Der Hot Job bei Monster Worldwide: Auf den Spuren von Heidi K. und Dieter B.

Erfolgreiche Jobsuche dank Monster

15.2.2010 (ghk). Im diesjährigen Endspiel um die US-Meisterschaft im American Football, der SuperBowl XLIV, brach die 57. Minute an. Die hochfavorisierte Mannschaft der Indianapolis Colts, geführt von Peyton Manning, – dem nach Expertenmeinung besten Quarterback aller Zeiten – setzte zu einem seiner gefürchteten Würfe auf den Wide Receiver an. Und dann geschah das Unerwartete:  Trotz monatelanger Vorbereitung in allen minutiösen Details landete der Pass bei Gegenspieler Tracy Porter von den New Orleans Saints, und dieser hatte auch noch die Chuzpe, den ovalen Spielball unter den Arm zu klemmen und über 74 Yards zum Touchdown in die Endzone zu stürmen.

Die spielentscheidende Wende war geschafft, gut 3 Minuten vor Spielende waren die New Orleans Saints praktisch uneinholbar 30:17 in Führung gegangen. Der Außenseiter triumphierte über den hohen Favoriten, die Begeisterung der Sportfans der New Orleans Saints kannte keine Grenzen.

Genau wie Trainer und Football-Players der Finalisten bereiteten sich die Marketing-Experten auf das Endspiel der SuperBowl 2010 vor. Es galt, die besten TV-Spots zu produzieren und einem geschätzten 100-Millionen-Publikum an den Fernsehgeräten allein in den USA zu präsentieren. Die höchstmöglichste Aufmerksamkeit war garantiert – zu einem höchst angemessenen Preis von 3 Millionen US-Dollar für einen 30-Sekunden-Werbespot.

Kein Wunder, dass das Karriereportal Monster in dieser illustren Runde nicht fehlen durfte, um sein Branding und seine neu entwickelten Suchfunktionalitäten in ein gutes Licht zu rücken. Die Werbeagentur von Monster wählte ein Sujet aus, das in den USA, in Großbritannien, in Deutschland und anderen Fernsehnationen schon Millionen in Bann gezogen hatte. Die Erfolgsformel der Casting Shows, hierzulande von Laufsteg-Queen Heidi Klum (Germany’s Next Topmodel) und dem verbleibenden Rest des Musik-Duos Modern Talking, Dieter Bohlen (DSDS – Deutschland sucht den Superstar) dominiert, sollte auch für Monster gut genug sein.

Der TV-Spot war so einfach wie trivial in Szene gesetzt: Ein musikalischer Biber spielt Violine und arbeitet sich durch alle Auswahlstufen der Casting Shows durch – bis zum triumphalen Finale. Und schnell war die Brücke zum Karriereportal Monster gezogen: Musikalisches Talent allein reicht nicht aus, der Biber muss auch die maßgeschneiderte Suchfunktion auf Monsters Jobbörse nutzen, um dank aktiver Stellensuche seinen nächsten Traumjob zu finden – womöglich gar Arm in Arm mit einer attraktiven Blondine im Pool. Konsequenterweise gibt er auf der Suchmaske natürlich „Violinist“ ein und hofft auf viele Traumangebote als Geigenvirtuose. Vorhang – Happy End: Alle sind glücklich.

Monster Precision Job Search "violinist"

Wenn die Sonne der Kultur tief steht, dann werfen auch Zwerge lange Schatten  (Karl Kraus)

Nun ist die Fernseh-Formel der Casting Shows nicht mit dem besten Image gesegnet, wie schon der Journalist und Parteienforscher Thomas Wieczorek in seinem Buch „Die verblödete Republik“ darstellt.

Heidi Klum

Heidi Klum (Foto: Wikipedia)

„ Die Kultsendung Switch von ProSieben parodiert Fernsehprominenz: Ob Beckmann oder Kleber, Silbereisen oder Mälzer, alle werden in Wort und Mimik gnadenlos überzeichnet. Nur Heidi Klum wird dargestellt, wie sie ist: Offenbar ist das Original in Sachen dussliges Gequatsche und gekünstelte Gesten nicht zu toppen. Dass die Frontfrau von Germany’s Next Topmodel überhaupt die Rede wert ist, liegt am Markenanteil bei 14-29-jährigen Frauen von 45 Prozent.

