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Nachbericht PERSONAL2015 Nord: Bahnstreik bremst Aufwärtstrend von Norddeutschlands größter HR-Messe

  • Ralf Hocke
    Ralf Hocke

    3.612 Besucher und 255 Aussteller trafen in den Hamburger Messehallen zusammen

  • Digitalisierung der Arbeitswelt ist starker Treiber für neue Trends im Personalmanagement
  • Beirat für Personalfachmessen in Deutschland gegründet

Wie Unternehmen mit einem innovativen Personalmanagement Herausforderungen wie die Digitalisierung der Wirtschaft oder den Fachkräftemangel bewältigen können, beschäftigte Personal-Experten auf der PERSONAL2015 Nord, zu der am 6. und 7. Mai 3.612 Fachleute in die Hamburger Messehallen kamen. Am Vorabend der Messe wurde ein Beirat für die Personalfachmessen Zukunft Personal sowie PERSONAL2015 Nord und Süd gegründet. Er soll den Veranstalter bei der Weiterentwicklung der Plattformen beraten.

„Trotz des leichten Besucherrückgangs im Vergleich zum Vorjahr zeigten sich die Aussteller sehr zufrieden mit der hohen Dichte an Fachbesuchern und lobten die neuen Räumlichkeiten [Hamburger Messehallen, vorher CCH]“, sagte Ralf Hocke, Geschäftsführer vom Veranstalter spring Messe Management. Die Messekonzepte von spring konnten auch viele Personalverantwortliche überzeugen: Das Unternehmen lag beim erstmals vergebenen HR-Supporter-Award in der Kategorie Veranstaltungsmanagement vorne. „Dennoch ist es sehr ärgerlich, dass wir aufgrund des Bahnstreiks nach der Zukunft Personal im Oktober nun zum zweiten Mal mit erschwerten Anreisebedingungen zu kämpfen hatten und deshalb nicht das volle Potenzial der Veranstaltung ausschöpfen konnten.“

Wachstumsfelder: IT, Trainingsmarkt und Corporate Health

Mit 255 Ausstellern hatte die Veranstaltung bei den Ausstellern leicht zugelegt. In der Pressekonferenz der PERSONAL2015 Nord identifizierte der spring-Geschäftsführer Hocke innovative Softwarelösungen, Angebote für das Betriebliche Gesundheitsmanagement sowie Training und Coaching als Wachstumsfelder am Markt, die auch auf der Messe zum Tragen kamen. Als Neuaussteller waren etwa die Heigel GmbH und die Corrente AG am Start, die beide externe Gesundheitsberatungen für Mitarbeiter anbieten, sogenannte EAP-Programme. Hinzu kamen Produktneuheiten aus diesem Segment: Die vitaliberty GmbH, die ebenfalls beim HR-Supporter-Award punkten konnte, präsentierte etwa die mobile Version von moove, einer digitalen Lösung für das Betriebliche Gesundheitsmanagement.

Candidate Experience: Der Kandidat steht im Mittelpunkt

Im Softwarebereich zeigten unter anderem die Dienstleister aus dem Recruiting-Umfeld neue Lösungen. So hatte der Online-Stellenmarkt Jobware die neuen Anwendungen Anschreiben2go und Lebenslauf2go im Gepäck. In wenigen Minuten können Kandidaten mit geringem Aufwand einen ansprechenden Lebenslauf und ein aussagekräftiges Anschreiben anfertigen. Denn neben mobil optimierten Stellenanzeigen sind vor allem einfache und dennoch erfolgversprechende Bewerbungswege für Kandidaten gefragt. Das Startup Talerio, das ebenfalls in Hamburg vertreten war, lässt deshalb junge Talente einen einmaligen Test absolvieren, auf dessen Grundlage Unternehmen sich selbst passgenau bei den Kandidaten bewerben können. Auch die Headhunter-Plattform BetterHeads setzt mit einem Berater-Feedback durch die Kandidaten seit Kurzem auf „Candidate Experience“.

