Bewerbungsgespräche von heute

Eine entspannte Gesprächsatmosphäre lässt den Bewerber auftauen

Bewerbungsgespräch

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Die Anwerbung neuer Mitarbeiter gleicht einem Puzzlespiel: Wer passt am besten in die vorhandene Lücke? Um das herauszufinden, sind moderne Bewerbungsgespräche ganz anders konzipiert als noch vor zwanzig oder dreißig Jahren.

Ein bisschen erinnert die alte Version des Bewerbungsgesprächs an Zeiten der Inquisition: eine enggestrickte Befragung, frontal angeordnet und voller Fallen. Diese Vorgehensweise ist heute nicht mehr aktuell, zumindest bei Betrieben, die wirklich etwas auf sich halten. Moderne Meetings mit potenziellen neuen Mitarbeitern richten sich nicht nur darauf aus, möglichst präzise herauszufinden, ob die jeweilige Person zum Unternehmen passt. Nein, sie sollen den Bewerber auch ein Stück weit ködern und vereinnahmen, denn schließlich könnte auch er sich für ein anderes Arbeitsverhältnis entscheiden als ausgerechnet dieses. Im Grunde handelt es sich bei Ihrem Termin um eine Poker Partie, die für beide Seiten mit Gewinnen und Verlusten enden kann.

Das Gespräch so individuell wie möglich gestalten

Schon die Vorbereitung sollte möglichst sorgfältig erfolgen, um alle wichtigen Punkte im Auge zu behalten. Es gilt, den vorliegenden Lebenslauf und alle anderen Bewerbungsunterlagen vor dem Gespräch noch einmal zu prüfen und daraus wichtige persönliche Fragen abzuleiten. Denn umso individueller der Termin abläuft, desto genauer lernt der Arbeitgeber seinen Kandidaten kennen. Auch sollten genau die richtigen Personen zum Termin anwesend sein, nicht nach Schema F ausgewählt, sondern präzise auf die zu besetzenden Stelle abgestimmt.

Vielleicht möchte der Bewerber gern wissen, welche Funktionen die einzelnen Gesprächsteilnehmer besitzen und wie viele Auswahlrunden vorgesehen sind. Die Antworten auf solche Fragen sollten nicht lang auf sich warten lassen, nur so wirkt Ihr Vorgehen wirklich professionell.

Erwarten Sie einen besonders wertvollen Kandidaten, der eher seltene Fertigkeiten mit sich bringt? Konfrontieren Sie eine solche Person nicht mit niederrangigen Mitarbeitern, sondern bieten Sie qualifizierte Gesprächspartner auf, die in Ihrem Unternehmen etwas zu sagen haben. Auf diese Weise fühlt sich der Bewerber ernstgenommen und gewürdigt.

Kompetenz zeigen, um wertvolle Kandidaten zu halten

Auf eines sollten Sie es niemals ankommen lassen: Dass der Bewerbungskandidat das Gespräch frustriert abbricht, weil keine soliden Fragen kommen und der Termin unorganisiert erscheint. Dann bleiben Ihnen am Ende nur noch diejenigen Personen übrig, die nicht besonders wählerisch sein können. Ihrem Unternehmen kommt das nicht zugute, darum kehren Sie ihre kompetente, gut vorbereite Seite nach außen.

Intern ist zu klären, wer im Auswahlverfahren wie viel zu sagen hat – und wie die schlussendliche Entscheidung zustande kommt. Sonst ist ein Kompetenzgerangel vorprogrammiert, und das kann anstrengend werden. Erstellen Sie also nicht nur einen individuell abgestimmten Gesprächsleitfaden, den alle Teilnehmer – bis auf den Bewerber – vorher lesen. Klären Sie auch die Zuständigkeiten frühzeitig ab. In ein hoch dotiertes Texas Hold`em Turnier einzusteigen, ohne die genauen Regeln zu kennen, ist schließlich auch nicht besonders ratsam.

