Die Tricks bei Stellenanzeigen: So werden sie entschlüsselt

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Mit Stellenausschreibungen suchen Unternehmen passende Arbeitnehmer – richtig? Jein! In Wirklichkeit verraten die Arbeitgeber durch den Subtext in diesen Anzeigen auch viel über sich selbst. Wenn Sie auf der Suche nach einer Stelle sind, sollten Sie Stellenanzeigen genau durchlesen, um zu verstehen, welche versteckte Botschaften hinter ihnen stecken. 

Im Folgenden wird erklärt, wie diese Anzeigen entschlüsselt und zum eigenen Vorteil genutzt werden können und was sie über die Stelle und das Unternehmen verraten. 


Aufbau der Stellenanzeige

Stellenanzeigen sind die Visitenkarte eines Unternehmens. So kann man z. B. in der Jobbörse HeroJob.de viele Stellenausschreibungen finden. Aber wie können Arbeitssuchende sie richtig lesen? Sie sollen vermitteln, was die Stelle und das Unternehmen zu bieten hat, aber auch Hinweise auf den Arbeitsalltag geben. Es ist jedem Arbeitgeber selbst überlassen, wie er seine Stellenanzeige schreibt, ein paar wichtige Punkte sollten allerdings immer enthalten sein. Fehlende Informationen könnten bereits auf einen unseriösen Arbeitgeber hindeuten.

Was wird erwähnt?

Meistens wird in einer Stellenanzeige erst darauf eingegangen, wer das Unternehmen ist, wen sie suchen und was sie bieten. Außerdem stehen der Jobtitel und die Beschreibung der Tätigkeit in der Annonce, die Dauer der Beschäftigung und die Art des Arbeitsvertrags. Kontaktdaten sollten ebenfalls vorhanden sein. 

Wichtige und weniger wichtige Anforderungen an den Bewerber

Oft gibt es eine Hierarchie der Anforderungen an die Bewerber, wobei die als erste genannte Anforderung obligatorisch ist und je weiter unten Anforderungen auf der Liste stehen, desto weniger entscheidend sind sie für eine Einstellung. Wenn Wörter wie „Voraussetzungen“, „Erwartungen“ und „erforderlich“ dabeisteht, sollte man davon ausgehen, dass diese Fähigkeiten vorhanden sein müssen, um überhaupt für die Stelle infrage zu kommen. 

Weniger wichtige Anforderungen an den Kandidaten werden mit „idealerweise“, „wünschenswert“ und „hilfreich“ gekennzeichnet und können einen Wettbewerbsvorteil bieten, wenn es viele Kandidaten gibt, die die Hauptanforderungen erfüllen.

Natürlich suchen Arbeitgeber die Person, die alles kann, aber nur selten gibt es einen Bewerber, der wie für eine Stelle geboren ist. Deshalb gilt als Faustregel, dass man sich bewerben sollte, auch wenn man nur 80 % der Anforderungen der Stelle erfüllt.

So werden Stellenanzeigen entschlüsselt

In der Tat finden sich in Stellenanzeigen viele Hinweise, wenn man weiß, wie man zwischen den Zeilen liest. 

Stellenbeschreibungstext

Viele Stellenanzeigen werden einfach kopiert oder sogar von Mitbewerbern in der Branche abgeschrieben. Erkennbar ist dies an allgemeinen Formulierungen und Sätzen, die so gut wie jeden Beruf beschreiben. Wenn sich alles gleich anhört, hat mindestens einer vom anderen abgeschrieben, was nicht auf eine großartige und kompetente Personalabteilung hindeutet.

Kandidaten-Anforderungen

Ein seriöses Stellenangebot beschreibt, was ein Bewerber und zukünftiger Mitarbeiter können muss und was der Bewerber idealerweise können sollte. Dieses Anforderungsprofil sollte mit der Stellenbezeichnung und der Stellenbeschreibung verglichen werden. Wenn sich die Stellenanzeige so anhört, als wäre sie für einen erfahrenen Arbeiter konzipiert, wird aber als Praktikum beworben, dann kann es sich um Ausbeutung handeln.

Details

Ist das Stellenangebot zu detailliert? Dann sollten sich die Bewerber nicht zu große Hoffnungen machen. Manche Stellen werden nur öffentlich ausgeschrieben, weil das gemacht werden muss. In Wirklichkeit ist der Kandidat schon längst ausgewählt.

Anzeigengröße

Je größer die Anzeige, desto wichtiger nimmt sich das Unternehmen, da es auffallen will, um einen geeigneten Kandidaten zu finden. Das Gute an solchen Firmen ist, dass sie auch oft nicht zu geizig mit den Gehältern der Angestellten sind.

Ansehen

Manche Unternehmen schreiben Stellen aus, die es gar nicht gibt. Das machen sie, um zu sehen, wo ihr Marktwert liegt.

