Akademische Weiterbildung als Mitarbeiter-Bindungs-Instrument in deutschen Unternehmen

Akademische Weiterbildung als Mitarbeiter-Bindungs-Instrument in deutschen Unternehmen? Zumeist noch die Ausnahme. Beim zweiten Quartera Kongress in Berlin trafen sich rund 150 Teilnehmer aus Hochschule und Wirtschaft, um über die Zukunft der akademischen Weiterbildung und Kooperationen zu sprechen.

Berlin – Mindestens jeder zweite Studierende will einen weiteren akademischen Abschluss erwerben, wie die repräsentative Master Studie 2012 ans Licht brachte. Viele werden also irgendwann im Berufsleben einmal vor der Frage nach der geeigneten (akademischen) Weiterbildung stehen. Doch bislang nutzen diese Option nur wenige Personaler auch als „Bindungs-Instrument“, um gute und lernwillige Leute im Unternehmen zu halten.

Lebenslanges Lernen ist durch die Bologna-Reform das erklärte Ziel der Hochschulen. Doch wie sieht die Praxis aus? Als erster Keynote-Sprecher nahm HRK-Präsident Prof. Dr. Horst Hippler (“Quartäre Bildung an Hochschulen – Entwicklungen, Voraussichten und Ziele”) die Hochschulen selbst in die Verantwortung, mehr für wissenschaftliche Weiterbildung zu tun – anstatt sich nur auf ihrem Lieblingsfeld, der Forschung, zu betätigen. Denn Weiterbildung für Berufstätige sei eine gesellschaftliche Aufgabe: Kürzere Innovationszyklen, künftig sinkende Studentenzahlen und die gestufte Studienstruktur führten viele Berufstätige an die Hochschulen (zurück) – auch die “nicht-traditionell” Studierenden, deren Bedeutung als Zielgruppe stetig zunähme.
Dabei dürften Weiterbildungsangebote nicht nur an ökonomischen Anforderungen ausgerichtet sein. Allerdings: Nur wenige Anbieter von berufsbegleitender Weiterbildung schrieben überhaupt schwarze Zahlen, und in den chronisch unterfinanzierten Hochschulen mit ihren dünnen Personaldecken könnten keine marktfähigen Honorare bezahlt werden. Die Empfehlungen der HRK: Die Länder müssten die Grundfinanzierung der wissenschaftlichen Weiterbildung bereitstellen, die Politik Anreize schaffen. Als positives Beispiel dafür nannte Prof. Hippler die Qualifizierungsinitiative des BMBF “Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen”.

Von der Realität in die Zukunft: Dr. Ingo Rollwagen, Senior Analyst für Zukunftsfragen und Bildung bei der Deutschen Bank Research, skizzierte in seiner Keynote („Kooperation Hochschule-Wirtschaft 2020“), welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trends einen bedeutenden Einfluss auf die berufsbegleitende, akademische Weiterbildung haben könnten, und welchen Herausforderungen sich Hochschulen und Unternehmen gestellt sehen werden. Wie Prof. Hippler betonte auch er zunächst die gesellschaftliche Komponente der wissenschaftlichen Weiterbildung.

 

Die Berufstätigen, die sich immer „schlaueren“ Produkten und Dienstleitungen gegenüber sähen, seien auf die Unterstützung der Hochschulen angewiesen. Diese wiederum hätten beständig nach dem „Markt“ zu schauen und passgenaue Angebote zu gestalten. Dass es in Deutschland zweifellos großartige Hochschulen gebe, stehe dabei außer Frage. Ob Karlsruhe oder Paderborn – allein mit der Markenkommunikation, speziell auf internationaler Ebene, sei es nicht weit her. Und die teilweise miserable Finanzlage lasse fürchten, bald ganz den internationalen Anschluss zu verpassen. Und was bringt nun die Zukunft? Dr. Rollwagen sieht die Kooperationen zwischen Hochschulen und Wirtschaft zukünftig enger, differenzierter und auch branchenspezifischer werden, außerdem stärker in regionalen und globalen Kontext eingebunden; „Pioniere“ und wichtige Player würden über Plattformen in die Konzeption miteinbezogen werden – Stichwort „science2business 2.0“.

Weil der Quartera Kongress in erster Linie dem Austausch dient, fanden im Anschluss an die zwei Keynotes 17 interaktive Round Table Sessions und 6 parallele Seminare statt. Der erste Kongresstag schloss mit der Keynote von Prof. Alan Tait, Pro Vice-Chancellor der Open University (UK), des weltweit größten Anbieters von Fernstudien. Sein Hauptvortrag auf dem Quartera Kongress in Berlin klärte die Frage: „How flexible can and should continuing education be?“. Denn während deutsche Hochschulen hauptsächlich Vollzeit-Studiengänge für frischgebackene Abiturienten anbieten, hat sich die Open University zum Ziel gesetzt, das akademische Bildungssystem für alle Personen zu öffnen – unabhängig davon, wo sie leben, welchen Hintergrund sie haben, wie alt sie sind und welche Vorbildung sie haben.

Ausblick: Am zweiten Kongresstag wird Dr. Martina Niemann die Abschluss-Keynote halten. Nach Stationen bei der Lufthansa, Kaufhof und der Deutschen Bahn ist sie seit Februar Chief Human Resources Officer (CHO) bei airberlin. Ihr Thema: „Quartäre Bildung in Unternehmen“.

Weitere Informationen

www.quartera.de

SWOP. Medien und Konferenzen GmbH
Randy Eisinger
Projektleiter
Ziegelstr. 29
10117 Berlin

T: +49 / 30 / 531 47 37 -23
F: +49 / 30 / 531 47 37 -21
randy.eisinger@swop-berlin.de

Über Quartera: Der Quartera Kongress in Berlin ist der erste Kongress im deutschsprachigen Raum, der das Thema akademische Weiterbildung für Berufstätige systematisch behandelt. Quartera ist das Jahrestreffen für alle, die sich professionell mit Personalentwicklung und akademischer Weiterbildung beschäftigen. Er schließt damit an die beiden Vorgänger-Veranstaltungen MBA Konferenz und Master Konferenz an.

Ort und Zeit:
22./23. November 2012, Eventpassage, Kantstr. 8, Berlin-Charlottenburg

Partner von Quartera:
Der Quartera Kongress 2012 ist eine Veranstaltung von SWOP. Medien und Konferenzen. Partner des Kongresses ist mastermap, die Online-Plattform für Masterstudiengänge sowie die border concepts GmbH, Initiatorin der Master and More-Kampagnen. Akademische Partner sind die Deutsche Universität für Weiterbildung, die Fraunhofer Academy, die HECTOR School of Engineering and Management sowie die Kühne Logistics
University. Praxispartner sind die FOM Hochschule für Oekonomie und Management, die Haufe-Lexware GmbH & Co. KG sowie die School of Manaement der TU München. Medienpartner sind das didacta Magazin, die Deutsche Universitätszeitung, der GABAL Verlag, das Wissens- und Weiterbildungsnetzwerk GABAL e.V., das Online-Netzwerk HRM.de, das Weiterbildungsmagazin managerSeminare und ZukunftsBranchen, Österreichs Magazin für Bildungs- und Karrierechancen. Die Konferenz findet in Zusammenarbeit mit dem Zeitverlag statt.

 

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