Der neue FRAX: Mehr Transparenz für den Finanz-Arbeitsmarkt Frankfurt

Prof.Dr.Udo Steffens, Frankfurt School of Finance

Frankfurt am Main (ghk).  Es war kurz nach 18:30 Uhr, als der Präsident der Frankfurt School of Finance & Management, Professor  Dr. Udo Steffens, ans Rednerpult trat um die zahlreich erschienenen Gäste zu begrüßen. Es ging um die Ankündigung des Frankfurter Arbeitsmarkt-Index, kurz FRAX, es ging um mehr Transparenz für die Beschäftigten am Finanzplatz Frankfurt – und es ging darum, einen Innovationspreis für eine gute Idee zu übergeben. Kurzum, er hatte allen Grund, auf diesen Anlass mit einigem Stolz hinzuweisen.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass er einen Ehrenpreis des Bundespräsidenten Horst Köhler präsentieren kann – und das an einen wissenschaftlichen Mitarbeiter seiner Hochschule.  Köhlers Preis, der in der Reihe „Deutschland – Land der Ideen“ die besondere Innovationskraft der Bundesrepublik Deutschland im Fokus hat, bedeutete ebenfalls einen Renommee-Gewinn für die Frankfurt School of Finance. Es war ihr damit gelungen, aus dem Schatten des akademischen Elfenbeinturms herauszutreten und Forschungsergebnisse zu präsentieren, die für den Finanzarbeitsplatz Frankfurt und den Beschäftigten von erheblicher Relevanz sind.

Dr. Dirk Rudolph, Senior Research Fellow war dafür verantwortlich, denn sein vor einigen Jahren konzipierter Arbeitsmarkt-Index für die Analyse der Entwicklung des Frankfurter Arbeitsmarktplatz für Banker, kurz FRAX (Frankfurt Arbeitsmarkt-Index) benannt, kam nach langen Monaten der Datenrecherche endlich auf der Zielgeraden der statistischen Zeitreihenrelevanz an und konnte eine lukrative Dividende in Form von Transparenz und Marktliquidität ausschütten.

Die Preisverleihung an Dr. Dirk Rudolph (hintere Reihe vl.: Oliver Stock (Handelsblatt), Prof. Dr. Udo Steffens(Frankfurt School), Christoph Mohr (Frankfurt School Verlag),Tilman Wittershagen (Deutsche Bank)

Für Steffens  kam dieser Festakt der Preisverleihung gerade recht, denn seine eigentliche Klientel  – der finanzwirtschaftlich-orientierten akademischen Nachwuchs – wurde in der Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise mit einer Imagekrise konfrontiert. Welcher angehende Betriebs- oder Volkswirt möchte gerne Opfer eines beschäftigungsbezogenen „Schweinezyklus“ werden angesichts des nicht ganz zimperlichen Duktus der Boulevardpresse, die den einst hoch angesehenen Bankkaufmannsberuf flugs in die griffige Formel „Gier-Banker“ umdefinierte.

Und so schlüpft der nach dem Medien-Sponsor benannte „Handelsblatt-FRAX“ in das Kostüm des aus zahlreichen Firmenübernahmeschlachten bekannten „Weißen Ritters“ – und setzt dem schleichenden Imageverlust des Bankberufs konkrete empirische Transparenz entgegen. Am Banker-Arbeitsmarkt Frankfurt kann die Auseinandersetzung nun mit offenem Visier geführt werden, der Handelsblatt-FRAX liefert die notwendigen Informationen für eine sachlich-rational geführte Diskussion über Chancen und Risiken in diesem Arbeitsmarkt-Segment.

Oliver Stock, Handelsblatt

Oliver Stock vom Handelsblatt betonte die Relevanz der Informationsquellen: Wer etwas über den Coca-Cola Konzern wissen will, findet keine bessere Quelle als den unmittelbaren Konkurrenten – „Ask Pepsi“ lautet die Devise. Für den FRAX gäbe es nichts vergleichbares – es handelt sich um einen einzigartigen Arbeitsmarktindex, an dessen Konzeption Christoph Mohr (damals beim Handelsblatt-Verlag für „Junge Karriere“ verantwortlich) einen grossen Anteil hatte und im Jahr 2007 mit den Vorarbeiten begonnen wurde.

Als Dr. Dirk Rudolph den von ihm entwickelten Arbeitsmarktindex FRAX erläuterte, betonte er eingangs, dass es für dieses Arbeitsmarktsegment keinen vergleichbaren Index gäbe. Das Orakel der Web 2.0 Generation liefert mit „Google Trends“ lediglich eine zeitbezogene Analyse der Suchbegriffe, der von der Bundesagentur für Arbeit konzipierte Arbeitsmarktindex BAX beinhaltet alle Arbeitsmarktsektoren ist für die Belange des Frankfurter Finanzarbeitsmarkts nicht differenziert genug.