Aus dummen Daten schlaue Schlüsse ziehen

Prof. Dr. Jens Nachtwei
Prof. Dr. Jens Nachtwei

In der Pressekonferenz der Messe PERSONAL2015 Nord ging es um die Frage, ob die Arbeitswelt von der Digitalisierung allein getrieben wird oder wie das Personalmanagement zur Agilität und Beschleunigung in der Wirtschaft betragen kann. Prof Dr. Jens Nachtwei von der Humboldt Universität zu Berlin, vertiefte bei dieser Gelegenheit zentrale Ergebnisse der Trendstudie „Big Data in HR“, zu der es demnächst eine eigene Website mit Ergebnissen geben soll. „Man merkt, dass eine gewisse Hilflosigkeit existiert, in der Frage, wie man Daten nutzen kann. Daten selbst sind erst einmal dumm, man kann sie nur clever analysieren und miteinander in Verbindung bringen“, so der Personal- und Organisationspsychologe. Während in mittelständischen Betrieben vor allem die Geschäftsführung das Thema vorantreibe, greife in größeren Unternehmen eher auch die Personalabteilung aktiv ein. „Großunternehmen sind mit dem Thema insgesamt stärker vertraut, bekleckern sich bei der Umsetzung aber auch nicht mit Ruhm.“

Agilität: Kleine Schritte statt großer Wurf

Agilität ist laut Prof. Nachtwei jedoch nicht nur ein Daten-, sondern auch ein Führungsthema: „Als Führungskraft müssen Sie Ihre Mitarbeiter in die Lage versetzen, dass sie ihre Probleme selbst lösen. Führungskräfte haben hierzulande allerdings oft noch nicht verstanden, was hinter dem Begriff Empowerment steckt: Wenn sie Verantwortung abgeben, können sie damit auch Prozesse verschlanken, beschleunigen und qualitativ verbessern.“ Zudem komme es in der Personalarbeit darauf an, neue Instrumente in kleinen Schritten auszuprobieren. „In Deutschland möchten wir immer gleich das große Rad drehen statt kleine Iterationen zu wählen“, so Nachtwei. Man könne etwa einen Test in der Personalauswahl einführen und nach einiger Zeit evaluieren, wie erfolgreich die darüber eingestellten Mitarbeiter tatsächlich seien und den Test dann ggf. austauschen. Viele Unternehmen glaubten jedoch, sie müssten Verfahren wie Assessment Center nicht überprüfen, da es doch Studien über deren Validität gebe. „Sich beim eigenen Assessment Center auf Validitätsaussagen von Metaanalysen zu berufen ist so, als ob Sie sagen würden: Alle Autos sind sicher, und dann in die Seifenkiste Marke Eigenbau steigen.“

Von Startups lernen: InnoGames legt beim Personal rasant zu

Mit Michael Zillmer, Mitgründer und Geschäftsführer von InnoGames, einem weltweit agierenden Entwickler und Betreiber von Online-Spielen, war ein Personalverantwortlicher aus einem sehr dynamischen Wachstumsfeld in der Pressekonferenz vertreten: Sein Unternehmen hat derzeit 380 Mitarbeiter und legt jährlich um 30 Prozent zu. InnoGames nutze Big Data zur Identifizierung von Spielern, die mit hoher Wahrscheinlichkeit bald aus einem Spiel aussteigen. „Entsprechend könnte man theoretisch auch in HR analysieren, welcher Mitarbeiter zu X Prozent das Unternehmen verlassen wird. Doch wir denken bisher nicht, das dies moralisch vertretbar wäre.“ Die Mitarbeiter im Entwicklerumfeld reagierten auf die Abfrage personenbezogener Daten zudem sehr sensibel. Deshalb sei der Einsatz von Datenanalysen eher im Personalmarketing möglich. Dort lasse sich zum Beispiel überprüfen, wie ein Kandidat auf die Stellenanzeige stoße, um ihn anschließend adäquat anzusprechen. „Um agiler und schneller zu werden, braucht man die besten Mitarbeiter“, betonte der COO. „Wir versuchen, im Rahmen einer langfristigen Strategie viele Prozesse zu verkürzen, zum Beispiel sollte ein Einstellungsprozess in zwei Wochen abgeschlossen sein.“