Neutraler Boden gibt Sicherheit und öffnet Türen

Ein Bewerbungsgespräch muss in modernen Zeiten nicht mehr direkt im Firmengebäude stattfinden. Büros und Konferenzräume sind nicht nur ziemlich langweilig, sie stellen auch keinen neutralen Boden dar. Wenn für das Interview ein externer Ort gewählt wird, beeinflusst dies auch die Durchführung des Interviews – oftmals zum Positiven. Durch die Neutralität des Umfelds fühlen sich die meisten Kandidaten sicherer und weniger unter Druck. Dann läuft es im Bewerbungs-Poker deutlich stressfreier, entspannter und somit auch authentischer ab.

Bewerbungsgespräch beim Omaha hi-lo – warum nicht?

Neben Golfplatz oder Fitnesscenter kann es durchaus vorkommen, dass ein Interview im Casino am Pokertisch stattfindet. Dieses besondere Surrounding dient nicht nur als Kulisse, sondern versteht sich als Einladung, tatsächlich ein Spielchen miteinander zu wagen. Denn ein gemeinsames Kartenspiel kann viel über die verschiedenen Charaktereigenschaften verraten: Ausdauer, Geduld, Aggressivität und insbesondere der Umgang mit Verlusten liefern relevante Informationen, die Recruiter nutzen, um berufliche Fähigkeiten auszuloten. Aber auch der potenzielle Arbeitgeber verrät beim Poker viel über sich selbst. Deshalb ist es wichtig, sich im Spiel von seiner besten Seite zu zeigen, ehrgeizig, aber nicht gierig oder gar schnell verärgert.

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Vorstellungsgespräch am Pokertisch – warum nicht?

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In lockerer Atmosphäre fallen die Masken

Ob Sie nun tatsächlich den Poker Tisch für das bevorstehende Gespräch wählen oder nicht: Die emotionale Atmosphäre spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, möglichst authentische persönliche Informationen über den Bewerber zu erhalten. In lockerem Ambiente fallen die Masken viel eher, als wenn der Kandidat meint, sich ständig zusammenreißen und verstellen zu müssen. Ihre Freundlichkeit zahlt sich auch darin aus, dass der potenzielle neue Mitarbeiter sich wohlfühlt und hoffentlich Sympathien für Sie und Ihr Unternehmen entwickelt. Werden Sie aber nicht allzu kumpelhaft, sondern achten Sie sehr genau auf die Reaktionen Ihres Gegenübers und bewahren Sie, wann immer nötig, eine angemessene professionelle Distanz. Es lohnt sich, in diesem Sinne die Waage zu halten, damit das Gespräch gelingt.

Der formale Aufbau eines Bewerbungsgesprächs

Als Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch die Zügel schleifen und sich von jedem lauen Lüftchen lenken zu lassen, ist keine gute Idee. Behalten Sie besser den vorher festgelegten roten Faden im Auge, sowohl inhaltlich als auch formal. Der äußere Aufbau eines 45-minütigen Termins könnte sich zum Beispiel folgendermaßen gestalten:

1. Zeit für Small Talk

Erst die Begrüßung, dann sofort die harten Fragen? Steigen Sie lieber sanft ins Gespräch ein, mit freundlichem Small Talk. So kreieren Sie eine relaxte Atmosphäre und geben dem Bewerber Gelegenheit, auch innerlich anzukommen. Ungefähr fünf Minuten sollte dieser Part dauern, allerdings ist es nicht angeraten, streng nach Stoppuhr zu verfahren. Wichtig ist, den Bewerber mit Namen anzusprechen und auch die anderen Gesprächsteilnehmer mit Namen und Funktion vorzustellen. Gut wäre es sicher auch, zu wissen, von wo die Anreise erfolgte. Daraus könnte sich dann ein erstes, entspanntes Gesprächsthema ergeben.

