Streiks im Nahverkehr haben einschneidende Folgen für die Allgemeinheit

Prof. Dr. Stefan Bauernschuster
Prof. Dr. Stefan Bauernschuster

München – Streiks im öffentlichen Nahverkehr führen zu dichterem  Autoverkehr, Staus, mehr Unfällen, stärkerer Luftverschmutzung und damit einhergehenden gesundheitlichen Problemen, vor allem für Kinder. Das ist das Ergebnis einer neuen Forschungsarbeit von Helmut Rainer und Timo Hener vom Münchner ifo Institut, die gemeinsam mit  Stefan Bauernschuster von der Universität Passau entstanden ist. „Wir gehen davon aus, dass die in der Studie ermittelten Schäden für die Stadtbevölkerung die Kosten der bestreikten Unternehmen um ein Vielfaches übersteigen“, sagte Rainer.

Hener sagte: „An einem durchschnittlichen Streik-Morgen sitzen Pendler in den untersuchten deutschen Städten über 26.000 Stunden länger im Auto fest als sonst.“ Denn viele Benutzer des öffentlichen Nahverkehrs steigen an Streiktagen auf das Auto um. Dadurch nimmt der Autoverkehr während der morgendlichen Stoßzeiten um sechs Prozent zu. Der Verkehrsfluss verlangsamt sich, Staus entstehen. Um elf Prozent verlängert sich die morgendliche Fahrtzeit für Pendler an einem durchschnittlichen Streiktag, zeigten die Forscher mithilfe von GPS-Daten. Anhand polizeilicher Unfallstatistiken lässt sich darüber hinaus feststellen, dass die Zahl der Verkehrsunfälle und der dabei verletzten Personen während der morgendlichen Stoßzeiten an Streiktagen um 20 Prozent steigt.

Schließlich weisen die Ergebnisse auch einen starken Anstieg der Umweltbelastung aus. Die Feinstaub-Belastung nimmt morgens um 26 Prozent zu, was bereits kurzfristig zu Gesundheitsproblemen führt. In Diagnosestatistiken von Krankenhäusern erkennt man an Streiktagen eine Zunahme an Einweisungen mit Atemwegserkrankungen; vor allem kleine Kinder sind betroffen. „Die Studie liefert belastbare Beweise dafür, welche einschneidenden und weitreichenden Folgen Streiks im öffentlichen Nahverkehr für die Allgemeinheit haben“, sagte Rainer.

Die Forscher sammelten Daten zu Nahverkehrsstreiks in München, Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt in den Jahren 2002 bis 2011.

 

Eine Zusammenfassung der Studie findet sich hier: http://www.cesifo-group.de/DocDL/ifosd_2014_24_3.pdf

 

Ansprechpartner:

Dr. Timo Hener, 089/ 9224 1418; Hener@ifo.de

Prof. Helmut Rainer 089/ 9224 1607; Rainer@ifo.de

Prof. Dr. Stefan Bauernschuster, Universität Passau,  0851-509-2540,
stefan.bauernschuster@uni-passau.de

 

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