Dem Fachkräftemangel aus eigener Kraft begegnen

Modellprojekt in Rheinland-Pfalz entwickelt Lösungen zur „Entzerrung des Lebensstaus“

Prof.Dr.Jutta Rump, FH Ludwigshafen

Ludwigshafen.  „Fachkräftemangel“. Das Wort hat Potenzial zum Un-Wort des Jahres zu werden. Die Diskussion, ob eine Zuwanderung von ausländischen Fachkräften staatlich gefördert oder der Fokus nicht doch lieber auf die Ausbildung und Qualifizierung gelegt werden soll, wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert und verunsichert Politiker und Unternehmen gleichermaßen. In Rheinland-Pfalz arbeitet man an einer eigenen Lösung, dem Fachkräftemangel  mit vorhandenem Mitarbeiterpotenzial zu begegnen. Dort läuft seit Mitte letzten Jahres ein Projekt zur lebensphasenorientierten Personalpolitik. Wie der Name schon sagt, zielt das Projekt darauf, Mitarbeiter so einzusetzen, wie es ihre individuelle Lebenssituation erfordert. Das setzt auch mehr Flexibilität und neue Ideen von Unternehmen voraus. Genau darum geht es in dem zukunftsorientierten Projekt.

Zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr werden bei den meisten Menschen entscheidende berufliche und private Weichen gestellt. Die Anforderung Beruf und Familie zu vereinbaren, stellt für viele eine große Herausforderung dar, die sie oftmals überfordert. Es entsteht ein „Lebensstau“. Diesen Lebensstau gilt es für die Beschäftigten zu entzerren. Ziel ist es, Lösungen zu finden, die Mitarbeiter gewinnen und binden, Entwicklungsspielraum schaffen sowie alternsgerecht sind.

Lebensphasenorientierte Personalpolitik wird so ausgerichtet, dass sie dem demografischen Wandel – Verknappung der jungen Fachkräfte und Zunahme älterer Arbeitnehmer – Rechnung trägt. Auch Familienfreundlichkeit steht auf der Agenda. So kann es sich kein Unternehmen mehr leisten, bestens ausgebildete Akademikerinnen und Akademiker zu verlieren, weil sie in Mutterschutz oder Elternzeit gehen bzw. Pflegeaufgaben wahrnehmen.

Im Projekt „Strategie für die Zukunft – Lebensphasenorientierte Personalpolitik“ werden praxisorientierte Konzepte entwickelt, die unterschiedliche Lebens- und Berufsphasen der Mitarbeiter mit den Unternehmensinteressen in Einklang bringen. Dabei wird die vorhandene Infrastruktur genutzt und beispielsweise nach Mitteln und Wegen gesucht, das Erfahrungswissen gerade älterer Arbeitnehmer besser einzubringen und auf jüngere zu übertragen. Unternehmensleitbilder werden ausgebaut oder verändert.

Elf ausgewählte Modellbetriebe unterschiedlicher Größe und aus verschiedenen Branchen stellen sich im Projekt modernen arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen. Dazu zählen betriebswirtschaftliche Themen wie die Steigerung der Arbeitsproduktivität sowie strategische Aspekte wie Kunden-, Mitarbeiterbindung oder die Attraktivität als Arbeitgeber. Jeder Modellbetrieb arbeitet als Best-Practice-Unternehmen an einem oder mehreren Themen der lebensphasenorientierten Personalpolitik in individuell auf seine Anforderungen zugeschnittenen Projekten. Die Modellbetriebe werden von Personalspezialisten und Experten für Veränderungsmanagement sowie wissenschaftlichen Mitarbeitern des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen begleitet. Die Spezialisten unterstützen die Unternehmen bei der planmäßigen Umsetzung ihrer Projekte und stellen die wissenschaftliche Evaluierung der Ergebnisse sicher.

Die Einzelergebnisse werden nach Abschluss des Gesamtprojektes vom IBE zusammen geführt, ausgewertet und in konkrete anwenderorientierte Instrumente umgewandelt. Diese aus der Praxis kommenden ausgereiften Instrumente können im Anschluss von interessierten Unternehmen in Rheinland-Pfalz oder bei Bedarf auch in anderen Bundesländern kostenlos genutzt werden, um die eigene Personalpolitik auf die Lebensphasen der Mitarbeiter umzustellen und damit die Zukunftsfähigkeit zu sichern.

