmal mehr den medizinisch bedenklichen Zustand der Schnappatmung. Was ist geschehen? Der Personaldienstleister Robert Half hatte Studienergebnisse lanciert, die suggerierten, dass die Mitarbeitersuche im Social Web häufig erfolglos bleibe. Und es dauerte nicht lange, bis der Lesereflex zubiss: Umfragen und Studien sind nur gut, solange sie das eigene vorgefasste Weltbild bestätigen. Andernfalls werden sie hinterfragt, aber so was von.

Während sich die Wirtschaftswoche ausführlich den Studienergebnissen von Robert Half widmete und die Ergebnisse mehr oder weniger kritiklos unter die Leser brachte, erntete die gleiche Studie mächtig Kritik in den einschlägigen Kreisen. Der Aufmacher setzte gleich Akzente: „Mitarbeitersuche im Social Web bleibt häufig erfolglos“. Die WiWo begründete weiter:

Unternehmen suchen zunehmend über Facebook oder Xing nach Bewerbern. Nur Erfolg haben sie damit bislang kaum. Immerhin: Die Stellenanzeige im Web 2.0 erreicht mehr Menschen als die Zeitungsannonce.

Social Media Portale wie Xing, Facebook und LinkedIn werden immer häufiger für die Personalsuche eingesetzt. Schließlich nutzen mehr als sechs Millionen Deutsche ebenfalls diese Portale, anstatt die Homepages der einzelnen Unternehmen zu besuchen oder in den Stellenanzeigen der Zeitung nach einem geeigneten Job zu schauen. Wer seine Bewerber erreichen will, kommt um soziale Netzwerke also gar nicht herum. Nur Erfolg haben die Unternehmen damit keinen.
Laut einer Arbeitsmarktstudie des Personaldienstleisters Robert Half haben 33 Prozent bislang keine geeigneten Mitarbeiter im Web gefunden. Weniger als 44 Prozent der Personalentscheider, die über Social Media bereits erfolgreich rekrutiert haben, fanden einen neuen Mitarbeiter über Xing. Bei Facebook und LinkedIn fällt die Erfolgsquote noch geringer aus. Auch wenn Social Media das Recruiting stark verändert hat, lassen die Studienergebnisse darauf schließen, dass sie kein Ersatz für traditionelle Personalgewinnungsmethoden sind.

Die Vorteile von Social Media Recruiting

Allerdings bietet die Mitarbeitersuche über soziale Netzwerke durchaus Vorteile. So nutzen 37 Prozent der befragten Unternehmen Social Media Portale vor allem, um Stellenangebote zu bewerben und eine größere Anzahl an potenziellen Bewerbern zu erreichen.

Die aktive Identifizierung von geeigneten Kandidaten sehen 28 Prozent als größten Pluspunkt. Und immerhin zwölf Prozent der Unternehmen in Deutschland schätzen die Möglichkeit, bei der Auseinandersetzung mit einem Kandidaten dessen Social Media Profile überprüfen zu können. „Das schnelle Aufsetzen eines Social Media Unternehmensprofils lässt nur dem Anschein nach die Personalsuche einfacher erscheinen“, sagt Sven Hennige von Robert Half.

(Quelle: http://www.wiwo.de/erfolg/jobsuche/social-media-recruiting-hat-grenzen-mitarbeitersuche-im-social-web-bleibt-haeufig-erfolglos/11351730.html)

 

 

 

Als wäre es nicht genug mit den pseudo-statistikfesten Glaubensbekenntnissen kam Manpower zu einem entgegengesetzen Urteil: Print ist nicht tot und Jobsuchende bevorzugen Stellenanzeigen in Tages- und Fachzeitschriften. HR-Blogger Henner Knabenreich folgte dem ICE-Slogan der Bahn (…das erledige ich im Zug) und sezierte die Manpower-Studie in ihre Einzelteile.

 

Jobsuche: Print die Nummer 1 bei Bewerbern

Diesmal von Manpower, die 1.001 Teilnehmer nach ihren Jobsuch-Gewohnheiten befragt haben. Überraschend: Obwohl von allen tot gesagt, hält sich Print (nach wie vor) hartnäckig an der Spitze.

Denn gleich zweimal tauchen Printmedien in der Umfrage auf. Einmal die Stellenanzeigen in den Tageszeitungen (lesen 46 Prozent der Befragten), zum anderen Stellenanzeigen in Fachzeitschriften (16 Prozent). Macht in Summe: satte 62 Prozent. Wer hätte das gedacht?

 

 

 

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