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Arbeitsplatz in der Cloud? 200.000 Beschäftige arbeiten für deutsche Rechenzentren

  • Dieter Kempf, BITKOM
    Prof. Dr. Dieter Kempf

    Rund 7,8 Milliarden Euro Investitionen im Jahr 2013

  • Hoher Strompreis wird zum Nachteil im internationalen Wettbeweb
  • 45 Prozent der Betreiber erwägen, ins Ausland abzuwandern

Hannover. Deutschland gehört derzeit noch zu den wichtigsten Standorten für Rechenzentren in Europa. Im Jahr 2013 waren für die Branche hierzulande rund 200.000 Vollzeit‐Arbeitnehmer tätig. Davon werden rund 120.000 Beschäftigte für den reinen Betrieb der Rechenzentren eingesetzt. Weitere 80.000 sind direkt von Rechenzentren abhängig. Sie arbeiten in Systemhäusern, Baufirmen und spezialisierten Dienstleistern sowie im Handwerk ausschließlich für Rechenzentren.

Das geht aus einer Studie im Auftrag des Hightech-Verbands BITKOM hervor. „Rechenzentren bilden eine Basisinfrastruktur für fast jede wirtschaftliche Aktivität – ganz gleich, ob in der Finanzindustrie, beim Automobilbau oder in der Chemiebranche“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf. Im Jahr 2013 beliefen sich Investitionen in Rechenzentren auf rund 7,8 Milliarden Euro. Davon gaben Betreiber allein sieben Milliarden Euro für IT-Hardware wie Server, Speichersysteme oder Netzwerkkomponenten aus.

 

Im Vergleich zum europäischen Ausland stellt die Branche dem Standort Deutschland ein gemischtes Zeugnis aus. Laut Studie bewerten die Betreiber die Faktoren Stromversorgung, Datenschutz und Rechtssicherheit mit gut oder sehr gut. Als Belastung empfinden sie dagegen den in Deutschland überdurchschnittlich hohen Strompreis. 90 Prozent der Befragten nannten den Strompreis als Standortfaktor, der sich in den letzten fünf Jahren verschlechtert hat. „Für Rechenzentren nimmt der Strompreis einen großen Anteil an den Betriebskosten ein. An dieser Stelle ist eine Entlastung zwingend notwendig, um die Branche in Deutschland zu halten und ihr Wachstumsperspektiven zu bieten“, sagt BITKOM-Hauptvorstand Dr. Sebastian Brandis.

 

45 Prozent der befragten Betreiber von Rechenzentren können sich bereits vorstellen, ins Ausland abzuwandern. Die vier anderen großen europäischen Rechenzentrums-Standorte London, Paris, Amsterdam und Madrid sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker gewachsen als Deutschlands Top-Standort Frankfurt. Der BITKOM fordert daher, den Rechenzentrums-Standort Deutschland mit gezielten Maßnahmen attraktiver zu machen. Kempf: „Deutschland muss seine Datennetze stärker ausbauen und mehr Schulabsolventen in IT-nahen Berufen ausbilden. Vor allem aber müssen die Abgaben auf Energiepreise auch für jene Industrien gesenkt werden, die zwar nicht zum produzierenden Gewerbe gehören, aber energieintensiv sind.“

 

Darüber hinaus sind Rechenzentren aus BITKOM-Sicht ein wichtiger Baustein für Datenschutz und IT-Sicherheit in Deutschland. „Eine gut ausgebaute Rechenzentrums-Infrastruktur ist sehr hilfreich, wenn wir ein hohes Sicherheitsniveau im IT-Bereich halten und auch den Wirtschaftsschutz stärken wollen“, erklärt Kempf.

 

Zur Methodik: Das Forschungsinstitut Borderstep Institut hat im Auftrag des BITKOM 75 Rechenzentrumsbetreiber befragt, die insgesamt 347 Rechenzentren mit einer IT-Fläche von rund 400.000 m² in Deutschland unterhalten.

 

Der BITKOM vertritt mehr als 2.100 Unternehmen, davon rund 1.300 Direktmitglieder mit 140 Milliarden Euro Umsatz und 700.000 Beschäftigten. 900 Mittelständler, mehr als 170 Start-ups und nahezu alle Global Player werden durch BITKOM repräsentiert. Hierzu zählen Anbieter von Software & IT-Services, Telekommunikations- und Internetdiensten, Hersteller von Hardware und Consumer Electronics sowie Unternehmen der digitalen Medien und der Netzwirtschaft.

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