PISA

Bildungschancen: Es fehlen zwölf Milliarden Euro

Axel Plünnecke, Leiter des Kompetenzfelds Bildung, Zuwanderung und Innovation

Das Statistische Bundesamt hat einen neuen Datenreport vorgelegt. Demnach beeinflusst vor allem die soziale Herkunft die Lebenssituation von Kindern. Zwar hat sich in den vergangenen Jahren viel verbessert – trotzdem muss der Staat dringend mehr für Bildung ausgeben. Eine wirksame Bildungsoffensive würde rund zwölf Milliarden Euro jährlich kosten.Wenn Eltern Abitur oder Hochschulabschluss haben, gehen ihre Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein Gymnasium. Kinder, deren Eltern einen Hauptschul- oder allgemeinbildenden Abschluss haben, besuchen dagegen überwiegend die Hauptschule. Das ist das Kernergebnis des neuen Datenreports vom Statistischen Bundesamt.

PISA-Sonderauswertung zum Schulerfolg sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler

Andreas Schleicher, OECD
Andreas Schleicher, OECD

Durch ein geordnetes Lernumfeld können die sozial schwächsten Schülerinnen und Schüler zu den leistungsstärksten gehören

Schülerinnen und Schüler aus eher bildungsfernen Elternhäusern erbringen vor allem dann gute schulische Leistungen, wenn sie an Schulen mit hoher sozialer Mischung unterrichtet werden und der Unterricht in einem geordneten Rahmen stattfindet. Faktoren wie die Klassengröße oder die Ausstattung der Schule spielen dagegen eine eher untergeordnete Rolle. Dies geht aus einer PISA-Sonderauswertung hervor, die die OECD mit Förderung der Vodafone Stiftung Deutschland erstellt hat und die heute veröffentlicht wurde.

Die Studie „Erfolgsfaktor Resilienz“ ging der Frage nach, welche schulischen Faktoren die Resilienz von Schülerinnen und Schülern befördern. Als resilient gelten Schüler, wenn sie trotz eines eher bildungsfernen Elternhauses gute schulische Leistungen erbringen.

Schulvergleichstest „Pisa“: Deutschland tritt auf der Stelle

Dr. Achim Dercks
Dr. Achim Dercks

DIHK fordert mehr Praxisbezug im Unterricht

Die Anfang Dezember 2016 veröffentlichte „Pisa“-Studie impliziert nach Auffassung von Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Handlungsbedarf vor allem bei der Vermittlung naturwissenschaftlicher Kompetenzen.

Schwache Schüler schaden Sozialprodukt

Andreas Schleicher, OECD
Andreas Schleicher, OECD

Der OECD kann man nicht unbedingt vorwerfen, dass sie mit ihren vergleichenden Analysen besondere Rücksicht auf die kurzfristige und kurzssichtige Politik nimmt. Political Correctnes ist eher als Weichspüler im Hype der Medienwelt geeignet – OECD-Analysen kommen oft zu anderen Ergebnissen. Weichzeichner haben in der Fotografie-Technik ihren Platz, Schönfärberei hat in der Bildungs- und Gesellschaftspolitik nichts zu suchen.

 

In den Medien hat derzeit das Mantra der „Flüchtlingsintegration in den Arbeitsmarkt“ Hochkonjunktur, entspricht es doch der Political Correctness des Fata-Morgana-Ansatzes „Wir schaffen das“. Das staatliche Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus Nürnberg oder die OECD lassen kaum eine Gelegenheit aus, auf den Zusammenhang zwischen qualifizierter Schulbildung oder Studiem und den Erfolg am Arbeitsmarkt in der Form von höheren Einkommen und niedrigerer Arbeitslosigkeit hinzuweisen. In krassem Gegensatz dazu stehen die öffentlichen Anmerkungen von Frank-Jürgen Weise, Multi-Tasker bei der Bundesagentur für Arbeit und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, der die Mähr von der erfolgreichen Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft unermüdlich verbreitet. Vermutlich wird er von seiner Chefin zu solchen Aussagen gezwungen „überzeugt“.

 

Nun legt die OECD eine vergleichende Studie vor und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Schwache Schüler schaden dem Sozialprodukt, also der Wirtschaft und der Gesellschaft. Deshalb ist eine zielgerichtete Hilfe für diese Bildungsgruppe von ausserordentlicher Bedeutung.

Die Pressemeldung der OECD vom 10.2.2016, nur auf Englisch verfügbar, stellt die Realität ungeschminkt dar.

Bessere Bildung bedeutet höheres Einkommen – ifo-Bildungsökonom Wößmann zur neuen PIAAC-Studie

Prof. Dr. Ludger Wössmann
Prof. Dr. Ludger Wößmann

München – Soeben hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Ergebnisse der PIAAC-Studie – „Programme for the International Assessment of Adult Competencies“ – veröffentlicht, die Grundkompetenzen Erwachsener im internationalen Vergleich testet. Wie schon die Schülerinnen und Schüler bei PISA schneiden auch die deutschen Erwachsenen im internationalen Vergleich nur mittelmäßig ab.

PISA: Chancen für sozial schwächere Schüler

Prof. Dr. Eckhard Klieme vom Deutschen Institut für Pädagogische Forschung leitet das wissenschaftliche Konsortium Pisa 2009 und wirkte außer an den bisherigen Pisa-Studien auch an einigen weiteren internationalen Schulvergleichen mit.

Berlin. Schüler aus armen Familien haben in Deutschland und Österreich weniger Chancen, zu den Besten ihrer Altersgruppe zu gehören, als in den meisten anderen OECD-Ländern. Wie aus der neuesten Ausgabe von „PISA im Fokus“ hervorgeht, schafft es in Österreich nur jeder fünfte Schüler aus sozial schwachen Verhältnissen ins obere Leistungsviertel. In Deutschland sind die Werte nur geringfügig besser, während im OECD-Schnitt ein Drittel aller Schüler aus prekären Verhältnissen ein sehr gutes Leistungsniveau aufweisen.

Die Analyse geht der Frage nach, welche Faktoren dazu führen, dass einige sozial benachteiligte Schüler es schaffen, Kinder mit dem gleichen sozio-ökonomischen Hintergrund von den Schulleistungen her weit hinter sich zu lassen. Sie wertet dazu die Ergebnisse der PISA Tests aus dem Jahr 2006 und 2009 aus und kommt zu zwei Ergebnissen: