Arbeitsmarkt Gehaltsvergleiche

Aus aktuellem Anlass: Höherer Bildungsstand erleichtert Migranten in Deutschland das Lernen der deutschen Sprache


Nürnberg. Eine um ein Jahr verlängerte Bildungs- oder Ausbildungsphase von Migranten erhöht den Anteil derjenigen mit guten Deutschkenntnissen um mehr als sechs Prozentpunkte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Auch in den Löhnen schlage sich die Beherrschung der Landessprache positiv nieder. So könne ein Einwanderer, der sehr gut Deutsch spreche, einen um bis zu neun Prozent höheren Lohn erzielen, als einer, der keine Deutschkenntnisse habe.

Die IAB-Studie analysiert verschiedene Hemmnisse beim Fremdspracherwerb. Beispielsweise wohnen Migranten, die die gleiche Muttersprache sprechen, in vielen Regionen häufig sehr nah beieinander. Die Auswirkung der räumlichen Konzentration von Migrantengruppen auf das Erlernen der deutschen Sprache erweist sich den Berechnungen zufolge allerdings als geringer als gemeinhin angenommen.  Eine gezielte Unterstützung der Bildung und Ausbildung könnte wesentlich bessere Erfolge erzielen, so das IAB.

Die Arbeitsmarktforscher Alexander Danzer und Firat Yaman warnen dennoch vor einer zu hohen Ballung von Migranten in bestimmten Regionen oder Stadtteilen. In diesen ethnischen Enklaven sinke die Häufigkeit des Kontakts zu Muttersprachlern, wodurch das Lernen der Landessprache behindert würde. „Wenn Migranten die Landessprache des Einwanderungslandes fließend sprechen, führt dies zwar nicht zwangsläufig zum Integrationserfolg – aber  ohne entsprechende Sprachkenntnisse ist eine Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft des Einwanderungslandes kaum vorstellbar“, so die Forscher.

Die IAB-Studie stützt sich auf Befragungen von 1018 im Ausland geborenen Migranten in den alten Bundesländern und Berlin. Die Herkunftsländer sind die ehemaligen Gastarbeiterländer Türkei, Italien, Griechenland, Spanien, Kroatien und Serbien-Montenegro.

Aus der Studie: Löhne steigen mit der Sprachkompetenz

Der Erwerb von Sprachkompetenz ist nicht zuletzt deshalb so wichtig, weil sie den Arbeitsmarkterfolg von Zuwanderern beeinflussen kann. Studien in Australien und den USA zeigen, dass sich Defizite in der Beherrschung der jeweiligen Landessprache negativ auf Löhne und Arbeitsmarktchancen auswirken (Bleakley/Chin 2004 und Chiswick/Miller 1995). In Deutschland liegen hierzu bislang nur wenige Erkenntnisse vor. Die Studien von Dustmann und van Soest (2001 und 2002) kommen auf Grundlage von Daten des SOEP für die Jahre  1984 bis 1993 zu dem Ergebnis, dass die Beherrschung der deutschen Sprache – bei Kontrolle für Ausbildung, Arbeitserfahrung, Alter, Familienstand, Herkunftsland und  Aufenthaltsdauer – die Löhne und Gehälter der Migranten um rund 5 Prozent erhöht. Der Wert bezieht sich dabei auf den Lohnabstand zwischen Migranten, die angaben „gut“ Deutsch zu sprechen, und denen, die mit „geht so“ antworteten. Aufgrund von Messfehlern unterschätzen diese Ergebnisse wahrscheinlich den tatsächlichen Effekt (Dustmann/van Soest 2002).
Eigene Schätzergebnisse auf Grundlage des SOEP bestätigen für die Jahre 2001/2003 und 2007/2008 weitgehend die früheren Ergebnisse der o. g. Studie. Unsere Panelanalyse kontrolliert für Geschlecht, Bildung, Familienstand, Alter bei Einwanderung, Aufenthaltsdauer in Deutschland, Herkunftsland und ob der letzte Bildungsabschluss in Deutschland oder dem Heimatland erreicht wurde. Durch die Berücksichtigung von personenspezifischen Effekten ist es möglich, auch für unbeobachtbare, individuelle Fähigkeiten (z. B. generelle Sprachbegabung) zu kontrollieren. Bei der Messung der Sprachkompetenz durch eine Dummy-Variable, die einen Wert von eins im Falle des fließenden Beherrschens der deutschen Sprache annimmt („sehr gut“ oder „gut“) und einen Wert von null im umgekehrten Fall, ergibt sich ein Sprachbonus von 4 Prozent – also ein sehr ähnliches Ergebnis wie in der o. g. Studie von Dustmann und van Soest (2002). In einer zweiten Regression haben wir die Sprachfertigkeiten auf einer Skala von null (gar nicht) bis vier (sehr gut) gemessen. In diesem Fall steigen die Bruttolöhne der Migranten mit jeder zusätzlichen Stufe an Sprachkenntnis um 2,2 Prozent, also insgesamt um bis zu 9 Prozent.

Die IAB-Studie im Internet: http://doku.iab.de/kurzber/2010/kb1710.pdf.

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)
Pressestelle: Wolfgang Braun, Christiane Spies, Sarolta Weniger
90327 Nürnberg
Telefon (0911) 179-1946
E-Mail wolfgang.braun@iab.de

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