Sind Facebook und XING wirklich die neuen Heilsbringer des Recruiting?

Ein Gastartikel von Volker Frey

Volker Frey

“Wow, wow! Facebook kauft ein Unternehmen mit 13 Mitarbeitern für eine Milliarde Dollar, ohne Geschäftsmodell! Dafür aber mit vielen Millionen Nutzern, um die es eigentlich geht und alle schreien:

That´s super Social! – So aber jetzt zum Start: Recruiting!

Wenn man sich einmal überlegt, wie vor 22 Jahren rekrutiert wurde und wie das heute ausschaut, dann kann man zwei wesentliche Punkte festhalten:

1. 1990 gab es ein Stellenprofil und ein Auswahlgespräch!
2. 2012 gibt es immer noch ein Stellenprofil und ein Auswahlgespräch!

Der Weg und die Möglichkeit zu diesem alles entscheidenden persönlichen Gespräch zu kommen, hat sich allerdings stark verändert – sowohl auf Bewerber- als auch auf Unternehmens-Seite! Mittlerweile gibt es Facebook mit der Fanpage, Xing (Deutschland), LinkedIn (Global), Karriere Blogs, Twitter, Tumblr.,Youtube, Kununu, Google+, Slideshare und noch vieles mehr – alles sehr gute Tools! Da steht man dann als Unternehmen da und muss sich die Frage stellen: “Was will und kann ich eigentlich mit diesen Tools erreichen? Muss ich da wirklich überall mitspielen”?

Facebook (FB)

Schauen wir uns einmal das Thema Facebook an und fragen uns kritisch, was daran besonders ist. Mir fällt da spontan wenig ein, was ich nicht auch mit einer modernen Homepage, einem Blackberry und einem persönlichen Gespräch erreichen könnte. Welchen Mehrwert hat es denn für einen Recruiter, wenn er auf FB etwas posted und dieses posting dann 55 mal kommentiert wird mit: klasse, toll, super, nett, like, top, prima! Was bringt dieses oberflächliche kommentieren? Man sollte sich auch immer die Frage stellen, ob man mit einer Fanpage Software-Architekten von München nach Oberflockenbach locken kann. Social Media ist nicht immer der Schlüssel zum Erfolg – schon gar nicht bei der Zielgruppe der Professionals.

XING

Xing entwickelt sich immer mehr vom Business- zum Recruiting Netzwerk. Das heisst, Personalberater, Inhouse Sourcing Teams und Fachbereiche klicken alle wie wild auf: PHP, SEO, SEM und SAP. Die Hürde, mit Spezialisten in Kontakt zu treten, ist durch diese digitalen Netzwerke so niedrig geworden, dass jeder glaubt, er müsse sich an diesem “Abwerbekampf” im MINT Umfeld beteiligen. Dies kann dazu führen, dass sich Top Kandidaten aus diesen Netzwerken zurückziehen, weil sie unprofessionelle, unkoordinierte und zum Teil aufdringlich formulierte Job-Anfragen erhalten. Es ist wichtig, auch in der virtuellen Welt, die ganz normalen Regeln zu beachten wie: Respekt, Verbindlichkeit und Fairplay. Sie müssen sich mit dem individuellen Profil und der Zielgruppe genau beschäftigen und dann den passenden Job bieten – nur das schafft für beide Seiten einen echten Social-Value. XING wie eine Targeting Plattform zu nutzen ist sicher der falsche Ansatz!

Wenn ich als Unternehmen alle Social Media Kanäle bespiele und dann 2 Wochen benötige, um ein erstes Interview mit einem Top Bewerber zu vereinbaren, dann kann die große Social Show auch zum Boomerang werden, der meist sehr schwer einzufangen ist.

Für mich ist “Social Media” nur ein Kanal, um mich als Unternehmen zu öffnen und dem Bewerber einen authentischen Einblick zu verschaffen. Das geht ganz prima mit einem Youtube Film oder auch einer Fanpage. Es gibt tolle Fanpage Beispiele mit viel Interaktion und Content – ich verteufle das alles nicht. Der Aufwand wird aber meist unterschätzt und ich bezweifle, dass eine Fanpage harte Recruitingzahlen liefern kann.

Desweiteren sind Xing und Co. ein guter Weg, mit Kandidaten in Kontakt zu treten, um erste Informationen und Erwartungen auszutauschen. Das war ´s dann aber auch schon – denn nach dem ersten Social Media Ping Pong müssen Sie schnell zum Smartphone greifen (normales Telefon ist auch völlig O.K.) oder den Kandidaten (m/w) einladen und ihn einfach kennenlernen.”

Volker Frey

Dieser Gastbeitrag wurde ebenfalls auf http://www.saatkorn.com/ publiziert.

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1 Kommentar zu „Sind Facebook und XING wirklich die neuen Heilsbringer des Recruiting?“

  1. Dabei bleibt eins völlig außer acht: Offene Social Media-Kanäle eignen sich, wie oben schon gesagt, zur ersten Ansprache und Kontaktaufnahme – zur weiteren Intensivierung der Bindung allerdings eignen sich geschlossene Social Media-Kanäle sehr gut. BMW zum Beispiel verfolgt diesen Ansatz schon seit mehreren Jahren sehr erfolgreich (goo.gl/AtAAf) mit einer eigenen Talent Community.

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