Pilotstudie unter Fachkräften mit Berufsausbildung zum Thema Employer Branding zeigt: Unternehmen werben mit falschen Argumenten

Georg Konjovic, CEO

Sicherheit und gutes Klima wichtiger als Karrierechancen

Für 64 Prozent der offenen Stellen werden aktuell Fachkräfte mit Berufsausbildung gesucht. Welche Argumente für die Qualität eines Arbeitgebers kommen bei ihnen an? Erste Antworten auf die Frage liefert jetzt eine Studie von meinestadt.de. Für die Untersuchung hat das Marktforschungsinstitut respondi im Juli 2017 insgesamt 2.024 Fachkräfte befragt. Das Ergebnis: Nicht hohe Gehaltszahlungen und gute Aufstiegschancen entscheiden über die Wahl des Arbeitgebers, sondern Jobsicherheit und ein positives Klima im Unternehmen. Der Lehrstuhl von Prof. Dr. Matthias Baum von der Technischen Universität Kaiserslautern hat die Studie wissenschaftlich begleitet.

Sicherheit vor Karriere und Gehalt

Die beiden wichtigsten Kriterien bei der Wahl eines Arbeitgebers sind aus der Sicht von Fachkräften die Sicherheit des Arbeitsplatzes (63,7 Prozent „sehr wichtig“-Nennungen) und die pünktliche Gehaltszahlung (60,3 Prozent). Nur jeder Fünfte hingegen gibt an, dass ein überdurchschnittliches Grundgehalt sehr wichtig sei. Gute Aufstiegschancen innerhalb des Unternehmens spielen nur für 23,1 Prozent eine große Rolle. Fast die Hälfte der befragten Fachkräfte mit Berufsausbildung findet es dagegen sehr wichtig, dass der Arbeitsplatz in der Nähe zum Wohnort liegt.

Arbeitssicherheit schlägt „spannende Arbeitsinhalte“

Neben Sicherheit und Stabilität ist das Arbeitsklima ein entscheidender Faktor für Fachkräfte. Neben einer guten Beziehung zu den Kollegen (45,2 Prozent „sehr wichtig“-Nennungen) geben 42,6 Prozent an, dass ihnen eine gute Unternehmenskultur und gute Stimmung im Unternehmen sehr wichtig seien. 36,2 Prozent finden die Anerkennung der Arbeit durch den Chef oder die Chefin „sehr wichtig“, allerdings bewerten weitere 49,5 Prozent diesen Aspekt zumindest als „wichtig“. Gute Arbeitswerkzeuge (38,1 Prozent) und guten Arbeitsschutz (37,9 Prozent) stufen mehr Fachkräfte als „sehr wichtig“ ein, als den Aspekt „spannende Arbeitsinhalte“ (25,4 Prozent).

Karrierewebsites eher nebensächlich – persönlicher Eindruck zählt

Auf die Frage hin „Woran erkennen Sie einen guten Arbeitgeber?“ geben nur 15,6 Prozent an, dass für sie Karrierewebsites sehr wichtig seien, um einen guten Arbeitgeber zu identifizieren. Diese gelten als eines der wichtigsten Employer Branding-Tools für Akademiker. Arbeitgeberbewertungs-Plattformen spielen mit knapp einem Drittel eine größere Rolle für Nicht-Akademiker. Am wichtigsten aber ist und bleibt für mehr als zwei Drittel der persönliche Eindruck: im Vorstellungsgespräch (68,8 Prozent) sowie anhand von Berichten aus dem persönlichen Netzwerk (58,4 Prozent).

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

„Das Employer Branding muss sich für die nicht-akademischen Fachkräfte neu erfinden. Die bislang verwendeten generischen Kommunikationsbausteine aus Karrierewebsites und Stellenanzeigen wurden für Akademiker entwickelt und gehen an Fachkräften mit Berufsausbildung völlig vorbei“, so Georg Konjovic, Geschäftsführer von meinestadt.de. „Viel zu viele Unternehmen setzen immer noch auf den klassischen Karrierebegriff, wenn sie bei Fachkräften für ihr Unternehmen werben. Doch Altenpfleger oder LKW-Fahrer haben in der Regel kein Interesse daran, ‚Karriere‘ zu machen. Viel wichtiger sind die Unternehmenskultur, Sicherheitsaspekte und die Möglichkeit, seine eigenen Fähigkeiten einbringen zu können. Unternehmen sollten daher viel stärker auf zielgruppenrelevante Themen eingehen.“

 

Über die Studie

Im Juli 2017 hat meinestadt.de eine Untersuchung zum Thema Arbeitgeberattraktivität bei Fachkräften mit Berufsausbildung durchgeführt. Das Marktforschungsinstitut respondi hat für die Pilotstudie 2.042 Fachkräfte mit Berufsausbildung dazu befragt, welche Aspekte für sie über die Wahl eines Arbeitgebers entscheiden. Der Lehrstuhl von Prof. Dr. Matthias Baum von der Technischen Universität Kaiserslautern hat die Ergebnisse der Umfrage wissenschaftlich ausgewertet. Die Forschungsschwerpunkte von Prof. Dr. Baum liegen im Personalmanagement und Employer Branding.

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