Wie sieht eine kollegiale Arbeitsatmosphäre aus? PR-Agenturen stehen Rede und Antwort

von Helge Weinberg

Welche Begriffe eignen sich für ein „Stellenanzeigen-Bingo“? Nichts falsch machen kann man mit einem „guten Betriebsklima“ oder einem „netten Team“. Kaum eine Stellenanzeige kommt ohne sie aus. Hier geht es um die „kollegiale Arbeitsatmosphäre“. Diese sei heutigen Absolventen ganz besonders wichtig bei der Wahl eines Arbeitgebers, meinte Kienbaum unlängst in einer Studie. Bewerber würden gerne wissen, was sich hinter solchen Begriffen verbirgt.

Crosswater-Redaktionsmitglied Helge Weinberg hat bei fünf Agenturen nachgefragt, was sie darunter verstehen. Geantwortet haben: Alexandra Groß, Vorstand Fink & Fuchs Public Relations; Stefan Hencke, CEO Convensis Group; Birgit Krüger, Geschäftsführende Gesellschafterin consense communications und Präsidiumsmitglied der GPRA; Christiane Schulz, CEO Weber Shandwick Germany; und Uwe Wache, Vorstand Klenk & Hoursch.

Von links: Alexandra Groß, Stefan Hencke, Birgit Krüger, Christiane Schulz, Uwe Wache
Von links: Alexandra Groß, Stefan Hencke, Birgit Krüger, Christiane Schulz, Uwe Wache

 

Was verstehen Sie unter einer „kollegialen Arbeitsatmosphäre“?

Alexandra Groß: Ein sachorientiertes Miteinander, kritisch-konstruktiver Umgang untereinander mit dem Ziel, das beste Ergebnis zu erreichen. Vor allem aber eine gute Portion gesunder Menschenverstand.

Stefan Hencke
Stefan Hencke

Stefan Hencke: Unter kollegialer Arbeitsatmosphäre verstehen wir die kooperative und konstruktive Arbeit an Projekten für den gemeinsamen Erfolg, in der Schwächen untereinander ausgeglichen und Stärken gezielt genutzt werden. Bei uns herrscht kein Wettstreit gegeneinander, sondern das „Miteinander“ für die beste Idee – immer im Interesse des Kunden. Dazu zählt natürlich auch, dass man nicht nur streng miteinander arbeitet, sondern auch mal Spaß hat oder abseits der Arbeit etwas miteinander erlebt.

Birgit Krüger: Eine Arbeitsatmosphäre ist für mich dann kollegial, wenn alle fair, solidarisch und wertschätzend miteinander umgehen – unabhängig von der Position. Wer gute Arbeit leistet, sollte das auch gesagt bekommen, so dass niemand um Aufmerksamkeit kämpfen muss. Es sollte niemand Angst davor haben, Fehler zu machen, denn dann verkrampft sich die Atmosphäre. Kollegial heißt auch: Jeder kann seinem Gegenüber sachlich und ehrlich sagen, wenn er oder sie mal etwas nicht gut macht.

Christiane Schulz
Christiane Schulz

Christiane Schulz: Ich verstehe darunter ein partnerschaftliches Miteinander, dass sich dadurch auszeichnet, dass man sich gegenseitig hilft und den anderen so behandelt, wie man selber gerne behandelt werden möchte: fair, respektvoll und konstruktiv.

Uwe Wache: Einen Ort, an dem sinnvolle Arbeit sinnvoll geteilt wird und von dem die Mitarbeiter nach der Arbeit sagen, „ich war gern dort und gehe morgen gern wieder hin“.

Wie drückt sich eine „kollegiale Arbeitsatmosphäre“ in Ihrer Agentur im Detail aus?

Alexandra Groß: Eine kritische Auseinandersetzung findet immer im Rahmen guter Umgangsformen statt. Wir ringen freundlich um einen gemeinsamen Nenner und manchmal wünschen wir uns, dass häufiger die Diskussions-Fetzen fliegen. Wenn Kollegen in stressigen Situationen mal keine verbalen Blumensträuße verteilen, fällt das schon auf.

