Mindestlohn

Mindestlohn: Deutlich weniger Unternehmen suchen Praktikanten

Stellenmarkt-Analyse von AnzeigenDaten.de

Nach der Einführung des Mindestlohns im Januar ist die Zahl der Unternehmen, die Stellenangebote für Praktika ausgeschrieben haben, deutlich gesunken. Hatten im Januar 2014 noch  3.100 Unternehmen entsprechende Stellen in Jobbörsen oder Printmedien veröffentlicht, so waren es im Januar diesen Jahres nur noch etwas mehr als 2.400 Firmen. Auch im weiteren Jahresverlauf haben wesentlich weniger Unternehmen Praktika ausgeschrieben als im Vorjahr. Dies ist umso auffälliger, da sich der Stellenmarkt insgesamt positiv entwickelt hat: Von Januar bis einschließlich April haben 2015 über alle Hierarchie-Stufen hinweg ca.104.000 Unternehmen Stellenanzeigen geschaltet.

Zwölf Prozent der Betriebe sind vom Mindestlohn betroffen

Prof. Dr. Lutz Bellmann
Prof. Dr. Lutz Bellmann

In zwölf Prozent der Betriebe mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeitete im Jahr 2014 mindestens ein Mitarbeiter, der weniger als 8,50 Euro in der Stunde verdiente. Dies zeigen Analysen auf Grundlage des IAB-Betriebspanels, einer jährlichen Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

 

Reform ohne Gewinner

Dr. Dieter Traub
Dr. Dieter Traub

Auch Zeitarbeitnehmer fürchten negative Effekte der Überlassungshöchstdauer

Augsburg – Im Eiltempo treibt die Große Koalition ihre arbeitsmarktpolitische Agenda voran. Nach den Gesetzen zu Mindestlohn und Rente mit 63 plant die Regierung zwei Reformen in der Zeitarbeit: Equal Pay soll per Gesetz verfügt und der Einsatz der Zeitarbeitnehmer auf 18 Monate beschränkt werden. Wirtschaftsverbände und Wissenschaft warnen bereits seit Monaten eindringlich davor, dass die Reformpläne die Konjunktur empfindlich treffen könnten. Nun äußern sich auch die Arbeitnehmer kritisch: Laut einer Befragung der Orizon GmbH erwarten die meisten Zeitarbeitnehmer für sich persönlich negative Konsequenzen, sollte die Überlassungshöchstdauer von 18 Monaten eingeführt werden.

Mindestlohn: Firmen planen Preiserhöhungen, Personalabbau und Arbeitszeitverkürzung

München – Die ab 1. Januar vom Mindestlohn betroffenen Unternehmen planen, ihre Preise zu erhöhen (26 Prozent), ihre Sonderzahlungen zu kürzen (23 Prozent), Personal abzubauen (22 Prozent), die Arbeitszeiten zu verkürzen (18 Prozent) und ihre Investitionstätigkeit einzuschränken (16 Prozent). Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des ifo Instituts, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Meistens ist eine Kombination vorgesehen, denn überhaupt nicht reagieren wollen nur 43 Prozent der betroffenen Firmen.

Mindestlohn und Wirtschaftswachstum – Politiker irren

Prof. Dr. Niklas Potrafke
Prof. Dr. Niklas Potrafke

München. „Politiker irren, wenn sie meinen, dass der beschlossene gesetzliche Mindestlohn kein Grund für die gedämpften Konjunktur- und Wachstumsaussichten ist“, sagt Niklas Potrafke, der Leiter des ifo Zentrums für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie.

 

Mindestlohn führt zu drastischem Rückgang von Praktikumsplätzen

Jürgen Grenz
Jürgen Grenz

Aktuelle Studie der index Internet und Mediaforschung GmbH

Berlin – Die geplante Mindestlohnregelung für Praktikanten wird eine deutliche Reduzierung des Praktikumsangebots zur Folge haben. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der index Internet und Mediaforschung GmbH, an der sich Personalverantwortliche aus 570 betroffenen Unternehmen beteiligt haben. Fast jedes zweite Unternehmen plant, in Zukunft auf diese Stellen ganz zu verzichten (46 Prozent) und etwa jede vierte Firma (26 Prozent) möchte auf Praktikanten ausweichen, die nicht von der Mindestlohnpflicht erfasst werden.