Unseriöse Jobs

Wenn Stellenanzeigen ungenau formuliert sind und nicht viele Informationen über die Firma oder die Stelle gegeben werden, sollte man die Finger davonlassen. Das heißt nämlich, dass es sich wahrscheinlich nicht um einen seriösen Job handelt.

Kontaktinformationen

Es sollten immer Kontaktinformationen angegeben sein, wenn es sich um eine seriöse Stellenanzeige handelt. Es kann eine E-Mail-Adresse oder eine Telefonnummer sein. Ein Ansprechpartner muss nicht immer erwähnt werden, aber man sollte auf jeden Fall eine Möglichkeit bekommen, die Firma vor oder während einer Bewerbung zu kontaktieren.

Anzeigencode entschlüsseln

In jüngerer Zeit hat sich eine Art Anzeigenkodex entwickelt, in dem, ähnlich wie beim Arbeitszeugnis, die Anforderungen an die Bewerber umschrieben werden, ohne sie zu benennen. So können die Arbeitgeber auch ungünstige Arbeitsbedingungen durch etwas Sprachkosmetik in ein besseres Licht rücken.

  • Dynamisches Unternehmen: Die Strukturen halten mit der Expansion des Unternehmens nicht Schritt, weil es zu schnell wächst, also sollte man sich auf ein organisatorisches Chaos einstellen.
  • Entwicklungsmöglichkeiten: Die Fluktuation in der Firma ist wahrscheinlich sehr hoch, sodass man, wenn man lange genug durchhält, vielleicht schnell aufsteigen kann.
  • Flache Hierarchien: Man wird wahrscheinlich schnell Entscheidungen treffen müssen, aber auch die Konsequenzen tragen, falls es eine Fehlentscheidung war. 
  • Junges Team: Dieser Arbeitgeber ist entweder nur ein Sprungbrett für Gleichaltrige oder weil es dort niemand lange aushält und die Löhne niedrig sind.
  • Weiterbildungsmöglichkeiten: Da sich Ihr Beruf ständig weiterentwickelt, müssen Sie sich ständig weiterbilden, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Daher sollten Sie den Arbeitgeber fragen, wer für diese Fortbildungsmöglichkeiten aufkommt.

Ansprüche an Bewerber

Außerdem benutzen Arbeitgeber bestimmte Formulierungen, die implizite Erwartungen an künftige Mitarbeiter ausdrücken.

  • Belastbarkeit: Es gibt ständig Überstunden und zusätzliche Arbeit, sodass man über seine Fähigkeiten hinausgehen muss.
  • Eigenverantwortung: Leider muss man hier selbst herausfinden, was seine Aufgaben sind und wie man sie erfüllen kann. Wenn etwas schiefgeht, ist man allein schuld.
  • Hohe Einsatzbereitschaft: Man muss in den nächsten Jahren immer und überall verfügbar sein, wenn das Unternehmen einen braucht. Ein Privatleben wird man erst einmal nicht mehr haben. 
  • Flexibilität: Es gibt niemanden, der einem beibringt, wie man mit den sich ständig ändernden Anforderungen des Berufs zurechtkommt. Man muss sich leider alles selbst aneignen.
  • Kreativität: Wann immer man auf eine neue Herausforderung stößt, muss man eine Lösung finden. Allerdings sollte man keine Hilfe erwarten, denn die anderen Menschen sind genauso ratlos wie man selbst.

Gehaltsangaben

Was bedeuten die ganzen Floskeln, wenn es um die Gehaltsangaben geht? Der Wert dieser Position wird spätestens hier enthüllt.

  • Attraktives Gehalt: Attraktives Gehalt bedeutet mit anderen Worten, dass die Höhe des Lohns für den Arbeitgeber in erster Linie attraktiv ist, weil er damit die Lohnkosten niedrig halten kann.
  • Investition in Ihre Zukunft: Bei so einer Beschreibung muss man oft erst einmal selber in Vorkasse gehen, bevor man etwas verdient. Oft versteckt sich dahinter ein Strukturbetrieb und kann für den Kandidaten teuer werden. Finger weg!
  • Leistungsbezogene Vergütung: Boni und Provisionen können hierbei gemeint sein, aber auch, was der Chef willkürlich über die Leistung seiner Arbeiter denkt. 
  • Überdurchschnittliche Bezahlung: Hier sollte man sich die Frage stellen: Warum ist das Gehalt nicht angegeben, wenn es wirklich so hoch ist? 
  • Übliche Sozialleistungen: Das bedeutet in Wirklichkeit, dass sie nicht mehr bezahlen, als sie müssen.

Fazit

Wenn man sich Stellenanzeigen durchliest, sollte man immer auf die versteckten Bedeutungen achten. Allerdings gibt die Formulierung nicht immer unbedingt Aufschluss über die Qualität der Stelle. Wenn man Fragen zur Stelle hat oder etwas nicht versteht, kann man sich immer an das Unternehmen wenden und nachfragen.