IT-Gipfel wird Umsetzung der Digitalen Agenda begleiten

  • Dieter Kempf, BITKOM
    Prof. Dr. Dieter Kempf

    Digitalisierung sorgt für rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze

  • Industrie 4.0 birgt Wachstumspotenzial von 78 Milliarden Euro bis 2025
  • Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Vertrauen sind zentrale Gipfelthemen

Der Hightech-Verband BITKOM sieht im Nationalen IT-Gipfel eine international einzigartige Möglichkeit zur Kooperation zwischen Politik und Wirtschaft. Im Mittelpunkt des 8. Gipfels heute in Hamburg stehen neben der Frage, wie die Leistungsfähigkeit der digitalen Ökonomie in Deutschland zu steigern ist, die Themen Sicherheit und Vertrauen sowie Arbeiten und Leben in der digitalen Welt. „Der IT-Gipfel ist die optimale Umsetzungsplattform für die ambitionierten Ziele der Digitalen Agenda der Bundesregierung“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf in Hamburg.

Er forderte Unternehmen und Politik auf, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. „Wir müssen aufhören, ängstlich auf jene Unternehmen zu schauen, die derzeit an der Spitze der digitalen Revolution stehen“, sagte Kempf. „Wir dürfen unsere Energie nicht darauf verschwenden, überholte Geschäftsmodelle zu verteidigen und unausweichliche Veränderungen hinauszuzögern. Wir müssen selbst zu Treibern der Digitalisierung werden.“

 

Dringliches Ziel ist es nach Ansicht des BITKOM, den Breitbandausbau weiter zu beschleunigen, um Deutschland fit zu machen für die Gigabit-Gesellschaft. Die Industrie habe in den vergangenen Jahren mehr als 100 Milliarden Euro investiert und sei auch weiter bereit, ihren Beitrag zu leisten. Für Regionen, in denen unter marktwirtschaftlichen Bedingungen die Erschließung nicht zu finanzieren sei, habe der Bund bereits ein Förderprogramm angekündigt, das nun auch umgesetzt werden müsse. Zusätzlich sollte noch in diesem Jahr der Weg frei gemacht werden, um die 700-Mhz-Frequenzen für den mobilen Datenverkehr zu vergeben. Kempf: „Zusätzliche Frequenzen sind der größte Hebel für den schnellen, flächendeckenden Ausbau mit Superbreitband.“

 

Darüber hinaus müssen aus BITKOM-Sicht Start-ups in Deutschland stärker gefördert werden, vor allem in der Wachstumsphase. Bislang hätten es deutsche Start-ups besonders schwer, eine internationale Expansion zu finanzieren. Daneben müsse die Vernetzung von Start-ups, Mittelständlern und großen Unternehmen in den Fokus rücken. „Der Young IT Day am Vortag des eigentlichen IT-Gipfels hat sich genau das zum Ziel gesetzt und neue Impulse für diese wichtige Kooperation geliefert“, so Kempf.

 

Beim Thema Datenschutz und Datensicherheit plädiert der BITKOM für den Einsatz neuer Technologien, um den Datenschutz auf ein extrem hohes Niveau zu bringen. Gleichzeitig sollten die Daten aber zum gesamtgesellschaftlichen Nutzen eingesetzt werden können. „Es muss uns gelingen, vom bislang handlungsleitenden Prinzip der Datensparsamkeit zu einem Prinzip des Datenreichtums zu kommen. Einem Datenreichtum, der mit einem Datenschutz verknüpft ist, der deutlich schärfer ist, als wir ihn heute kennen, der aber zugleich nicht über das Ziel hinausschießt und neue Geschäftsmodelle nicht von vornherein als Bedrohung sieht und verhindert“, so Kempf.

 

Derzeit gewinnt die digitale Wirtschaft in Deutschland rasant an Bedeutung. In diesem Jahr werden einer aktuellen BITKOM-Prognose zufolge in den Unternehmen der Informationstechnologie und Telekommunikation 953.000 Menschen beschäftigt sein, so viele wie nie zuvor. Einer Prognos-Studie zufolge, die im Auftrag des BITKOM anlässlich des IT-Gipfels erstellt wurde, waren bereits im Jahr 2012 knapp 1,5 Millionen Arbeitsplätze in der gesamten deutschen Volkswirtschaft auf die Digitalisierung zurückzuführen. „Dieser Trend wird sich beschleunigen, nicht zuletzt durch die Digitalisierung und Vernetzung der klassischen Produktion hin zur Industrie 4.0“, so Kempf. Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, die im Rahmen des IT-Gipfels entstanden ist, sind allein in sechs volkswirtschaftlich wichtigen Branchen wie Automobilindustrie, Chemie oder Maschinenbau bis zum Jahr 2025 Produktivitätssteigerungen in Höhe von insgesamt rund 78 Milliarden Euro möglich.

 

BITKOM vertritt mehr als 2.200 Unternehmen der digitalen Wirtschaft, davon gut 1.400 Direktmitglieder. Sie erzielen mit 700.000 Beschäftigten jährlich Inlandsumsätze von 140 Milliarden Euro und stehen für Exporte von weiteren 50 Milliarden Euro. Zu den Mitgliedern zählen 1.000 Mittelständler, mehr als 200 Start-ups und nahezu alle Global Player. Sie bieten Software, IT-Services, Telekommunikations- oder Internetdienste an, stellen Hardware oder Consumer Electronics her, sind im Bereich der digitalen Medien oder der Netzwirtschaft tätig oder in anderer Weise Teil der digitalen Wirtschaft. Mehr als drei Viertel der Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Deutschland, jeweils knapp 10 Prozent kommen aus sonstigen Ländern der EU und den USA, 5 Prozent aus anderen Regionen. BITKOM setzt sich insbesondere für eine innovative Wirtschaftspolitik, eine Modernisierung des Bildungssystems und eine zukunftsorientierte Netzpolitik ein.

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