Robot Recruiting: Mensch oder Maschine 

Melikshah Ünver

Computer und Algorithmen sind längst nicht mehr aus der Arbeitswelt wegzudenken, auch bei der Einstellung von Arbeitnehmern. Immer mehr Unternehmen testen, ob sich der Einstellungsprozess komplett elektronisch steuern lässt. Schon bald könnten Algorithmen darüber entscheiden, ob wir einen Job bekommen oder nicht. 

Was zunächst nach düsterem Science-Fiction klingt, wird schon heute in den Personalabteilungen deutscher Unternehmen diskutiert: Statt einem Personaler könnten bald Roboter im Bewerbungsgespräch vor uns sitzen, die uns nach Abiturnote, unseren Gehaltsvorstellungen und den berüchtigten Lücken im Lebenslauf fragen. Der Roboter stellt dann nicht nur die Fragen, sondern wertet anschließend auch die Ergebnisse aus: Passt der Bewerber mit seinen Fähigkeiten auf die ausgeschriebene Stelle und in die Unternehmenskultur? Würde er sich gut mit den Kollegen verstehen? Das einzige Problem: Menschen tun sich schwer darin mit Robotern zu sprechen. Jeder kennt es: Ob in der  Warteschleife am Telefon oder beim Chatten mit Chat-Bots sind wir schnell genervt vom nicht-menschlichen Gegenüber. Selbst wenn es da oft nur um den Handyvertrag geht. „Wichtige Entscheidungen wie die nach dem nächsten Arbeitsplatz möchten wir nicht in die kalten Hände von Maschinen legen“, meint Melikshah Ünver vom Berliner Start-Up Taledo, mit dem er die Jobvermittlung ins digitale Zeitalter führen will. „Menschen wollen mit Menschen sprechen, und nicht mit Chat-Bots“, so Ünver.

 

Händedruck schlägt Tastatur 

Im Bewerbungsgespräch wird uns also auch wahrscheinlich noch in Zukunft ein Mensch gegenüber sitzen. Anders sieht es bei Kandidatensuche – dem sogenannten Sourcing – aus. „Die Entscheidung, wen Personaler zum Interview einladen, wird ihm schon bald von Algorithmen abgenommen“, ist Ünver überzeugt. Durch datenbasierte Verfahren werden den HR-Abteilungen bzw Recruitern die richtigen Kandidaten angezeigt. Der Nutzen liegt vor allem darin, alternative bzw „nicht-offensichtliche“ Bewerber zu entdecken. Besonders interessant sind Algorithmen nämlich dann, wenn es darum geht, unentdeckte Talente zu finden, berichtet Ünver: „Der Algorithmus ignoriert unter Umständen Dinge, auf die ein normaler Personaler achten würde, und zieht dafür andere mit in die Betrachtung ein.“ So könnten bestimmte Korrelationen vom Roboter erkannt werden, an die ein Personaler normalerweise gar nicht denken würde, beispielsweise zwischen Hobbies und speziellen Fähigkeiten.

„Jemand, der in seiner Freizeit gerne in seiner Garage an Elektronik werkelt und bastelt, wird vom Algorithmus als eben ein passionierter Elektroniker oder Feinmechaniker erkannt, auch wenn er dies nicht in seinem Lebenslauf stehen hat“, so Ünver. Das gilt ebenso für versteckte „Skills“. „… und Jemand, der in seiner Freizeit gerne die „Zauberwürfel“ löst, ist vermutlich Jemand, der Spaß hat an Herausforderungen, die räumliches Denken erfordern“.

Zudem sind die Abläufe deutlich schneller und effizienter. Der Personaler spart Zeit und Arbeit, und: der Algorithmus diskriminiert nicht. Geschlecht, Hautfarbe und sexuelle Orientierung sind dem Algorithmus egal – es geht allein darum, welche Fähigkeiten ein Bewerber mitbringt.

Mit Taledo schnell und einfach zum perfect match 
Melikshah Ünver hat den Trend zum Algorithmus erkannt und zusammen mit seinen zwei Brüdern die digitale Karriere-Plattform Taledo gegründet. Hier können sich Kandidaten innerhalb von wenigen Minuten registrieren und erhalten bereits kurze Zeit später Interviewanfragen von Unternehmen. Beim Matching von Kandidat und Unternehmen setzt Taledo auf eine Komibination aus Algorithmus und Talent-Managern, die die Kandidaten einschätzen. Der Algorithmus berechnet einen Score, der angibt wie gut ein Kandidat zu einem Unternehmen passt. Die finale Entscheidung, ob ein Kandidat einem Unternehmen vorgeschlagen wird, trifft dann aber ein Mensch. Die Verbindung aus Altem und Neuem funktioniert: „Bei Taledo finden die Bewerber einen Job mit 10-30% mehr Gehalt – sonst brauchen sie ja den Job nicht annehmen – zumindest falls sonst auch nichts dafür spricht. Oft sind die Angebote schon sehr verlockend..“, verspricht Taledo-Gründer Melikshah Ünver. Auch für Unternehmen verkürzt sich die Suche: „Die Kandidatensuche wird bei uns – von mehr als vier – auf einen Monat verkürzt, insbesondere bei schwer besetzbaren Stellen“, so Ünver.

Taledo tritt mittlerweile verschärft in Konkurrenz zu den traditionellen Headhuntern.

Über Taledo
Taledo wurde 2016 gegründet. Über die digitale Karriere-Plattform rekrutieren inzwischen knapp 500 Unternehmen – darunter viele DAX Unternehmen und deutsche Mittelständler.

 

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