Zeitarbeitsunternehmen macht gute Erfahrungen mit Mindestlohn

Benedicte Autem
Benedicte Autem

Bénédicte Autem, Vorsitzende der Geschäftsführung von USG People Germany, zu fairem Einstiegslohn

München – Mindestlohn, Tariflöhne und Branchenzuschläge sind wichtig, weil wir auch in 2014 neue qualifizierte Mitarbeiter gewinnen, einstellen und im Rahmen der Zeitarbeit an unsere Kunden überlassen wollen.

Angemessene Entlohnung drückt Wertschätzung und Anerkennung der Arbeitsleistung aus – auf jedem Qualifikationsniveau.

Das gilt für höherqualifizierte Mitarbeiter ebenso wie für Tätigkeiten, die nur eine kurze betriebliche Einweisung erfordern, ohne dass fachspezifische Kenntnisse, eine fachspezifische Qualifikation oder fachbezogene Berufserfahrung erforderlich sind.

Im Januar 2014 blicken wir auf zwei Jahre Mindestlohn zurück. Bei der Einführung umstritten, wandelt er sich zum Vorbild.

Können Praktikanten vom Mindestlohn leben?

Christoph Jost
Christoph Jost

ABSOLVENTA-Umfrage: Acht von zehn Praktikanten fordern flächendeckenden Mindestlohn – Mehrheit für 400 bis 700 Euro monatlich

 

Berlin. Praktikanten fordern einen flächendeckenden Mindestlohn! Das ist das Ergebnis einer Umfrage von ABSOLVENTA Jobnet, für die bundesweit mehr als 1.100 Praktikanten befragt wurden. Demnach plädieren 82 Prozent der Teilnehmer für einen gesetzlichen Mindestlohn für Praktika, unabhängig von Branche und Vorbildung. 56 Prozent halten eine solche Regelung gar für überfällig. Dabei geht es den Praktikanten nicht mal um große Summen, die am Ende des Monats in der Lohntüte landen sollen. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) von ihnen erwarten eine Vergütung zwischen 400 und 700 Euro.

Wahlkampfthema Zeitarbeit, Mindestlohn, Branchenzuschläge, Arbeitsbedingungen

Marcus Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung USG People Germany, zum Wahljahr 2013

Marcus Schulz

München – Der Bundestagswahlkampf hat begonnen. Erstes Thema ist der flächendeckende Mindestlohn. Wenn es nach Teilen der Bundesregierung geht, soll eine Entscheidung noch vor der Wahl am 22. September gefallen sein. Die Einführung eines Mindestlohns soll Arbeitnehmer generell vor Lohndumping schützen und ihnen ein Auskommen mit dem Einkommen ermöglichen. In der Zeitarbeitsbranche haben wir seit gut einem Jahr einen politisch verordneten Mindestlohn – die Lohnuntergrenze. Ich bin davon überzeugt, dass auch die Tarifpartner eine überzeugende Lösung gefunden hätten. Bei der Einführung von Equal Pay ist dies uns schließlich auch gelungen.

orizon bietet in der Zeitarbeit schon jetzt Equal Pay an

Unabhängiger TOP TEN Personaldienstleister sieht Mindestlohn nur als ersten Schritt – Chance auf Fachkräfte erfordert faire Bezahlung

Dr. Dieter Traub

Augsburg. Der Personaldienstleister orizon in Augsburg geht über den heute vom Bundeskabinett beschlossenen Mindestlohn in der Zeitarbeit bereits hinaus. orizon hat die Offensive
„Faire Zeitarbeit – für uns Arbeit erster Klasse“ gestartet, bei der die im Unternehmen beschäftigten Zeitarbeitnehmer nach der für sie günstigsten Regelung entlohnt werden. Dr. Dieter  Traub, Geschäftsführer für das operative Geschäft bei orizon, begrüßt zwar die von den Tarifparteien ausgehandelte Lohnuntergrenze. „Equal Pay ist aber die einzige Chance, mittelfristig weiter gut ausgebildete Fachkräfte für den Einsatz in Zeitarbeit zu gewinnen“, ist Traub überzeugt.