Von der Uni direkt als CEO bewerben? Vergiss es! Eine Karriereberatung vom Chef persönlich

Gerald Braunberger, F.A.Z.
Gerald Braunberger, F.A.Z.

Frankfurt. 16.11.2009 (ghk).  „Wenn Sie sich als Hochschulabsolvent bei einer Bank direkt als CEO bewerben, sich wie ein CEO kleiden und wie ein CEO sich verhalten – Forget it! “ Mit einer pointierten persönlichen Karriereberatung kommentierte Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bank AG, welche Chancen und Gelegenheiten den jungen, qualifizierten Absolventen der Wirtschaftswissenschaften und anderen Studiengängen in der heutigen, von der Finanz- und Wirtschaftskrise geprägten Zeit offen stehen.  Josef Ackermann ergriff die Gelegenheit beim Schopf und optimierte seine Präsenz an einem regnerischen Montag im Frankfurter Messe Zentrum.  Als einer der wichtigsten Redner im Rahmen der Frankfurt Euro Finance Week, die unter der programmatischen Vision „Restructuring the Global Financial Architecture – The Road Ahead“ titulierte, warb er auf einer Seite der Veranstaltung für neue Wege aus der Finanzkrise, auf der anderen Seite bot er jungen Studenten und Absolventen der Wirtschaftswissenschaften Ratschläge für eine Karriere in der Finanzwirtschaft.

Gerald Braunberger, verantwortlicher Redakteur für den Finanzmarkt der F.A.Z. führte als Moderater die lebhafte Diskussion. Die Organisatoren des F.A.Z. Career in Finance Forum bewiesen ein glückliches Händchen, als es Ihnen gelungen war, Ackermanns Präsenz auf der Euro Finance Week zu nutzen und ihn zu einem Abstecher zu einer persönlichen Karriereberatung vor einem ganz anderen Forum auszunutzen.   Polyglotte Personaler und Investmentbanker würden nicht lange zaudern und dies mit „Leverage“ zu umschreiben – für mehr bodenständige Hessen wäre auch der Begriff „Hebelwirkung“ vertretbar. Und so kam das vollgepackte Auditorium in den seltenen Genuss, Karrieretips von den Erfolgreichen der Branche  zu hören.

Karrierewechsel gegen Langeweile

Den Auftakt macht Dr. Alexander Dibelius, Head of Goldman Sachs Germany, Austria, Russia and Central & Eastern Europe. Und er kam gleich zum springenden Punkt: „Ändere Deinen Karriereweg, wenn in Deiner gegenwärtigen Tätigkeit die Langeweile und Routine Einzug gehalten hat“. Sein illustrer Lebenslauf – der in seiner konsequenten Gradlinigkeit eine Herausforderung für jeden Personalchef wäre – führte ihn nach seinem Medizinstudium an namhfte Kliniken, unter anderm das Groote Schuur („Große Scheune“) Hospital in Kapstadt, Südafrika oder die Universitätsklinik in Freiburg. Am Groote Schuur Hospital – wir erinnern uns – führte 1967 der südafrikanische Herzspezialist Christiaan Barnard die weltweit erste Herztransplanation durch – und auch bei seinen späteren Stationen schlich sich bald so etwas wie eine vorhersehbare Routine ein. Dibelius umschrieb es so: „Bypass, Herzklappe, Visite, Bypass, Herzklappe, Visite“. Seine nächste Karrierestation war etwas ganz anderes: Bei der Unternehmensberatung McKinsey standen wirtschaftliche Zusammenhänge im Vordergrund, es ging um Probleme, Analysen, Empfehlungen und Berichte – in regelmässiger Wiederholung. Und so war es für Dibelius nur Konsequent, auch dieses Hamsterrad zu verlassen – er heuerte bei der Investmentbank Goldman Sachs an.