Mehr Transparenz – weniger Fehlverhalten

Die Intransparenz dieser Arbeitsmarktdaten stellt ein Missverhältnis zwischen öffentlichem Interesse und objektiven Informationen dar, das zu beschäftigungspolitischen Fehlverhalten und der aus der volkswirtschaftlichen Markttheorie hinlänglich bekannten Falle des sogenannten „Schweinezyklus“ führe, erläuterte Rudolph. Spezifische Folgen  dieser Intransparenz sind neben diesen Fehlallokationen längere Vakanz-Zeiten, höhere Rekrutierungskosten und steigende betriebliche Kosten der Nichtbesetzung von vakanten Stellen.  „Banking is essential, Bankers are not“ – dem  Statement von Multimilliardär und Microsoft-Gründer Bill Gates – widersprach Rudolph ganz entschieden.  Banking ist ein People-Business – das Vertrauen der Kunden und der Öffentlichkeit fokussiert sich nicht auf Institutionen, anonyme Risiko-Kontrollprozeduren oder sanft schnurrende Computersysteme sondern auf die realen handelnden Personen. Und so stellt der FRAX wieder den Menschen am Arbeitsmarkt in den Mittelpunkt und spiegelt die Liquidität des Arbeitsmarktes.

FRAX: Worum es wirklich geht

Die Problemstellung und Lösungsansätze des FRAX werden von Dirk Rudolph so zusammengefasst:

Problemstellung

Die Ertragskrise und die nachfolgenden Umstrukturierungsmaßnahmen in den deutschen Banken in den Jahren 2002-2004 haben dazu geführt, dass Tausende von Mitarbeitern, die nach den Mustern der Vergangenheit ausgebildet wurden, entlassen worden sind. Die Entlassungswellen der letzten Jahre haben in der Presse die entsprechend große Aufmerksamkeit gefunden und den Eindruck erweckt, die deutsche Bankenindustrie sei eine alternde, schrumpfende Industrie mit den  ementsprechend negativen Karriereaussichten.

Weltweit gehört aber die Bankenindustrie zu den überdurchschnittlich stark wachsenden Sektoren und gerade in diesem Sektor entsteht eine große Zahl von intellektuell herausfordernden, interessanten und gut bezahlten Jobs. In der Öffentlichkeit ist dies aber bisher kaum wahrgenommen worden. Vielmehr hat sich hierzulande in der jüngsten Vergangenheit ein eher negatives Bild über Banken als Arbeitgeber verbreitet. Die Folge davon war ein Absinken der Bewerberzahlen z.B. für Ausbildungsplätze bei einigen der renommierten Banken auf Niveaus, die bisher nicht bekannt waren. Auch auf die Bewerberzahlen der Frankfurt School of Finance & Management hatte diese Veränderung des Umfeldes einen spürbar negativen Einfluss gehabt. Das Image der Banken, ein krisenstabiler, attraktiver Arbeitgeber zu sein, hat zweifellos in den letzten Jahren stark gelitten, und das, obwohl auch weiterhin eine relativ große Zahl an offenen Stellen und Ausbildungsplätzen in diesem Wirtschaftssektor angeboten wurden.

Mangelnde Transparenz der Arbeitsmärkte

Dies ist ein Beispiel dafür, wie der Mangel an Transparenz von Angebot und Nachfrage auf Arbeitsmärkten zu Fehlallokationen, in diesem Fall zu einem Nachfrageüberhang nach qualifizierten Arbeitskräften oder talentierten Auszubildenden führen kann. Gerade für diejenigen, die sich in der Ausbildung befinden, ist es extrem wichtig, realistische und gut informierte Erwartungen zu bilden, was die Beschäftigungsaussichten für die Zeit nach der Beendigung der eigenen Ausbildung betrifft. Bei den meisten Ausbildungs- und Studiengängen handelt es sich hier um Zeithorizonte von etwa drei bis fünf Jahren. Dementsprechend gering sollten Auszubildende und Studienanfänger daher die gegenwärtige Situation auf dem für sie relevanten Arbeitsmarkt gewichten und sich an den längerfristigen Tendenzen und Trends orientieren.