Fluide Organisation für eine stärkere Innovationskultur

Auch Dr. Ursula Schütze-Kreilkamp, Leiterin Personalentwicklung Konzern und Konzernführungskräfte der DB Mobility Logistics AG, betonte in der Auftakt-Keynote der Messe, dass Personaler im Zuge der Digitalisierung viel von Startups lernen könnten. „Startups sind so innovativ und erfolgreich, weil sie kurze Wege haben und schnelle Entscheidungen treffen“, so die Vize-Präsidentin des Bundesverbandes für Personalmanager (BPM). „Dort tauschen sich die Leute wertfrei aus. Sie sagen nicht, ‚Das ist eine blöde Idee!‘, sondern ‚Warum hat das nicht funktioniert?‘“. Diese Art der Fehlerkultur brauche es auch in etablierten Unternehmen, die eine Innovationskultur voranbringen möchten. HR könne dabei helfen, Räume zum Diskutieren zu bieten und den Übergang zur fluiden Organisation zu gestalten. So habe die Deutsche Bahn kürzlich das DB Lab ins Leben gerufen, das innovative Ideen unabhängig von der Linie vorantreibe – etwa zum Thema Sicherheit. Es sei sehr divers zusammengesetzt, zum größten Teil aus eigenen Mitarbeitern. „Einer der Linienmanager meinte, dass in acht Monaten ein Ergebnis herausgekommen ist, für das man in der Linie zwei Jahre gebraucht hätte“, zog die Dr. Schütze-Kreilkamp eine erste Bilanz.

Messebeirat gegründet

„Wir stehen im Zuge der Digitalisierung vor einem langfristigen Wandlungsprozess der Arbeitswelt, den wir aktiv gestalten sollten“, zeigte sich auch spring-Geschäftsführer Ralf Hocke überzeugt. Dies wolle der Messeveranstalter tatkräftig unterstützen und dafür Aussteller, Multiplikatoren und Verbände einbinden. Vor diesem Hintergrund habe spring die Messe in Hamburg genutzt, um in einer konstituierenden Sitzung einen Beirat für die Messen Zukunft Personal sowie PERSONAL Nord und Süd zu gründen. „Wir haben uns dazu entschieden, mit den Ausstellern und Interessensvertretern der Besucher noch stärker zusammenzurücken und uns gemeinsam anzuschauen, wo die Messen stehen und wie wir sie optimieren können. Im Messebeirat sind 20 Persönlichkeiten aus allen HR-Branchen vertreten. Wir hatten eine sehr positive und stimmungsvolle Sitzung und freuen uns auf der Ebene weiter zu machen“, so Hocke. Pläne des Veranstalters, vermehrt Startups einzubinden und auf der Zukunft Personal erstmals ein Messemotto auszurufen, seien auf sehr positive Resonanz gestoßen. „Wir arbeiten daran, neue Formate für die Messe zu entwickeln, um die Interaktion noch stärker zu fördern.“ Der Messebeirat soll zweimal im Jahr tagen – das nächste Mal im November 2015.

Über die PERSONAL2015 Nord

 

Die Messe PERSONAL2015 Nord ist die führende Veranstaltung für die Personalwirtschaft in Norddeutschland. Vom 6. bis 7. Mai kam der Treffpunkt für Personaler erstmals in die Hamburger Messehallen (vorher CCH – Congress Center Hamburg). Personalentscheider, Geschäftsführer und Mitarbeiter von Personalabteilungen erhielten einen Überblick über die Trends im Personalmanagement – von Personalsoftware und Online-Recruiting über Weiterbildung und E-Learning bis hin zu Betrieblichem Gesundheitsmanagement. Integriert in den Ausstellungsbereich der Halle A4  lief an beiden Messetagen ein umfassendes Begleitprogramm aus Vorträgen, Diskussionen und Networking-Formaten.
Die nächste PERSONAL Nord gastiert vom 26. und 27. April 2016 wieder in den Hamburger Messehallen.

Weitere Informationen: www.personal-nord.com

Vom 19. bis 20. Mai folgt die PERSONAL2015 Süd, die in der Messe Stuttgart die wichtigsten Kernmärkte im Personalmanagement zeigt – parallel zur Corporate Health Convention. Eintrittstickets berechtigen zum Besuch beider Messen.

Weitere Informationen und Anmeldung: www.personal-sued.de

Über spring Messe Management GmbH

spring Messe Management veranstaltet Fachmessen für Personalmanagement, Professional Learning, Corporate Health, job and career und den Public Sector. Langjährige Messe-Erfahrung, thematische Expertise und nachhaltige Kundenorientierung machen die spring-Veranstaltungen zu etablierten Branchenplattformen. Die Fachmessen aus dem Hause spring sind Seismographen für neue Produkte, Ideen und Managemententwicklungen. Das Tochterunternehmen der Deutschen Messe AG ist in vier Ländern vertreten: Deutschland, Österreich, Ungarn und Russland.

Pressekontakt:

Stefanie Hornung
Pressesprecherin „PERSONAL“
Tel. +49 621 70019-205
E-Mail: s.hornung@messe.org

spring Messe Management GmbH
Güterhallenstraße 18a
68159 Mannheim
Internet: www.messe.org

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