Renée Zucker beschreibt das Model und ihr Werk so: „Die Mädchen bemühen sich mit allen Kräften, das zu erlangen, was ihnen diese dumme Bergisch Gladbacher Pute als ‚Persönlichkeit‘ verkauft. Eine Persönlichkeit, die so unnatürlich läuft, dass es einem schon beim Zugucken wehtut, die alles macht, was andere von ihr verlangen, die sich von einer schurigeln lässt, die nicht richtig Deutsch kann und auf Englisch nur amerikanische Phrasen beherrscht und deren beste Zeiten längst vorbei sind.“

Christian Kortmann formuliert das in „Kampfhubschrauber Klum“ so:

Wenn Frau Klum ihren früheren Beruf ernst nimmt, ist dieser Wandel der Show innerhalb von drei Staffeln ein Verfall. Wenn sie sich allerdings als weibliche Dieter-Bohlen-Variante begreift, hat die 34-jährige Trägerin bewundernswert maisgelben Haares Karriere gemacht: In jeder Folge durchläuft sie die Genese vom verständnisvollen Kumpel über die hartherzige Freundin („Versteh‘ ich auch alles, will ich aber nicht hören. Wenn du dich nicht weiterentwickelst, bist du draußen.“) und Antreiberin („Ihr müsst hart werden. Ich will nichts schwabbeln sehen.“) zur eiskalten Zuchtmeisterin, die sich bekanntlich zutraut, auch Britney Spears „zurechtzubiegen“. Die Urteile, die Klums autoritäres Jury-Regime mit den Schergen Peyman Amin, Casting-Direktor Rolf Scheider und einem Gastjuror fällt, sind nicht härter als das Leben selbst, aber weil sie vor Kameras von Stärkeren über Schwächere gefällt werden, geschmacklos, unverschämt und entwürdigend: Wenn einer jungen Frau mit brutal-allmächtigem Unterton attestiert wird, sie komme „langweilig rüber“ und habe „keine Persönlichkeit“, ist das eine verbale Hinrichtung, die zwangsläufig in Tränen endet.
(http://www.sueddeutsche.de/kultur/399/436145/text/)

Der Journalist Hans-Jürgen Jakobs setzt sich in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung  „Privatfernsehen und Jugendkriminalität – Die Mixtur des Grauens“ vom 10.01.2008 mit der Mixtur von Fernseh-Casting-Shows und ähnlichen Formaten und deren Wirkung auf die Jugendgesellschaft auseinander:

Sexy Clips, Dschungelshows, debile Manga-Comics, Menschenhaltungsformate wie Big Brother, bizarre Doku-Filme, Spielfilme mit Action und Trallala, auf der anderen Seite kaum Nachrichten oder anspruchsvolle Informationssendungen – für Wertkonservative ist es eine Mixtur des Grauens, die sie da geschaffen haben.“

Branding: Hauptsache banal, trivial und brachial

Die Monster-Marketing-Experten haben schon bei anderer Gelegenheit das „Casting“ als Werbesujet entdeckt und eine Besetzungsarie für einen „Director of Fandemonium“ durchexerziert. Auch in diesen Video-Spots ging es um das Jobinterview für eine Stelle mit realen Bewerbern. Die Job-Interviews wurden humoristisch in Szene gesetzt, so wie man es von den zahlreichen Casting-TV-Shows kennt und wie es scheinbar am besten mit dem Publikumsgeschmack des Prekariats kompatibel war: Hauptsache banal, trivial und brachial. So verwundert es schon etwas, dass das Image der Marke „Monster“ als Karriereportal in die seichten Ebenen der Trivial-Unterhaltung transportiert wird und die Gefahr der Assoziation Tür und Tor geöffnet wird.

Nun kann man lange über gute und schlechte Branding-Strategien diskutieren. Was aber sicherlich nicht diskussionsfähig ist, ist der eher etwas peinliche handwerkliche Fehler, den sich die Macher des Monster-Werbespots trotz intensiver Vorbereitung auf das sportliche Super Bowl Finale geleistet haben. Im Spot werden die Vorteile der „Precision Job Suche“ mit dem nett in Szene gesetzten Biber-Violinisten propagiert – die Realität sieht jedoch überraschenderweise anders aus: Die Suche auf monster.com nach dem Job „Violinist“ ergab null Treffer.

Gute Vorbereitung ist nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts.

Monster Jobsuche "violinist": Null Treffer

Weiterführende Links:

Monster Commercial SuperBowl:
http://superbowlads.fanhouse.com/2010/monstercom-beavers/

Precision Job Search results for Violinist:
http://jobsearch.monster.com/PowerSearch.aspx?tjt=violinist&rad=20&rad_units=miles&tm=60

Monster Pressemitteilung: Monster.com and NFL Narrow Down the Field for the Next „Director of Fandemonium“
http://about-monster.com/node/4174

Privatfernsehen und Jugendkriminalität – Die Mixtur des Grauens
http://www.sueddeutsche.de/politik/756/318629/text/

Kampfhubschrauber Klum. Von Christian Kortmann
(http://www.sueddeutsche.de/kultur/399/436145/text/)

Die besten SuperBowl-Werbespots:
http://www.chip.de/c1_videos/Superbowl-XLIV-2010-Werbespot-Platz-10-Video_41304154.html

Platz 1: Google: Parisian Love – Google erzählt mit seiner Suchmaschine eine romantische Geschichte: So googelt man sich die große Liebe in Paris.
http://www.chip.de/c1_videos/Superbowl-XLIV-2010-Werbespot-Platz-1-Video_41303590.html

Rezension: Die verblödete Republik von Thomas Wieczorek
http://gesellschaftistkeintrost.wordpress.com/2009/11/01/rezension-die-verblodete-republik-von-thomas-wieczorek/

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