Schlaraffenland ist abgebrannt – oder warum es ein dummes Ziel ist, sich mehr Bewerber zu wünschen

Von Bianca Traber

Vom Lieferanten zum Lösungspartner

Mit Patrick sprach ich am Anfang des Podcast über meinem „Karriereweg“ und auch über die Rolle der Personaldienstleistung. Diese wird sich meiner Meinung nach verändern. „Die Personaldienstleistung wird sich verändern. Wir müssen wegkommen vom reinen Lieferanten, hin zum Lösungspartner. Lösungspartner heißt für mich, dem Kunden dabei helfen Lösungen für sein Problem zu finden und nicht irgendwen zu liefern.“

Bianca Traber

 

Dann ging es zur Sache und um meine These:

Schlaraffenland ist abgebrannt – oder warum es ein dummes Ziel ist, sich mehr Bewerber zu wünschen

Das dumme Ziel

„Nach Bewerbern zu suchen ist ein dummes Ziel, weil es Dich nicht wirklich weiterbringt und den Fokus verengt.“ Warum das so ist, habe ich anhand von 3 Beispielen aus der Praxis erläutert. Hier findest Du die Aussagen in Stichpunkten wieder. Zusätzlich gibt es noch Impulse und Denkanstöße aus unserem Gespräch.

Praxisbeispiel 1 – Auftrag und Vorgehen

  • Zahnarztpraxis am See, also hier am Bodensee, sucht eine Zahnarzthelferin in Vollzeit mit Prio 1.
  • Prio 1 bedeutet, „Suche“ am aktiven Arbeitsmarkt.
  • Kunde glaubt, dass der Markt leer ist, weil sich niemand bisher auf seine Stellenanzeige beworben hat
  •  To do: Fakten schaffen mit einer knackigen Bewerbermarkt-Analyse – Ergebnisse: Am aktiven Arbeitsmarkt gab es eine Zahnarzthelferin im Umkreis von 30 km gab. Patrick schätzte, dass es 20 sind.
  • Im Umkreis von 15 km, weil man die Stelle auch teilen kann, gab es 2 Teilzeitkräfte. (die fahren keine 30 km)
  • Wettbewerb: 42 Stellenausschreibungen von Zahnärzten – ohne Zeitarbeit – die im Umkreis von 30 km ebenfalls suchen

Fazit: Der Kunde hat verstanden, dass nur der passive Arbeitsmarkt in Frage kommt.

Scharaffenland (Bruegel)

Zwischenfrage – Unterschied aktiver und passiver Arbeitsmarkt

Patrick: „Könntest Du bitte mal den Unterschied zwischen aktivem und passivem Arbeitsmarkt definieren und erläutern?“

Bianca: „Der aktive Arbeitsmarkt ist der Markt den alle kennen unter dem Begriff: „Da suchen die, die beim Arbeitsamt gemeldet sind…Das heißt, das sind alle Menschen die aktuell ohne Job sind und aktiv nach Arbeit suchen und Ausschau halten. Der aktive Arbeitsmarkt ist auch der, von dem alle sagen: „Der ist leergefegt.“ Der passive Arbeitsmarkt ist der Arbeitsmarkt, in dem Leute schon Arbeit haben. Die suchen nicht aktiv. Die halten latent Ausschau, weil sie vielleicht unzufrieden sind.

Das „dumme“ Ziel

So geht „die Suche“ weiter

Der Zahnarzt hat verstanden, dass wir uns nicht auf die Suche machen, sondern jetzt einfach ein geiles Angebot machen müssen. Zielgerichtet an den passiven Kandidatenmarkt. Weil Leute, die nicht aktiv suchen, nicht drauf warten, dass irgendjemand ein Schild raushängt und sagt: Ich suche…Bianca „Wenn die latent unzufrieden sind und dann auf ein Angebot treffen, dann muss das einfach mitten ins Herz. Dann muss es die Punkte ansprechen, die derjenige sich wünscht…damit sagt, OK, ich schau mir das mal an. Ich lerne den mal kennen.“ (Den Arbeitgeber/die Firma)

Die alternative Lösung. Der Zahnarzt hat sich entschieden, hier einen Ausbildungsplatz anzubieten und selbst den Nachwuchs zu entwickeln. Anmerkung: Aus dem einen Ausbildungsplatz sind zwei geworden 🙂 …“Macht Sinn, denn dieses hin und her, von einem Arbeitgeber zum Anderen, ist am Ende ein Nullsummenspiel.“

Trotz Zahlen, Daten, Fakten…Zahnarzt: „Ja, aber so 15 Bewerbungen wären schon nett.“ Er wollte scheinbar die Qual der Wahl haben. 😉

Bianca „Wahrscheinlich hängt das in der DNA als Arbeitgeber. Ich wünsche mir die guten alten Zeiten wieder… Ganz ehrlich. Das bringt Dich nicht wirklich weiter.“

Wenn nicht mehr Bewerber, was dann?

