Simone Burel

Kevin kapiert keine Karriereanzeigen

Gerhard Kenk

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide

Lifestyle-Soziologen, Pädagogen und Recruiter könnten eigentlich dankbar sein, dass es bei Vornamen eine hohe Vorurteilsquote gibt. Was wären Zeugniskonferenzen ohne das Jammern über die Leseschwächen der Kevins, Chantals &  Co, wie könnten die Redakteure der Main-Stream-Medien ihre Belanglosigkeits-Kolumnen mit Trash-Content füllen, wie würden Recruiter mit den Bewerbungseingängen von leseschwachen Kandidaten umgehen?

 

Zumindest die Recruiter haben eine Antwort gefunden – wenn auch nicht gesucht – wie sie mit dem Thema der Lesekompetenz bei Stellenanzeigen umgehen. Sie machen es bei  Stellenanzeigentexten Kandidaten schwierig – schwieriger als eigentlich notwendig.

Mit Sprache ”Werte schaffen” – Professionelle Kommunikation im HR-Bereich

Ein Gastbeitrag von Simone Burel

Simone Burel

Ein Unternehmen wirtschaftet nicht nur mit Gütern oder Dienstleistungen, sondern es handelt ebenso, wenn es kommuniziert. Sprache entscheidet über Unternehmenserfolg ebenso, wie die hard facts – Bilanzen und Unternehmenskennzahlen – die ohne sprachliche Codes ohnehin nicht zu transportieren wären. Im HR-Bereich, in dem sich alles um die Domäne „Mensch“, um den Austausch von Einstellungen, Motiven und Werten dreht, hat professionelle Kommunikation (intern sowie extern) einen Sonderstatus einzunehmen.

 

Die Bedeutung von Sprache und Kommunikation wurde lange in der Wirtschaftspraxis und -theorie unterschätzt. Doch haben Wirtschaftskonzerne, aber auch Körperschaften öffentlichen Rechts (kommunale Einrichtungen, Krankenhäuser, Verbände), diverse Bildungseinrichtungen (Universitäten, Hochschulen) sowie Non-Profit-Organisationen, u.a. durch Konkurrenzdruck und verstärkte öffentliche sowie mediale Wahrnehmung, seit einigen Jahren begonnen, die traditionellen Felder des Wirtschaftens in einen umfassenden, ganzheitlichen Entwicklungsprozess zu integrieren: Dies zeigt sich exemplarisch im HR-Bereich, in dem nun auch die sprachliche Vermittlung des HR-Selbstverständnisses im Vordergrund steht. Die Relevanz dieser kommunikativen Transparenz ist erkennbar, z.B. in einer Reihe von textuell gefassten Leitbildern, Werten oder Philosophien, um in Textform eine Art Selbstbekenntnis vorzulegen.