 

Alexandra Groß
Alexandra Groß

Das Anbieten von Unterstützung gehört bei uns zum guten Ton und wird auch dankend angenommen. Kollegial setzen wir auch mit partnerschaftlich gleich – flache Hierarchien helfen dabei. Jeder Mitarbeiter ist bei uns auch angehalten, seine eigene Rolle zu reflektieren und immer wieder neu zu denken, was er zu einer erfolgreichen und trotzdem kollegialen Arbeitsatmosphäre beitragen kann.

Stefan Hencke: Kollegialität hat auch immer etwas damit zu tun, im Alltag den einzelnen Mitarbeiter in seiner Individualität und Gesamtheit zu sehen, d.h. die persönlichen Talente und Kompetenzen zu fördern, aber auch individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen. Dies kommt bei Convensis u.a. im Programm unserer Weiterbildung in der academy@convensis, unserem prämierten Gesundheitsmanagement und in unserem Konzept der lebensphasenorientierten Personalplanung, im Besonderen in der Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit zum Tragen.

Birgit Krüger
Birgit Krüger

Birgit Krüger: Bei uns sind die Hierarchien flach, sodass sich jeder, auch Berufsanfänger, mit Vorschlägen, Ideen und Kritik einbringen kann. Wir wollen Menschen mit echten Meinungen, die sie auch vertreten und verteidigen. Das kann schon mal zu längeren Diskussionen führen, aber jede Meinung hat Gewicht. Zudem kann sich hier jeder auf jeden verlassen und das ist ein sehr schönes Gefühl. Als Agentur arbeiten wir nicht zum Selbstzweck. Wir erwarten von den Leuten Leistung und Commitment, das aber mit viel Freude und Wertschätzung.

Christiane Schulz: Aus meiner Sicht sind folgende zwei Aspekte wichtig um eine kollegiale Atmosphäre mit Leben zu füllen. Ich und mein Führungsteam müssen das täglich vorleben. Wir haben Vorbildcharakter. Der zweite Aspekt ist, dass wir schon beim Recuriting-Process darauf achten, dass die neuen Kollegen zu uns und unserer Kultur passen. Jeder neue Bewerber durchläuft einen bestimmten Prozess, wo er sich verschiedenen Aufgaben stellen muss und er trifft auf verschiedene Kollegen von uns. Nur wenn er alle Aufgaben gut meistert und wir alle der Meinung sind, dass er auch von der Chemie wirklich zu uns passt, bekommt der Bewerber ein Angebot. Ich denke, das sind die wichtigsten Punkte.

Uwe Wache
Uwe Wache

Uwe Wache: Einerseits auf der organisatorischen Ebene: Wir arbeiten in einer offenen Matrix, in der jeder mit jedem arbeitet. Es gibt natürlich Hierarchien. Aber die Zusammensetzung der Teams bestimmt immer der Kunde. Wer oben oder unten in der Hierarchie sitzt, spielt keine Rolle, sondern welche Expertise er/sie fürs Projekt einbringt. Damit gibt es faktisch keine „Politik“. Andererseits auf der Werteebene: Wir haben uns eine Verfassung gegeben, die kollegiales Verhalten festschreibt. Darauf wird schon bei der Einstellung und während des ganzen Prozesses der Personalentwicklung geachtet. Jeder ist dazu da, den anderen und die Agentur als Ganzes weiter zu bringen. Das verstehen wir unter kollegialer Arbeitsatmosphäre.

 

Über den Autor: Helge Weinberg ist Berater und Journalist aus Hamburg. Seine Agentur Strategie & Kommunikation ist spezialisiert auf Arbeitgeberkommunikation und Employer Branding. Über diese Themen schreibt er in seinem Blog (http://blog.helge-weinberg.de) sowie als Korrespondent Hamburg / Norddeutschland des „PR-Journals“ und Mitglied der Redaktion des Crosswater Job Guide.

1 Kommentar zu „Wie sieht eine kollegiale Arbeitsatmosphäre aus? PR-Agenturen stehen Rede und Antwort“

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