Patrick: Um zur These zurückzukommen. Verstehe ich das richtig. Das Ziel sollte dann sein, nicht mehr Bewerber, sondern qualifizierte Bewerber?

Bianca: „Ich gehe sogar weiter und sage: Das Ziel ist es, eine Lösung zu finden. Sich also gar nicht auf Bewerber zu fokussieren, sondern auf eine Lösung. Die Lösung war in dem Fall eine Auszubildende.

Praxisbeispiel 2

Ein anderer Kunde hat vor Weihnachten letztes Jahr Elektriker gesucht, um seine Projekte zum Ende des Jahres fertig zu machen. Prio 1 – Zeit.

  • Im Umkreis von 30 km gab es 11 Elektriker. Qualität bei 3 gut.
  • Knackpunkt: Nur weil die arbeitslos sind, heißt es nicht, das die sich bei Dir (!) bewerben müssen
  • Auch die Bewerber fangen an zu pokern, weil ihnen seit 20 Jahren eingeredet wird, dass es einen Fachkräftemangel gibt
  • Die wollen auch das Beste für sich rausholen
  • Selbst wenn da 50 „Profile“ wären, heißt es ja noch lange nicht, dass sich diese 50 bei Dir bewerben
  • Die Geschäftsführerin hat das Thema Bewerber für sich abgehakt
  • Die Lösung: Subunternehmer – Hat zwei gefunden, die im Team arbeiten. Qualität und Zuverlässigkeit Top
  • Arbeitszeiten flexibel angepasst – 4 Tage-Woche

Ergebnis: Kunde war happy.

Praxisbeispiel 3

  • Maschinenbauunternehmen hat sich neue Maschinen angeschafft
  • Sucht Drahterodierer
  • Den Beruf gibt es so nicht als Ausbildungsberuf. Ist eine Weiterbildung. Basis ist ein metallverarbeitender Beruf
  • In der Form keine Profile am Arbeitsmarkt. Auch nicht am passiven vorhanden, da Wettbewerb nicht mit dieser Technologie arbeitet
  • Lösung: Rekrutiert Mitarbeiter aus der Metallverarbeitung und bildet diesen selbst weiter bzw. investiert in Weiterbildung

 Systematisches Vorgehen

  • Setze klare Prioritäten!
  • Bevor Du irgendwas machst, schau Dir den Markt an!
  • Prüfe Deine Chancen und Möglichkeiten am Markt im Verhältnis zu Deinen Prioritäten.
  • Entscheide Dich für die richtige Strategie – aktiv, passiv oder ein Mix?
  • Sei bereit, Alternativen auch anzunehmen und im Rahmen Deiner Möglichkeiten umzusetzen.
  •  Passiver Arbeitsmarkt: Prüfe die Motive und Wünsche Deiner Kandidaten und mache ein treffsicheres Angebot.
  • Plane Deine Ressourcen bevor Du in die Umsetzung gehst.
  • Lege passende Kennzahlen fest. Erhebe diese und werte sie aus
  • Verbessere stetig Deinen Prozess (KVP)

FAZIT

  1.  „Du kannst das, was Du in der Vergangenheit versäumt hast, nicht in kürzester Zeit wiedergutmachen. Aber Du kannst jetzt damit anfangen.“
  2. „Auch wenn der Arbeitsmarkt wieder proppevoll ist, ich würde nie mehr in Bewerbern denken wollen, weil ich mir damit die Chance nehme in Lösungen zu denken.“
  3. „Ich glaube, wir müssen wegkommen von dieser Stellenbesetzer-Mentalität, hin zur Lösungsmentalität.
  4. „Nicht versuchen zu ersetzen, was schon mal da war. Damit verpasst Du die Chance Dir den Markt der Zukunft anzuschauen.“
  5. „Ab dem Moment, wo jemand geht, musst Du STOP sagen – auch wenn der Schmerz groß ist…Nimm Dir die Zeit und überlege: Wie will ich mit diesen Aufgaben zukünftig umgehen? Braucht es die überhaupt noch? Oder kann ich die digitalisieren? Hinterfrage Deine Wünsche: „Kannst Du die Stelle nicht vielleicht auch mit einer Maschine ‚besetzen‘?…oder durch Künstliche Intelligenz „ersetzen“?
  6.  „Höre auf, reflexartig Stellen nachzubesetzen!“
  7. „Werde nicht Teil des Problems, sei Teil der Lösung. Werde nicht Teil des Problems, sei Teil der Lösung. Frage Dich: Willst Du Bewerber haben oder willst Du Dich auf das fokussieren, was Dich zukünftig weiterbringt?

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