Ob der grundlegende Wechsel des Arbeitsfelds letztlich einen Karrierre-Knick bedeutet oder aber die Chance zu einem Erfahrungszuwachs bietet, hängt immer von der persönlichen Sichtweise und den beruflichen und menschlichen Erfahrungen ab, die man daraus gewinnen kann. Und darauf läuft auch das Credo von Ackermann hinaus:  „Als ich direkt nach meinem Studium der Ökonomie 1976 bei einer verlustbringenden Bank meine erste Stelle antrat, fragte mich meine Großmutter, weshalb ich ausgerechnet zu einer schlechten Bank gehen wolle. Ich antwortete, daß ich zu Beginn meiner Karriere möglichst viel lernen möchte – und das ist bei einer Bank in der Krise eher möglich“. Über den Spezialisten mit Tunnelvisionen bemerkte er:  „Eine Karriere im Silo eines einzigen Geschäftsbereichs bringt vielleicht angepasste und qualifizierte Spezialisten hervor – doch ihnen fehlt die breite Erfahrung in anderen Geschäftsbereichen.“ Auf dem Karriereweg sollte man es sich nicht zu leicht machen, Karrierephasen sind auch Lehrzeiten. Ackermann meinte dazu: „Als ich bei einem meiner nächsten Karriereschritte die Leitung des Zahlungsverkehrs übernahm, erntete ich von meinen Freunden und Kollegen nur Kopfschütteln. Denn der Zahlungsverkehr war in einer vom Investmentbanking geprägten Kreditinstitut überhaupt nicht sexy. Mir hingegen vermittelte diese Aufgabe die Gelegenheit, Führungserfahrung im Umgang mit Menschen zu gewinnen.“

Ackermanns Karriere-Empfehlungen für Absolventen

  • Keine Einkommensmaximierung, eher eine Wissens- und Erfahrungsmaximierung
  • Breite Erfahrungen sammeln, gutes Grundwissen aneignen
  • Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen. Bleiben Sie neugierig und lernen Sie die Zusammenhänge kennen.

Employer Branding der Banken: Bären-Rallye und kein Ende

Die Initiatioren der F.A.Z. Career in Finance bemühten sich nach Kräften, die Karrierechancen in der Bankwirtschaften in einem positiven Licht erscheinen zu lassen. Doch wäre das vielzitierte „Employer Branding“ der Banken ein börsennotierter Wert, wäre sie schon lange in den Strudel einer Bären-Rallye geraten. Zu viele Hiobsbotschaften in der Finanzkrise erschütterten den Glauben an die Investmentbanker, die Branche gerät nicht nur in eine Finanzkrise sondern auch in eine Ethik-Krise. So fasst Markus Frühauf in der FAZ vom 16. Oktober 2009 die Lage zusammen: „Blickten die Kreditinstitute vor einem jahr nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers noch in den Abgrund, ist die Angst vor dem Absturz nun einer vorsichtigen Zuversicht gewichen. Dies ist dem engagierten Eingreifen von Regierungen und Notenbanken zu verdanken. Ohne die umfangreichen Rettungsmapnahmen wären die deutschen Banken tatsächlich in den Abgrund gestürzt. Denn die Hypo Real Estate hätte Insolvenz anmelden müssen und die Commerzbank die Übernahme der durch die Finanzkrise schwer getroffenen Dresdner Bank nicht stemmen können.“  Und die Auswirkungen auf die Beschäftigungslage in der Kreditwirtschaft wird zurückhaltend beurteilt. „Branchenkenner erwarten einen Stellenabbau von 5 bis 10 Prozent. Vor allem für die Landesbanken sind die Aussichten trüb. Ob sich die Beschäftigungslage mittelfristig auch auf die Verdienstmöglichkeiten auswirkt, bleibt abzuwarten.

So liefert ein Überblick über die Vergütung in Banken (Quelle www.personalmarkt.de bzw. FAZ vom 16.10.2009) nachstehende Zahlen.

Vergütung in Banken

Position Berufserfahrung Jahresgesamtbezüge in Euro
Geschäftsführer Über 10 Jahre 226.000
5 bis 10 Jahre 192.000
Vertriebssteuerung Über 10 Jahre 129.000
5 bis 10 Jahre 96.000
Anlageberater Über 10 Jahre 75.000
5 bis 10 Jahre 60.000
2 bis 5 Jahre 50.000
Produktmanagement Über 10 Jahre 69.000
5 bis 10 Jahre 58.000
2 bis 5 Jahre 48.000

Weiterführende Links:

Online-Datenbank mit über 15.000 Gehaltsvergleichen

Jobbörsen für Fach- und Führungskräfte

Experteer

FAZjob.net

Jobware

Michael Page

Jobdirectory.ch (Schweiz)

Finanz-Stellenmarkt.de

eFinancialCareers.de

.

Fügen Sie diesen Artikel zu den folgenden Social Bookmarking Diensten hinzu:


Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.