2. Näheres Kennenlernen

In der nächsten Viertelstunde geht es darum, den Kandidaten näher kennenzulernen und vor allem dessen Motivation zu prüfen. Salopp gesagt, beginnt nun das eigentliche Poker ums Eingemachte – allerdings weiterhin in freundlicher Atmosphäre, sodass der Übergang vom Small Talk kaum sichtbar wird. Ein lohnenswerter Schachzug kann es sein, die Person ganz schlicht aufzufordern, etwas über sich selbst zu erzählen. Aber auch konkrete Fragen können an dieser Stelle sehr nützlich sein, beispielsweise: „Warum haben Sie sich gerade bei uns beworben?“. Doch sollte das Ganze nicht etwa wie ein Verhör klingen, sondern einladend und freundlich. Falls Ihr Gegenüber vor Nervosität einen Blackout hat, ist Geduld gefragt. Es gilt, stets menschlich zu bleiben, auszuhelfen, wenn nötig und dem anderen keinesfalls ins Wort zu fallen.

3. Sich selbst präsentieren

Nun wird es an der Zeit, einige Minuten in die Selbstvorstellung zu investieren. Schließlich soll der Bewerber genau wissen, mit wem er es zu tun hat, und zwar aus erster Hand. Hier dreht sich alles darum, Interesse auf der anderen Seite zu wecken, also ist es wichtig, den kleinen Vortrag ansprechend zu gestalten. Vor allem die Unternehmenskultur sollte zur Sprache kommen, allerdings nicht in werbender Form, sondern eher nüchtern. Wirklich spannend für den Bewerber sind die internen Arbeitsabläufe und auch die Anforderungen, die im Falle einer Anstellung an ihn gestellt werden. Planen Sie hierfür ungefähr 10 Minuten ein.

 4. Rückfragen beantworten

Nachdem der Arbeitgeber die Bühne ganz für sich gehabt hat, kehrt der Fokus zurück zum Jobbewerber. Er wird wahrscheinlich noch offene Fragen haben, die er gern klären möchte. Falls diese nicht von selbst kommen, fordern Sie freundlich dazu auf. Diese Phase des Gesprächs verhilft nicht nur dem Kandidaten zu mehr Informationen, sondern er gibt auch Ihnen weiteren Aufschluss über die Persönlichkeit des Eingeladenen. Die Art der Fragen besitzt oft eine recht hohe Aussagekraft, sie können schlau und gut vorbereitet sein, aber auch dumm und unhöflich. Vonseiten des Arbeitgebers ist Ehrlichkeit gefragt, manchmal aber auch Langmut und eventuell auch ein wohlwollender Humor. Nach etwa 10 Minuten geht der Termin in die Abschlussphase über.

5. Der Abschluss

Jetzt sind noch fünf Minuten übrig, um das Gespräch zu einem würdigen Abschluss zu bringen. Falls es noch Informationen gibt, die Sie als Arbeitgeber Ihrem Bewerber gern zukommen lassen möchten, ist jetzt genau die Gelegenheit dafür. Beispielsweise wäre es nun angebracht, zu erklären, wie der Bewerbungsprozess weitergeht oder wann der Kandidat ihre Antwort erwarten darf – falls diese Dinge noch nicht vorher zur Sprache kamen. Ganz zum Schluss steht natürlich immer ein freundliches „Danke für Ihren Besuch und das angenehme Gespräch“ an sowie die darauffolgende offizielle Verabschiedung.

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„Danke für Ihren Besuch und das angenehme Gespräch.“

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Wenn sich die Tür hinter dem Jobbewerber geschlossen hat, wird es möglichst bald Zeit für die Nachbearbeitung des Gesprächs. An dieser Stelle denken Arbeitgeber intensiv darüber nach, ob die jeweilige Person in ihr Unternehmen passt, und zwar sowohl bezüglich ihrer Qualifikationen als auch des persönlichen Charakters. Beziehen Sie bei Ihren Überlegungen auch die Vorstellungen und Ansprüche des Kandidaten mit ein, die dieser im Gespräch durchscheinen ließ. Wenn beides zueinander passt, dann wird es Zeit für eine weitere, möglichst zügige Kontaktaufnahme.

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