Doch das setzt voraus, dass ausreichend Daten über die langfristige Entwicklung der interessierenden Arbeitsmärkte zur Verfügung stehen. Fehlen diese Daten zur Entscheidungsfindung jedoch, dann bleibt den Auszubildenden und Studienanfängern nichts anderes übrig, als ihre Erwartungen über den zukünftigen Arbeitsmarkt auf dem subjektiv wahrgenommenen Stimmungsbild der gegenwärtigen Arbeitsmarktlage zu gründen. Unter Volkswirten nennt man die Bildung von Prognosen durch einfache Extrapolation der Gegenwart in die Zukunft: „naive Erwartungsbildung“. Zu deutsch: „Was in der Gegenwart gilt, wird auch in der Zukunft gelten.“ Das Resultat solcher naiven Erwartungen sind die so genannten Schweinezyklen, also zyklische Schwingungen bei Preisen und Mengen. Die Logik, die zu solchen Schwingungen nicht nur auf Schweinemärkten sondern auch auf Arbeitsmärkten führt, ist leicht verständlich.

Naive Erwartungen, Spinnweb-Zyklen und Arbeitslosigkeit

Angenommen Studenten würden sich bei ihrer Studienwahl nach der Lage des gegenwärtigen Arbeitsmarktes richten und der Arbeitsmarkt z.B. für Ingenieure im Jahre 1990 wäre leergefegt. Dementsprechend weit über dem Durchschnitt würden dann auch die Anfangsgehälter für Hochschulabgänger der Ingenieurwissenschaften liegen. In diesem Fall würde ein wesentlich höherer Prozentsatz der Hochschulanfänger als üblich mit einem solchen Studienfach beginnen. Etwa fünf Jahre später würden dann diese Studenten auf den Arbeitsmarkt drängen. Selbst dann, wenn die gute Konjunktur z. B. im Maschinenbau angehalten hätte, wäre das Angebot an Hochschulabgängern der Ingenieurwissenschaften zu groß, als dass alle Abgänger einen adäquaten Arbeitsplatz finden könnten.

Dem Gesetz von Angebot und Nachfrage folgend verschwindet bei diesem starken Arbeitskräfteangebot die Gehaltsprämie der Ingenieure (also die Differenz zwischen den Einstiegsgehältern dieser Hochschulabsolventen und dem Durchschnitt der Einstiegsgehälter der Absolventen aller Fachrichtungen) wieder. Angesichts von gesunkenen Einstiegsgehältern im Jahre 1994 würden dann weniger Hochschulanfänger ein Studium der Ingenieurwissenschaften beginnen, was wiederum zu einer Knappheit und überdurchschnittlich hohen Gehältern im Markt für Hochschulabgänger der Ingenieurwissenschaften im Jahre 1999 führen würde. Der Zyklus hätte sich geschlossen. Das Spinnweb-Theorem der Wirtschaftstheoretiker kann nicht nur die Preis- und Mengenzyklen in Schweinemärkten, sondern auch das zyklische Auf und Ab in spezialisierten Arbeitsmärkten erklären.

Wer seine Studien- und Berufsausbildung all zu sehr von der gegenwärtigen Arbeitsmarktlage   abhängig macht, läuft Gefahr, nach Abschluss des Studiums oder der Ausbildung arbeitslos zu werden oder einen relativ gering bezahlten Job annehmen zu müssen.

Ein sehr sinnvoller Schritt in Richtung mehr Arbeitsmarkttransparenz für Hochschulabsolventen ist der Berufsstart Absolventen Index, der von der Publikation berufsstart.de (des Klaus Resch Verlag) errechnet wird. Aufbauend auf den ihr vorliegenden Stellenangeboten für Hochschulabsolventen errechnet der Verlag dann einen Index zur Veränderung der Stellenangebote für naturwissenschaftlich-technische Fachrichtungen, die Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften. Aus Sicht von Hochschulabsolventen, die noch keinerlei Branchenkenntnisse oder –präferenzen haben, sind diese Indices sicher interessant und informativ. Eine zunehmende Zahl von Hochschulabsolventen hat jedoch vor und während des Studiums bereits Erfahrungen mit einem Wirtschaftssektor gesammelt, z. B. durch eine Lehre vor dem Studium, durch Praktika oder durch ein berufsbegleitendes Studium. Diese Gruppe interessiert sich daher primär für die Berufsaussichten in dem Sektor, in dem sie bereits Erfahrungen gesammelt hat. Dementsprechend wenig aussagekräftig sind diese Indices für diese wachsende Gruppe der Hochschulabsolventen.

Handelsblatt-FRAX 2009

Krise? Welche Krise?