Die Praxisphase des Projektes läuft vom 1. April 2009 bis zum 31. März 2011. Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe präsentieren die Initiatoren und Modellbetriebe die Zwischenergebnisse vom 27.-30. September 2010 in vier Städten in Rheinland-Pfalz vor Unternehmen sowie sonstigen Interessenten. Die Abschlussergebnisse werden Anfang 2011 vorgestellt.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt „Strategie für die Zukunft – Lebensphasenorientierte Personalpolitik“ vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz unter Führung von Minister Hendrik Hering. Das Modellprojekt wird vom Institut für Beschäftigung und Employability IBE unter der Leitung von Prof. Dr. Jutta Rump durchgeführt. Gefördert wird es aus Landesmitteln des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums sowie aus EU-Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Pressekontakt:

Prof. Dr. Jutta Rump

Institut für Beschäftigung und Employability

Ernst-Böhe-Str. 4

67094 Ludwigshafen

Tel.:  0621/5203-238

Fax.: 0621/5203-200

Jutta.rump@ibe-ludwigshafen.de

www.ibe-ludwigshafen.de

Für Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an:

Agentur:

Erika Hettich

Accente Communication GmbH

Aarstr. 67

65195 Wiesbaden

Tel.:  0611/ 40 80 616

Fax.: 0611/ 40 80 699

Erika.hettich@accente.de

www.accente.de

Editors Notes

Das Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) unter Leitung von Frau Prof. Dr. Jutta Rump (Geschäftsführerin) und Herrn Prof. Dr. Peter Mudra erforscht personalwirtschaftliche Fragestellungen.

Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Beschäftigung und Beschäftigungsfähigkeit („Employability“), dem demografischen Wandel und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Weitere Kernthemen sind die Zukunft der Arbeitswelt sowie Wissensmanagement und Wissensbilanzierung.

Das IBE berät Unternehmen und Institutionen in arbeitsmarktpolitischen, personalwirtschaftlichen und sonstigen beschäftigungsrelevanten Fragen. Aktuelle Forschungserkenntnisse werden evaluiert und ggf. direkt in die Praxis umgesetzt.

Zusatzinformation: teilnehmende Modellbetriebe Projekt „Strategie für die Zukunft – Lebensphasenorientierte Personalpolitik“:

BASF SE, Ludwigshafen

ca. 32.600 Mitarbeiter am Standort

(Chemische Industrie)

Bitburger Braugruppe GmbH, Bitburg

ca. 1.000 Mitarbeiter am Standort

(Brauereibetrieb)

Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Ingelheim

ca. 11.400 Mitarbeiter am Standort

(Chemische Industrie)

Chemische Fabrik Budenheim KG, Budenheim

ca. 650 Mitarbeiter am Standort

(Chemische Industrie)

G+H Isolierung GmbH, Ludwigshafen

ca. 1.000 Mitarbeiter am Standort

(Dienstleister für Hightech, Wärme- und Kälteisolierungen)

Karl Otto Braun GmbH & Co. KG, Wolfstein

ca. 750 Mitarbeiter am Standort

(Hersteller elastischer textiler Flächen für die Medizin)

Kaufmann GmbH & Co. KG, Schwegenheim

ca. 150 Mitarbeiter am Standort

(Betrieb der Elektro- und Metalltechnik)

LBS Landesbausparkasse Rheinland-Pfalz, Mainz

ca. 300 Mitarbeiter am Standort

(Bausparkasse)

Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft

und Weinbau, Rheinland-Pfalz

Modehaus Marx KG, Trier

ca. 70 Mitarbeiter am Standort

(Damen- und Herrenmodeausstatter)

Sabath Media Designagentur GmbH, Kandel

ca. 20 Mitarbeiter am Standort

(Agentur für visuelle Kommunikation)

VON DER HEYDT GMBH, Speyer

ca. 90 Mitarbeiter am Standort

(Baustoffgroßhandelsgesellschaft)

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