Ich muss leider absagen!

Andreas Scheuermann
Andreas Scheuermann

Ein Gastbeitrag von Andreas Scheuermann, Senior Berater Arbeitgeberkommunikation bei der Fink&Fuchs Public Relations AG

Drei namhafte Akteure der Personalbranche – eine Personalberatung – eine Hochschule und ein angesehenes Fachmagazin – machen derzeit wieder mit einem Wettbewerb für das Beste Absageschrieben auf sich aufmerksam.  http://www.haufe.de/personal/hr-management/bewerbermanagement-award-fuer-das-beste-absageschreiben-ausgelobt_80_235254.html. In drei Kategorien können sich Personaler dafür auszeichnen lassen, wenn sie „diese Herausforderung vorbildlich meistern“. Das ganze unter dem Motto: „Die Chance von Absageschreiben: Bewerber zu Botschaftern machen“.

Nun sind Wettbewerbe, Preise und Auszeichnungen nichts Ungewöhnliches. Und zu Recht weisen die Initiatoren darauf hin, dass in jeder Bewerbung „viel Arbeit und große Hoffnung“ stecken. Entsprechend prägen Unternehmen auch durch die Absage das Bild in der Öffentlichkeit, und man kann nur dringend raten, anständige Absageschreiben zu formulieren.

 

Allerdings schießen die Beteiligten in diesem Fall etwas über das Ziel hinaus. Denn auch der Umgang mit meinen Absageschreiben prägt mein Bild als Unternehmen in der Öffentlichkeit und im Bewerbermarkt. Sprich: In dem Moment, in dem ich dieses Absageschrieben, das einzelne oder mehrere Bewerber erhalten haben zum Gegenstand meiner Selbstdarstellung mache, nehme ich ihm die so wichtige Glaubwürdigkeit. Es ist dann nicht mehr Kommunikation mit dem Bewerber, sondern über ihn. Und das verändert den Charakter grundsätzlich. Der Adressat der Kommunikation wird zum Objekt der Profilierung von Personalern. Was habe ich denn als Bewerber davon, dass genau diejenige Absage, die in meinem Briefkasten landet, auch noch „Deutschlands beste Absage ist“?

 

Es ist durchaus verdienstvoll, Guidelines für Absageschrieben zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen. Man könnte auch gut einen eigenen Punkt im Ethik-Kodex für Personaler daraus machen. Aber ein öffentliches Schaulaufen?

 

Um es durch bewusste Überzeichnung nochmals sehr deutlich zu machen: Kennen Sie Ärztewettbewerbe für „die besten Amputationen“? Oder Auszeichnungen für „hervorragende Todesanzeigen“? Vielleicht auch nur den Deutschen-Controlling-Preis für die meisten Einsparungen im HR-Budget? Nein, solche Auszeichnungen wollen wir nicht, und wir wollen auch nicht, dass es sie gibt.

 

Meine Teilnahme an diesem Wettbewerb muss ich deshalb leider absagen.

 

 

 

Andreas Scheuermann,
Senior Berater Arbeitgeberkommunikation bei der Fink&Fuchs Public Relations AG

arbeitgeberkommunikation@ffpr.de

Web: http://www.ffpr.de/

1 Kommentar zu „Ich muss leider absagen!“

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