Frauen verdienen unter gleichen Voraussetzungen 6,4 % weniger als Männer

Ronald Oaxaca

Ein Beitrag von ersten Studie im Jahr 2016 verändert hat. Die Studie aus dem Jahr 2019 bietet zudem neue Daten zum Gender Pay Gap in Kanada, den Niederlanden und Singapur und nutzt Hunderttausende von Gehaltsberichten, einschließlich Arbeitnehmer- und Arbeitsplatzinformationen, die von Mitarbeitern auf Glassdoor freiwillig und anonym abgegeben werden.

 

Der Ländervergleich

In allen acht von uns untersuchten Ländern verdienen Männer im Durchschnitt mehr als Frauen, auch nachdem wir die Daten statistisch bereinigen und verschiedene Arbeits- und Beschäftigungsmerkmale in Betracht ziehen.

In allen acht untersuchten Ländern finden wir ein ähnliches Muster: ein großes allgemeines oder „unbereinigtes“ geschlechtsspezifisches Lohngefälle, das sich nach Hinzufügung statistischer Kontrollen auf ein kleineres, „bereinigtes“ Lohngefälle verringert.

Auch wenn Frauen noch keinen gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten, werden in den meisten von uns untersuchten Ländern langsam Fortschritte erzielt; außer in Deutschland hat sich das Lohngefälle seit unserer letzten Studie im Jahr 2016 verringert. Ein engerer Arbeitsmarkt, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und ein größeres Bewusstsein für den Gender Pay Gap dürften zu einer Verringerung des Lohngefälles beitragen haben. Wenn sich diese Trends jedoch im gleichen Tempo fortsetzen, könnte Schließung des bereinigte Gender Pay Gap noch bis zum Jahr 2070 dauern.

Unter allen untersuchten Ländern weißt Deutschland mit 22,3% die höchste unbereinigte Lohnlücke und eine der höchsten bereinigten Lohngefälle auf – das einzige Land, wo der bereinigte Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen noch höher ist, ist die Niederlande.

Gender_Pay_Gap_2019
Gender Pay Gap nach Land

Der Gender Pay Gap in Deutschland

Das Statistische Bundesamt (Destatis) schätzt, dass der Gender Pay Gap in Deutschland im Jahr 2017 bei rund 21,0 Prozent lag.[1] In unserer Stichprobe von Glassdoor-Gehaltsdaten finden wir mit 22,3% eine etwas höhere geschlechtsspezifische Lohnlücke, die von deutschen Mitarbeitern online gemeldet wurde. Eine Lohnlücke von 22,3% bedeutet, dass eine Frau hierzulande für jeden Euro, den ein Mann verdient, im Durchschnitt nur 78 Cent verdient.

Für unsere Analyse verwenden wir eine Stichprobe von 4.794 Glassdoor-Gehältern, die von deutschen Arbeinehmern auf Glassdoor abgegeben wurden. Wir beschränken unsere Analyse dabei auf Arbeitnehmer über 16 Jahre, die in Vollzeit arbeiten, für die uns grundlegende demographische Daten wie Alter, Ausbildung und Jahre an Berufserfahrung vorliegen. Die Stichprobe besteht zu 74% aus Männern und zu 26 %aus Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 33 Jahre (Stand 2018) und die durchschnittliche relevante Berufserfahrung betrug 5,3 Jahre.

Abbildung 1 zeigt unsere Schätzungen des unbereinigten und bereinigten Gender Pay Gaps bei den deutschen Gehältern auf Glassdoor. Die Säule ganz links zeigt die unbereinigten Lohnunterschiede ohne statistische Kontrollen für Unterschiede zwischen Arbeitnehmern oder Arbeitsplätzen. Insgesamt ergibt sich zwischen Männern und Frauen eine unbereinigte Lohnlücke von 22,3% bei Grundgehältern und ein Abstand von 25,1% bei der Gesamtvergütung (d. h. einschließlich Boni, Trinkgelder etc.).

Bereinigt nach Alter, Ausbildung und Berufserfahrung verringert sich das geschlechtsspezifische Lohngefälle auf 15,3 % beim Grundgehalt (Säule 2). Und auch nach der Bereinigung nach unternehmenspezifischen Faktoren und nach Stellenbezeichnungen bleibt eine Gehaltslücke von 6,4% bei der Grundvergütung bestehen (Säule ganz rechts). 2016 betrug dieser Wert in Deutschland nur 5,5%. Mit anderen Worten: Eine Frau verdient im Schnitt auch dann noch weniger als ihr männlicher Kollege, wenn sie die gleiche Stellenbezeichnung hat, beim gleichen Arbeitgeber angestellt ist, in der gleichen Region arbeitet sowie Alter, Ausbildung und Berufserfahrung vergleichbar sind.

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Abbildung 1: Gesamtergebnisse: Schätzungen des unbereinigten und bereinigten Gender Pay Gaps für vergleichbare ArbeitnehmerInnen

Was erklärt die Lücke?

Um besser zu verstehen, wie der Gender Pay Gap zustande kommt, unterteilt Glassdoor die Lohnlücke in einen erklärbaren und einen ungeklärten Anteil (siehe Abbildung 2).

In Deutschland sind 55% (12,3/22,3 = 55 %) der Gehaltskluft erklärbar, z. B. durch verschiedene Arbeitnehmermerkmale. Gleichzeitig können die restlichen 45% des Lohnunterschieds nicht durch Faktoren, die anhand der Glassdoor-Daten beobachtbar sind, erklärt werden. Zu diesen ungeklärten Faktoren können beispielsweise Unterschiede in der Gehaltsverhandlungsstrategie von Männern und Frauen oder auch eine unterschiedliche Behandlung wie z. B. Diskriminierung durch den Arbeitgeber gehören.

Von den rund 55% des erklärten Gender Pay Gaps sind 29% auf die Aufteilung von Männern und Frauen in unterschiedliche Branchen und Berufe zurückzuführen, während 26% auf Unterschiede bezüglich der Ausbildung und Berufserfahrung zurückzuführen sind. Anders gesagt: Individuelle Eigenschaften der Arbeitnehmer erklären nur ca. 26% des Gender Pay Gaps. Und im Gegensatz dazu erklärt die Tatsache, dass Frauen und Männer systematisch in verschiedenen Beschäftigungsarten und Branchen arbeiten 29% — dies über alle untersuchten Länder hinweg der größte Einzelfaktor für die Erklärung von geschlechtsspezifischen Unterschieden in unserer Stichprobe.

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Abbildung 2: Zerlegung des Gender Pay Gap in Deutschland in eine erklärte und ungeklärte Komponente

MEHR INFORMATIONEN:

Die vollständigen Ergebnisse der Studie “Progress on the Gender Pay Gap: 2019” mit detaillierten Analysen zum Gender Pay Gap in  allen untersuchten Ländern stehen zum Download zur Verfügung (auf Englisch).

Blog-DE-Gehaelter

[1] Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland (Destatis): https://bit.ly/2HF19eI

Source: https://www.glassdoor.de/blog/gender-pay-gap-deutschland/

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