Fachkräftemangel: weniger Unternehmen setzen auf Quereinsteiger

Armin Betz
Armin Betz

Stellenmarkt-Analyse von personal total

München – Der Mangel an Fach- und Führungskräften in Deutschland zwingt Unternehmen immer mehr, neue Wege im Recruiting zu gehen. Eine Möglichkeit, qualifiziertes Personal zu finden, ist die gezielte Ansprache von Quereinsteigern, die momentan jedoch vergleichsweise selten stattfindet. In gerade mal 1,2 Prozent aller Stellenanzeigen in den ersten drei Quartalen 2014 wurden Quereinsteiger angesprochen.

 

Darüber hinaus ist die Zahl der Unternehmen, die Seiteneinsteiger suchen, im Vergleich zu 2013 rückläufig. Waren im Zeitraum Januar bis September 2013 noch knapp 4.200 Unternehmen auf der Suche nach Seiteneinsteigern, ist die Zahl für den Vergleichszeitraum 2014 auf 2.850 gesunken – dies entspricht einem Rückgang von knapp einem Drittel. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von 184 Print- und Online-Medien der Personalberatung personal total auf Basis von AnzeigenDaten.de.

 

Zwar ist die Anzahl der Stellenangebote für Quereinsteiger im selben Zeitraum um 9 Prozent gestiegen, mehr als die Hälfte dieser Ausschreibungen wird allerdings von Personaldienstleistern geschaltet. Ohne diesen Anteil bestätigt sich die rückläufige Entwicklung an Stellenangeboten für Quereinsteiger – von rund 11.700 Positionen im Zeitraum Januar bis September 2013 auf ca. 10.400 Angebote im Vergleichszeitraum 2014. Dies entspricht einem Rückgang um rund 11 Prozent. Offenbar sind Zeitarbeitsfirmen eher bereit, das Potenzial von Quereinsteigern zu nutzen, als Unternehmen.

 

Gute Chancen im Vertrieb und IT-Bereich

Besonders viele Möglichkeiten für den Quereinstieg bieten Unternehmen im Vertrieb und Verkauf. In diesem Bereich haben in den ersten drei Quartalen 2014 ca. 1.200 Unternehmen insgesamt rund 7.300 Anzeigen geschaltet, die sich auch an Quereinsteiger richteten. Dies sind rund 32 Prozent aller Anzeigen mit entsprechendem Bezug.

 

Mit deutlichem Abstand dahinter folgen Berufe im oft für Seiteneinsteiger als ideal bezeichneten IT- und Telekommunikationsumfeld mit einem Anteil von 13 Prozent.

 

Auf Platz 3 liegen Finanzjobs mit anteilig 12 Prozent. Die Liste der Top 5 Berufsgruppen für Quereinsteiger schließen technische Berufe und Tätigkeiten im Projektmanagement mit jeweils 7 Prozent ab.

 

Investition in Quereinsteiger kann sich bezahlt machen

 

„Die Einarbeitung eines Quereinsteigers ist zunächst immer eine Investition für das Unternehmen, die sich am Ende aber bezahlt machen kann. Abhängig von Engagement und Vorkenntnissen des jeweiligen Kandidaten können Aufgaben und Projekte aber meist kurz- bis mittelfristig umgesetzt werden. Grundsätzlich muss eine individuelle Zeitspanne für die Anlernphase einkalkuliert werden. Hilfreich sind darüber hinaus gemeinsam definierte Ziele und Erwartungen an den neuen Mitarbeiter“, erläutert Armin Betz, Vorstand von personal total.

 

In immer mehr Berufsfeldern ist weniger die theoretische Ausbildung entscheidend, sondern vielmehr die praktische Erfahrung des Bewerbers. In vielen Bereichen gibt es qualifizierte Menschen, die sich ihr Wissen in privaten Projekten oder auf andere Weise außerhalb der klassischen Berufslaufbahn angeeignet haben.

 

Um im Besonderen Frauen als Mitarbeiterinnen gewinnen zu können, müssen Arbeitgeber darüber hinaus vor allem familienfreundliche Angebote wie flexible Arbeitszeiteinteilung und Home-Office-Regelungen schaffen. Doch auch hier hinken die Unternehmen bisher noch hinterher.

 

Selbst bei Tätigkeiten, die im Online-Zeitalter relativ problemlos zumindest in Teilen auch außerhalb der Firma erledigt werden können, wird das Arbeiten von zu Hause nur sehr selten in Stellenanzeigen berücksichtigt.

 

Bei Jobangeboten im Bereich Marketing, PR und Werbung wurde beispielsweise nur in 1 Prozent der Stellenanzeigen eine Home-Office-Option genannt, wie eine Untersuchung von personal total im Juli zeigte. Armin Betz empfiehlt daher: „Unternehmen sollten angesichts der zunehmenden Personalengpässe künftig den Fokus stärker auf diese Zielgruppen legen und spezifische Angebote schaffen. Nur wer diese neuen Wege geht, wird auch in Zukunft personell gut aufgestellt sein.“

personal total

 

Die 1994 gegründete personal total Personalberatung, München, unterstützt und berät bundesweit Unternehmen aller Branchen bei der Suche, Auswahl und Entwicklung von Fach- und Führungspersonal. Das Partnernetzwerk umfasst derzeit 30 Standorte in Deutschland sowie eine Kooperation mit einer führenden Schweizer Personal­beratung. Die umfassende Beratungsleistung wird unterstützt durch eine eigene Informationsplattform im Internet. personal total ist eine Marke der HR Consult Group AG. www.personal-total.de www.personal-total.com

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