Kirsten Ludowig, Handelsblatt

In der abschliessenden Podiumsdiskussion führte die Moderatorin Kirsten Ludowig, Redakteurin beim Handelsblatt, durch ein höchst sensibles Thema: „„Krise in der Bankwirtschaft: Welche Job-Perspektiven haben Finanz-Professionals heute?” Ihre Gesprächspartner waren Holger Becker, Robert Half Deutschland GmbH & Co. KG, Bereich Festanstellung, Sebastian Brauße, Huxley Associates, Global Markets, Europe, Senior Consultant – Portfolio Management and Analysis, Kristina Flügel, Deutsche Bank AG, Leiterin Personalbetreuung/Resourcing Deutschland, Frankfurt , Thorsten Hahn, Geschäftsführer bankingclub.de, Köln , Lars Lüke, Geschäftsführer der expertia.de (Jobbörse für die Generation 45plus) , Karl-Heinz Große Peclum, Commerzbank AG, Group Human Resources, Zentralbereichsleiter, Management Beratung  sowie Dr. Dirk Rudolph, Senior Research Fellow, Frankfurt School .

Die Personalexperten sehen nach wie vor einen starken Bedarf an Experten bei den Banken.  In erster Linie würden hier Vertriebsmitarbeiter, IT-Spezialisten und die sogenannten „Quants“ gesucht. Mit diesem Begriff umschreiben die Bank-Personaler diejenigen  Hochschulabsolventen, die aus den quantitativ orientierten Studienrichtungen kommen, also Mathematiker, Physiker, Statistiker, Volkswirte. Diese bringen für die quantitativer Analysen in der Finanzwirtschaft gute Voraussetzungen mit.

Lars Lüke vom Karriereportal  Expertia.de konnte sich der allzu friedfertigen Insider-Diskussion nicht anschließen und setzte gegen die „Friede-Freude-Eierkuchen“-Haltung einiger Diskussionsbeiträge das Konfliktthema des demoskopischen Wandels. Lüke bemängelte, dass trotz aller Lippenbekenntnisse der Personaler die Beschäftigungschancen für die Generation 45plus in der Bankwirtschaft sich verschlechterten.

Lars Lüke, expertia.de

Er empfahl, verstärkt altersgemischte Teams zusammen zu stellen und die Erfahrung älterer Kollegen durch Mentoren-Rollen besser weitergeben zu können. Zu oft herrsche – so Lüke – in den Personalabteilungen der Banken eine Mentalität vor, die jüngere Bewerber gegenüber älteren Stellensuchenden bevorzuge. „Schneller rein in den Job, schneller raus aus dem Job und im Zweifelsfall etwas hübscher“ – so seine markante Charakterisierung.

Kristina Flügel von der Deutschen Bank beeilte sich, diesem Vorwurf die Basis zu nehmen und verwies darauf, dass ihr Institut sehr wohl auch ältere Arbeitgeber hegt und pflegt – beispielsweise bei Mitarbeitern im IT-Bereich, die noch über langjährigen Erfahrungen in den mittlerweile nicht ganz aktuellen Programmiersprachen wie COBOL haben. Diese selten gewordenen Skills werden in ihrem Institut durch Wiedereinstellung von Ruheständlern sogar wieder aktiviert. Dass dies mehr einer Not als einer Tugend entspringt, verschwieg sie natürlich und breitete über diesen Alters- und Skill-Konflikt gekonnt den Mantel des Schweigens.

In der letzten Fragerunde bekannte sich Kirsten Ludowig als Fan des „Hart-aber-Fair“- Fernsehmoderators Frank Plasberg  und bereitete das Publikum auf die letzte Kaskade der knackigen Antworten vor: Sie wollte abschliessend wissen, was genau den Job eines Bankers so attraktiv mache. Und Holger Becker machte ihr gerne den Gefallen und formulierte kurz, knapp und salopp: „Als Banker laufen Sie immer in schicken Anzügen rum und tragen modisch gestylte Frisuren. …. und das gefällt auch den Frauen“.

Weiterführende Links

Frankfurt School of Finance & Management:
http://www.frankfurt-school.de/content/de

Arbeitsmarkt-Index „Handelsblatt-FRAX“ beim Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ erfolgreich
http://www.frankfurt-school.de/content/de/news/newsfolder/2010/02/19022010_n.html

Handelsblatt
http://www.handelsblatt.com/

Deutschland Land der Ideen
http://www.land-der-ideen.de/

Von der Uni direkt als CEO bewerben? Vergiss es! Eine Karriereberatung vom Chef persönlich

Überblick über Jobbörsen für die Finanzwirtschaft
http://www.crosswater-job-guide.com/php_jobboards_anzeige/Jobboersen_027_Finanzen_list.php

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