Prekariat

Wird das Volk für dumm verkauft? Billigjournalismus ist das neue Prekariat

Wenn Journalisten sich ihren Beruf nicht mehr leisten können, wird die Meinungsbildung zur Ramschware

Mit dem Trend zu den digitalen Medien verstärkt sich auch die Entwicklung zum Billigjournalismus. Qualifizierte Journalisten haben oft einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund, sei es als Germanist, Politikwissenschaftler oder Kommunikationsexperte. Doch der einst glamouröse Job als Journalist muss zusehends mit den Herausforderungen des Prekariats kämpfen. Wenn ein Journalist nicht mehr adäquat von seinem Beruf leben kann, muss die Medienbranche nach Alternativen Ausschau halten. Billigjournalismus und Roboterjournalismus haben Hochkonjunktur. Auf der Strecke bleibt die Meinungsbildung. Wer keine Ramschware konsumieren will, muss zusehends selbst recherchieren. So zeichnet sich in der Medienlandschaft auch eine Zweiteilung ab. Auf der einen Seite stehen Verlage, Zeitschriften und Tageszeitungen in ihren jeweiligen Print- oder Online-Ausgaben, am Horizont tauchen zusehends Blogs und Medien auf, die gegen den Strom der pauschalierenden Meinungsbildung ankämpfen.

Zeitbombe Prekariat: Die Lunte glimmt

Gerhard Kenk
Gerhard Kenk

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide

Professor Guy Standing analysiert die Zunahme des Prekariats und erläutert einen wichtigen Trend der modernen Arbeitswelt – Risiken und Nebenwirkungen inklusive.

Mit seinem 2011 erstmals publizierten Buch „The Precariat – The new dangerous class“ legt Guy Standing, Professor of Development Studies, University of London, UK, eine schonungslose Analyse eines wichtigen Trends der modernen Arbeitswelt vor. Dabei spannt er einen globalen Rahmen und schildert Ursachen und Wirkungen der Ausdehnung des Prekariats auf immer grössere Schichten der arbeitenden Bevölkerung. Beispiele aus USA, Großbritannien, Japan, Korea, Frankreich, Italien, Deutschland und anderen Ländern zeigen die verstörende Dimension dieser Veränderungen auf. Weiterhin beschreibt Standing, welche Auswirkungen sich daraus auf das Individuum und die Gesellschaft ergeben und welche gefährlichen politischen Konsequenzen dies nach sich ziehen könnte  – wenn nicht gegengesteuert wird.

 

Prekariat: Arbeiten an der Armutsgrenze

Gerhard Kenk
Gerhard Kenk

Jugendliche haben in Hong Kong schlechte Karten

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide

Hong Kong. Nahezu 40 Prozent junger Arbeitnehmer in Hong Kong ordnen sich selbst als „Working Poor“, als Arbeiter unterhalb des Existenzminimum, ein. Viele Jugendliche sind der Auffassung, dass sie mindestens HK $ 14.000 pro Monat (etwa Euro 1.400) verdienen müssten, um ohne elterliche Unterstützung leben zu können. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der „Federation of Youth Groups“ in Hong Kong, die zwischen September und Oktober 2014 522 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 34 Jahren befragte, von denen 298 einer regelmässigen Beschäftigung nachgingen.

Gesundheitsrisiko Prekariat: Hartz-IV-Empfänger schätzen ihre Gesundheit schlechter ein als Erwerbstätige

Vier von zehn Hartz-IV-Empfängern gaben in einer Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) an, gesundheitlich stark eingeschränkt zu sein. Aufstockern geht es nach eigener Einschätzung gesundheitlich etwas besser als arbeitslosen Hartz-IV-Empfängern, beiden geht es aber deutlich schlechter als Erwerbstätigen ohne Grundsicherungsbezug. Von den Erwerbstätigen berichtet jeder Fünfte von starken gesundheitlichen Einschränkungen.