Recruiting: Vieles besser, aber noch lange nicht gut

Prof. Dr. Christoph Beck, FH Koblemz
Prof. Dr. Christoph Beck, FH Koblenz

Einen deutlichen Sprung nach vorne haben die deutschen Betriebe im Recruiting gemacht. Doch nach wie vor passieren haarsträubende Fehler, die für viele Unternehmen existenzbedrohend sein können, zeigt die Studie „CAREER’S BEST RECRUITERS“. Als bester Recruiter Deutschlands präsentierte sich die REWE Group.

„Heutzutage bewerben sich nicht mehr die Arbeitnehmer bei den Arbeitgebern, sondern die Arbeitgeber bei den Arbeitnehmern. Dieser fundamentale Paradigmenwechsel scheint endlich in den Betrieben angekommen zu sein“, interpretiert Studieninitiator Markus Gruber das Ergebnis der diesjährigen Studie „CAREER’S BEST RECRUITERS“. Erstmals konnten die 500 Top-Arbeitgeber Deutschlands mehr als die Hälfte der möglichen Punkte erlangen.

„Es sind die Mitarbeiter, die erfolgreiche Unternehmen von den weniger erfolgreichen Unternehmen unterscheiden“, unterstreicht Professor Dr. Christoph Beck von der Hochschule Koblenz die Wichtigkeit von professionellem Recruiting.

Der offene Einblick in den Unternehmensalltag ist zu einem Muss für die Top-Recruiter geworden:

  • 47 Prozent der Arbeitgeber zeigen Fotos aus dem Arbeitsalltag.
  • 62 Prozent stellen Mitarbeiter in Form von Testimonials vor.
  • 37 Prozent zeigen sich offen gegenüber der Anfrage, das Unternehmen näher kennenzulernen.

Beim Einsatz von Social-Media-Angeboten im Recruiting ist zwar ein Aufwärtstrend erkennbar – insgesamt nutzen 82 Prozent der getesteten Arbeitgeber das Social Web, um ihr Unternehmen online zu präsentieren –, jedoch lediglich 56 Prozent aller untersuchten Betriebe nutzen die Plattformen aktiv für die Personalsuche.

Weiter Defizite beim Umgang mit Bewerbern

Auch im Umgang mit Bewerbern ist ein Aufwärtstrend erkennbar, „jedoch sind wir hier noch lange nicht am Ziel. Hinter jeder geschriebenen Initiativbewerbung steckt Interesse am Arbeitgeber selbst und erheblicher Aufwand“, kommentiert Gruber. Den Einsatz potenzieller Mitarbeiter nicht zu honorieren, macht schlechte Stimmung gegen die Marke – und kann auch viele Anstrengungen, die Top-Recruiting ausmachen, zunichte machen. „Bereits einen Tag zu spät reagiert, kann der beste Bewerber bereits beim Mitbewerber gelandet sein“, betont Professor Dr. Christoph Beck. Insgesamt 26 Prozent der versendeten Initiativbewerbungen bleiben innerhalb der gesetzten Frist von zehn Werktagen überhaupt unbeantwortet. Hier gibt es laut Studienleiter Stöber kaum Verbesserungen zum Vorjahr.

Wenn Unternehmen gut qualifizierte Arbeitskräfte für sich gewinnen wollen, sind Arbeitgeber gefordert, Bewerbern ihre Jobs schmackhaft zu machen. Auf eine aus-gewogene Formulierung von Anreizen und Anforderungen in ihren Online-Stellenanzeigen achten aber nur 15 Prozent der untersuchten Arbeitgeber. Darüber hinaus sollten Stellenanzeigen so formuliert sein, dass nicht bloß fachlich geeignete, sondern auch zum Unternehmen passende Bewerber angesprochen werden.

Das größte Defizit ist, dass oftmals bereits die Kontaktaufnahme zu einer HR-Ansprechperson eine erste Hürde darstellt. Bei 25 Prozent der untersuchten Arbeitgeber wurde eine Kontaktaufnahme regelrecht verwehrt. Entweder wurde keine Telefonnummer angegeben oder die Vermittlung stellte nicht zur Personalabteilung durch. Selbst bei den erreichbaren zeichnete sich lediglich die Hälfte der Unternehmen durch Offenheit und Freundlichkeit aus.

REWE Group ist Gesamtsieger, Versicherungen sind branchensieger

Der Gesamtsieg ging heuer mit knapp 84 Prozentpunkten an die REWE Group. Das Handelsunternehmen punktete vor allem mit seinem professionellen und wertschätzenden Umgang mit Bewerbern. „Jede Bewerbung, vom Auszubildenden bis zum hochqualifizierten Experten, betrachten wir als Chance für das Unternehmen. Mitarbeiterorientierung beginnt für uns nicht erst am ersten Arbeitstag, sondern bereits im Recruiting-Prozess“, erläutert Berndfried Dornseifer, Leiter Personal und Personalentwicklung Konzern bei der REWE Group.

An der Spitze des Branchenrankings stehen dieses Jahr die Versicherungen. Sie überzeugen durch ihre hervorragend gestalteten Karrierebereiche auf den Webseiten und die hohe Wertschätzung im Umgang mit Mitarbeitern. Durchschnittlich erreichen die Arbeitgeber der Branche 60 Prozent der Gesamtpunkte. Den zweiten Platz erreichten die Unternehmensberater mit 59 Prozent. Sie heben sich vor allem durch ihre Social-Web-Präsenzen von den anderen Branchen ab. „Man erkennt, dass jede Branche auf die am besten zu ihr passenden Kommunikationskanäle setzt, um die richtigen Bewerber anzusprechen“, analysiert Studienleiter Helmuth Stöber.

Interessante Erkenntnisse gibt es aber auch im Bundesländerranking. Nach wie vor führt Baden-Württemberg den Vergleich der Bundesländer an. Die 63 hier getesteten Arbeitgeber erreichen durchschnittlich 55 Prozent der möglichen Gesamtpunkte. Die Plätze zwei und drei konnten dieses Jahr jedoch Hamburg und Bayern für sich einnehmen. Der diesjährige Städtesieger kommt aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen: Essen löste mit ebenfalls durchschnittlich 55 Prozent der erreichbaren Punkte den Vorjahressieger Stuttgart ab, der dieses Jahr auf dem zweiten Platz landete.

 

„CAREER’S BEST RECRUITERS“ definiert ausgezeichnete Recruiting-Qualität

Nachdem die aus Österreich stammende Studie „CAREER’S BEST RECRUITERS“ erfolgreich nach Deutschland expandiert ist, untersucht sie bereits im zweiten Jahrgang die Qualität des Recruitings in Deutschland. In enger Kooperation mit Professor Dr. Christoph Beck von der Hochschule Koblenz wurden die ausschlaggebenden Kriterien für ausgezeichnete Recruiting-Qualität in Deutschland bestimmt. Im Rahmen der international einzigartigen Untersuchung konnten die getesteten Unternehmen und Institutionen die Qualität ihrer Online-Recruiting-Präsenz, ihrer Online-Stellenanzeigen sowie ihres Umgangs mit Bewerbern unter Beweis stellen.

„CAREER’S BEST RECRUITERS“ bietet neben der jährlichen Studie auch individuelle Studienberichte und zeichnet überdurchschnittliche Recruiting-Qualität unter den Top-500-Arbeitgebern eines Landes aus. Ausgezeichnete Recruiting-Qualität steht für einen hohen Professionalisierungsgrad aller Maßnahmen zur Personalbeschaffung eines Arbeitgebers. Hierfür vergibt „CAREER’S BEST RECRUITERS“ Gold-, Silber- und Bronze-Zertifikate und Qualitätssiegel. Zusätzlich werden zukunftsweisende, relevante Recruiting-Faktoren analysiert und besonders innovative Arbeitgeber auch in Sonderkategorien ausgezeichnet.

 

Top 10 bei CAREER’S BEST RECRUITERS 2013 (Deutschland)

1

REWE Group

2

Krones AG

3

Philips Deutschland GmbH

4

Freie und Hansestadt Hamburg

5

ALTANA AG

6

Steria Mummert ISS GmbH

7

arvato AG

8

Bertelsmann AG

9

Hamburger Sparkasse AG

10

HELLA KGaA Hueck & Co

 

Rückfragehinweis:

Helmuth Stöber
Studienleiter CAREER’S BEST RECRUITERS
+43 1 585 69 69-26
helmuth.stoeber@careersbestrecruiters.com

 

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