Aufstocker

Ein Jahr Mindestlohn: Langzeitfolgen bleiben ungewiss

Dr. Hagen Lesch
Dr. Hagen Lesch

Durch den Mindestlohn sind die Löhne von an- und ungelernten Arbeitnehmern deutlich angestiegen. Zugleich haben sich vor allem in Ostdeutschland einige Dienstleistungen spürbar verteuert, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt. Dank der guten Wirtschaftslage hat das bislang kaum Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt – das kann sich aber jederzeit ändern.

„Aufstocker“ sind meist ordentlich entlohnt

Heinrich Alt, Bundesagentur für Arbeit
Heinrich Alt, Bundesagentur für Arbeit

In den vergangenen Tagen ist vor dem Hintergrund der aktuellen Zuwanderungsdebatte aus Rumänien und Bulgarien eine Diskussion über aufstockende Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende (umgangssprachlich Hartz IV) aufgekommen. Dabei ist der Eindruck entstanden, es handelt sich bei den sogenannten Aufstockern immer um Beschäftigte mit einem geringen Stundenlohn. Dieser Rückschluss ist voreilig und unzulässig, da viele Lebensumstände und Rahmenbedingungen darüber entscheiden, ob Menschen ergänzende Leistungen erhalten oder nicht.

Erwerbseinkommen und Hartz-IV-Leistungsbezug: 60 Prozent der Aufstocker arbeiten Teilzeit

Carina Himsel, IAB
Carina Himsel, IAB

Nürnberg. Rund 1,3 Millionen Personen beziehen Arbeitslosengeld II, obwohl sie erwerbstätig sind. 60 Prozent der so genannten Aufstocker arbeiten dabei in einem Teilzeitjob mit weniger als 22 Stunden pro Woche. Der durchschnittliche Bruttostundenlohn der Aufstocker beträgt 6,20 Euro, geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Mehr als 100.000 Selbständige müssen mit Hartz IV aufstocken

Dr. Lena Koller

127.000 selbstständige Aufstocker gab es 2011 im Jahresdurchschnitt. Ihr Einkommen ist so niedrig, dass es ohne Hartz IV nicht für den Bedarf des Haushalts ausreicht. Fast zwei Drittel von ihnen erwirtschaften ohne die ergänzenden Hartz-IV-Leistungen rechnerisch weniger als fünf Euro netto pro Stunde. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.