Prism

Internetnutzer werden misstrauisch

  • Prof. Dr. Dieter Kempf
    Prof. Dr. Dieter Kempf

    Jeder Fünfte vertraut nach PRISM staatlichen Stellen überhaupt nicht mehr

  • Zwei Drittel halten ihre Daten im Netz für gefährdet
  • Nur eine Minderheit nutzt Verschlüsselung und Anonymisierungsdienste

Berlin. Die Ausspähaktionen von US- und britischen Geheimdiensten haben das Vertrauen der deutschen Internetnutzer in Staat und Behörden massiv einbrechen lassen. 58 Prozent der Internetnutzer vertrauen ihnen aktuell wenig oder überhaupt nicht, wenn es um den Umgang mit persönlichen Daten im Netz geht. Nur rund ein Drittel (34 Prozent) gibt an, staatlichen Behörden sehr starkes oder starkes Vertrauen entgegenzubringen. Vor zwei Jahren hatte noch mehr als die Hälfte der Internetnutzer (52 Prozent) sehr starkes oder starkes Vertrauen in staatliche Stellen, 40 Prozent sprachen von weniger starkem oder überhaupt keinem Vertrauen.

Deutsche sind gegen Anonymität im Netz

Steffen Rühl, yasni.de
Steffen Rühl, yasni.de

Eine Umfrage der Personensuchmaschine Yasni (www.yasni.de) zeigt, dass trotz der Überwachung durch Prism und Tempora nur ein Drittel der Internetnutzer im Netz anonym bleiben will.

Frankfurt. Yasni befragte im Zuge der bekannt gewordenen Online-Überwachung durch die USA und Großbritannien 1.000 Internetnutzer aus Deutschland zum Thema Anonymität im Netz. 52% der Umfrageteilnehmer wollen sich aktiv im Netz zeigen, aber dabei bestimmte Bereiche der eigenen Privatsphäre schützen. 15% der Befragten sind sogar für ein Verbot von Anonymität im Netz und nur 33% sind – wie einige Datenschützer – für die totale Unsichtbarkeit von Personendaten.

Computerethik: Don’t be evil!

Ein Gastbeitrag von Deborah Liebig, PR und Marketing bei get in IT

Deborah Liebig
Deborah Liebig

„Sei nicht böse“ appelliert Google in seinem informellen Slogan. Solange alle diesem Grundsatz folgen, muss sich niemand Sorgen machen. Oder?

Die Realität sieht natürlich anders aus. Informations- und Kommunikationstechnologien sind heute in allen Lebensbereichen selbstverständlich und unverzichtbar geworden, egal ob öffentlich oder privat. Sie durchdringen und beeinflussen die Gesellschaft – im Guten wie im Schlechten.

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