Social Media Recruiting und Active Sourcing: Xing kämpft mit 20.000 gefälschten Profilen

Gerhard Kenk
Gerhard Kenk

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide

Übereinstimmend berichten Online- und Printmedien von einer Fälschungsattacke, der das Business-Kontakt-Netzwerk Xing zum Opfer gefallen ist. Die Print-Ausgabe des SPIEGEL-Magazins, das Nachrichten-Portal MEEDIA, aber auch ausländische Medien wie z.B. „Der Standard“ berichten ausführlich über diese Cyber-Attacke. Zwar werden Vermutungen angestellt, dass ein Konkurrent hinter der Attacke steckt, oder ob jemand für eine wissenschaftliche Arbeit herausfinden will, wie lange die Löschung von gefälschten Profilen dauert – hieb- und stichfeste Beweise fehlen bislang.

So schildert MEEDIA die Nachrichtenlage:

Das Karrierenetzwerk Xing hat offenbar Probleme mit falschen Profilen. Wie der Spiegel berichtet, sei bei der Burda-Beteiligung seit Sommer vergangenen Jahres ein Fake-Cluster aktiv. Derzeit gehe das Unternehmen von etwa 20.000 Fake-Profilen aus. Wer dahinter steckt, ist unklar.

Die falschen Profile seien vor allem deutschsprachig, enthielten echte Berufe und existierende Städtenahmen, wobei vor allem kleinere Städte in der Mehrzahl seien, so der Spiegel. In der Regel seien die Profile aber inaktiv. In einer internen Präsentation, die dem Spiegel vorliegt, heißt es, die Profile seien raffiniert erstellt worden. So wurden stets verschiedene IP-Adressen verwendet, auch die benutzten E-Mail-Adressen seien teilweise ungewöhnlich.

Obwohl man zu Beginn von einer Cyberattacke ausging, könnte es laut Spiegel auch ein Konkurrent sein, der der Reputation von Xing schaden wolle. Intern schließe man aber auch andere Gründe nicht aus. So zum Beispiel eine Einzelperson, die für eine wissenschaftliche Arbeit herausfinden möchte, wie lange es dauert, bis gefälschte Profile gelöscht werden.

Ein Xing-Sprecher sagt, man werde die gefälschten Profile identifizieren und löschen. Der Aufwand sei groß und erfordere in vielen Fällen “Handarbeit”. Zudem habe der Vorstand beschlossen, juristisch gegen Unbekannt vorzugehen.

 

Es zeigt sich wieder einmal mehr, dass Cyber-Diebstahl und auch „digitale Kuckuckseier“ in Form von gefälschten Profilen ein erhebliches Reputationsrisiko für ein Business-Netzwerk wie Xing darstellt. Verwunderlich ist in diesem Zusammenhang, dass Xing nicht schon länger an der Entwicklung eines automatischen Validierungsprozess arbeitet, damit solche Fakes früher und effizienter erkannt werden als es in mühevoller Handarbeit möglich zu sein scheint. Ähnliche Probleme wurden in der Vergangenheit auch im Zusammenhang mit manipulierten Arbeitgeberbeurteilungen auf dem kununu-Bewertungsportal berichtet.

Dabei ist es beileibe kein digitales Hexenwerk, solche potentiellen Manipulationen zu erkennen, wenn man einige digitale Indikatoren berücksichtigt:

  • Welche IP-Adressen wurden als Ausgangspunkt dieser Manipulationen verwendet?
  • Zeichnet sich dabei eine Klumpenbildung ab?
  • Wie hoch ist der prozentuale Anteil von IP-Adressen, die auf den Einsatz von mobilen Geräten wie z. B. Smartphones hinweisen?
  • Welche E-Mail-Adressen werden bei diesen Manipulationen genutzt?
  • Gibt es eine Klumpenbildung bei solchen  E-Mail-Adressen?
  • Unterliegen die genannten E-Mail-Adressen einer automatischen Validierung durch eine Bestätigungsmail?
  • Welche Mail-Server kommen dabei zum Einsatz?
  • Welche Muster im Zeitverhalten lassen sich aus den manipulierten Einträgen erkennen, aus welchen globalen Zeitzonen stammen diese Manipulationen?
  • Werden Methoden der Sozialen Netzwerk-Analysen (SNA) automatisiert eingesetzt, um Manipulationen und Kohorteneffekte zu erkennen, wie es beispielsweise in den Sozialwissenschaften seit Jahrzehnten zum Handwerkszeug gehört?
  • Erfolgt ein Abgleich potentieller Profil-Fälschungen mit anderen digitalen Verzeichnissen, wie z. B. Facebook, LinkedIn, Yasni, vebidoo oder gar dem Evergreen-Klassiker, das örtliche Telefonbuch?

Zunächst zeigt sich, dass die gefälschten Xing-Profile sich noch nicht auf den Börsenkurs der Xing-Aktie auswirken. Diese ist nach wie vor im Steigflug und zeigt auch im Vergleich mit der Kursentwicklung des DAX-Indexes eine robuste Performance.

Vergleich der Börsenkursentwicklung DAX (blaue Linie) und Xing (grüne Linie)
Vergleich der Börsenkursentwicklung DAX (blaue Linie) und Xing (grüne Linie)

 

Ein möglicher Reputationsschaden für Xing lässt sich Stand heute nicht abschätzen. Solche Probleme wirken sich – nachdem sich die ersten Äußerungen  gelegt hat – eher mittelfristig aus. Spannend bleibt es zu beobachten, wie Xing in den Sozialen Medien mit einem potentiellen Entrüstungssturm umgeht. Auf alle Fälle wird es nicht zu einem #Aufschrei kommen, weil boulevardeske Ingredienzen wie Politik, Frauenverachtung oder sexistische Anzüglichkeiten bislang fehlen.

 

 

2 Kommentare zu „Social Media Recruiting und Active Sourcing: Xing kämpft mit 20.000 gefälschten Profilen“

  1. Michael K.

    Lustig, wie die „Experten“ immernoch auf dem Holzweg sind, was die Massen an Fakeprofilen angeht.

    Es steckt keine Konkurrenz dahinter, oder jemand der Xing schaden will.

    Ein kleiner Tipp zu Lösung der ganzen Aufregung – Paid4. 🙂

  2. Pingback: Rückblick Recruiting 2015 - Die Themen Januar bis März

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