New Leadership: Brauchen Unternehmen im Internetzeitalter noch Chefs?

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Frank Kohl-Boas, Google

Hamburg. Die Wünsche und Vorlieben von Konsumenten gewinnen in Zeiten von Social Media an Bedeutung. Doch damit nicht genug: Auch in Unternehmen verschieben sich laut Meinung vieler Experten die Machtverhältnisse – und zwar in Richtung Arbeitnehmer. Sind hierarchiefreie Betriebe ohne Führungskräfte das Modell der Zukunft? Auf der Messe PERSONAL2014 Nord in Hamburg spricht Frank Kohl-Boas, Personalleiter bei Google Germany, am Dienstag, 6. Mai, über neue Formen von Führung und Zusammenarbeit – und den Wertbeitrag der Personalverantwortlichen im Zuge von New Work.

Schon in der Anfangszeit von Google haben die Mitarbeiter die Bedeutung von Führungskräften hinterfragt. In der IT-Branche ist das nicht ungewöhnlich: Viele Ingenieure – nicht nur bei dem bekannten Suchmaschinenbetreiber – möchten ihre Zeit damit verbringen, neue Produkte zu designen anstatt mit Chefs zu verhandeln oder die Arbeitsleistung anderer zu kontrollieren. Google experimentierte deshalb schon 2002 damit, Ingenieure komplett ohne Management arbeiten zu lassen – allerdings nicht lange. „Denn schnell war klar: Wir brauchen Führungskräfte“, sagt Frank Kohl-Boas von Google.

Gleichwohl sei heute ein neues Führungsverständnis notwendig: „Führen heißt nicht mehr, die Macht zu haben und einfach etwas anzuordnen“, so der Keynote-Speaker der PERSONAL2014 Nord. „Wissensarbeiter sollen sich selbst einbringen und das kann man ihnen nicht befehlen.“

Balanceakt zwischen Freiheit und Führung

Es gelte, sich jeweils auf ein Ziel zu einigen, dem Beschäftigten den Weg dorthin dann aber weitestgehend selbst zu überlassen. „Doch je mehr Freiheiten man dem Mitarbeiter gibt, desto mehr muss dieser bereit sein, Verantwortung, für sein Handeln auf sich zu nehmen“, meint Kohl-Boas. Führungskräfte müssten dafür sorgen, dass kooperative Zusammenarbeit nicht als Basisdemokratie missverstanden werde. Eine rege Diskussionskultur in den Teams sei zwar wünschenswert, aber letztendlich habe die Führungskraft qua Aufgabe das letzte Wort.

„Wenn eine Führungskraft Entscheidungen scheut, dann ist der- oder diejenige im falschen Job“, bekräftigt der Google-Personalmanager. Es bestehe immer die Gefahr, dass eine Entscheidung sich später als falsch herausstelle. Wichtig sei, dass Führungskräfte ihren Standpunkt begründen könnten, nach dem Motto „know-why statt know-how“ – vor allem, wenn die Auswirkungen schmerzlich seien, etwa für Ingenieure, deren Lieblingsprojekt nicht weiterentwickelt werde. Führungskräften und Personalern solle es darum gehen, für die Führungsleistung respektiert und nicht geliebt zu werden. „Geschäftserfolg lebt davon, schwere Entscheidungen zu treffen, zu verarbeiten und zu akzeptieren.“

Führung: ja – große Führungsschicht und Statussymbole: nein

Um das richtige Verhältnis zwischen Mitarbeiterfreiräumen und Führung zu wahren, setze Google zum einen auf eine relativ dünne „Führungsschicht“: 37.000 Mitarbeiter stehen 5.000 Managern, 1.000 „Directors“ und 100 „Vice Presidents“ gegenüber. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass 30 Mitarbeiter direkt an einen Engineering Manager berichten“, erklärt Kohl-Boas. Daneben halte der Internetkonzern die Führungskräfte dazu an, Mitarbeiter nicht personen-, sondern aufgabenspezifisch zu führen. Das erfordere von Führungskräften die Fähigkeit, verschiedene Führungsstile situationsgerecht anwenden zu können.

„Führung ist ein Privileg, das man sich erarbeiten muss – durch ein hohes Maß an Empathie, durch Vertrauen und Respekt in der Teamarbeit sowie die Fähigkeit, eine Richtung vorzugeben und in Konflikten zu entscheiden“, so der Personalchef. Statussymbole für Führungskräfte gebe es nicht. „Wir haben keine größeren Büros und keine Firmenfahrzeuge.“ Führungskräfte würden als solche wahrgenommen, indem sie durch andere etwas bewirkten – und nicht anhand von Alter, Kleidung oder Smartphone.

In seinem Vortrag in Hamburg führt Frank Kohl-Boas die Anforderungen an Personaler im Umfeld zukunftsweisender Führung weiter aus und gibt Impulse für deren Berufspraxis:

Keynote-Vortrag von Frank Kohl-Boas
„New Work mit HR: Mitarbeiterorientierte Personalarbeit bei Google“

PERSONAL2014 Nord (CCH Hamburg)
Mittwoch, 7. Mai 2014, 14:45 – 15:30 Uhr, Praxisforum 1 – Halle H

Über Frank Kohl-Boas
Frank Kohl-Boas leitet die Personalabteilung für Google in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie in Nordeuropa und den Benelux-Staaten. Der Rechtswissenschaftler, der in Passau und Würzburg studierte und seit 1998 als Rechtsanwalt zugelassen ist, startete seine Karriere mit verschiedenen Positionen bei Unilever. Er führte die Abteilung Compensation & Benefits bei Shell Deutschland Oil, bevor er 2005 in den Personalbereich der Coca-Cola GmbH wechselte. 2007 bis 2010 war er Leiter der Personalabteilung Australien und New Zealand für die Coca-Cola South Pacific in Sydney. Als Head of Human Resources D/A/CH, Nordics & Benelux der Google Germany GmbH ist er seit September 2010 für die Personalarbeit an 13 Standorten in 9 Ländern zuständig.

Weitere Informationen zur PERSONAL2014 Nord sind unter www.personal-nord.com erhältlich.

Über die PERSONAL2014 Nord
Die Messe PERSONAL2014 Nord widmet sich vom 6. bis 7. Mai im CCH Hamburg der kompletten Themenpalette des Personalmanagements. Personalentscheider, Geschäftsführer und Mitarbeiter von Personalabteilungen können sich über Hard- und Softwarelösungen, Angebote für Weiterbildung und Training oder über Personaldienstleistungen und -produkte informieren und in punkto Personalarbeit beraten lassen. Dafür stehen der Ausstellungsbereich in Halle H sowie ein Begleitprogramm mit rund 120 Vorträgen, Diskussionen und Präsentationen zur Verfügung.

Über spring Messe Management GmbH
spring Messe Management veranstaltet Fachmessen für Personalmanagement, Professional Learning, Corporate Health, Job and Career und den Public Sector. Langjährige Messe-Erfahrung, thematische Expertise und nachhaltige Kundenorientierung machen die Veranstaltungen von spring zu etablierten Branchenplattformen. spring-Fachmessen sind Seismographen für neue Produkte, Ideen und Managemententwicklungen. Das Tochterunternehmen der Deutschen Messe AG ist in vier Ländern vertreten: Deutschland, Österreich, Ungarn und Russland.

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