Hartz IV

BA erweitert „Joboffensive:“ – Mit mehr Vermittlern zu mehr Beschäftigung

Christiane Schönefeld

Erfolgreiches Projekt „Berliner Joboffensive“ wird auf Nordrhein-Westfalen ausgeweitet // Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), und Guntram Schneider, Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen, geben dafür heute den Startschuss

Auch bei leichter konjunktureller Abkühlung werden Fachkräfte weiter händeringend gesucht. Allein der deutsche Mittelstand rechnet in diesem Jahr mit 150.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Der Beschäftigungsstand ist seit der Wiedervereinigung auf historischem Rekordhoch, die Arbeitslosigkeit auf Rekordtief. Die Möglichkeiten für Hartz IV-Empfänger auf dem Arbeitsmarkt sind so gut wie nie – wenn sie richtig genutzt und aktiviert werden. Mit der Erweiterung der erfolgreichen „Berliner Joboffensive“ auf weitere Regionen in verschiedenen Bundesländern starten die Jobcenter eine Vermittlungsoffensive, beginnend in Nordrhein-Westfalen.

Der Arbeitsmarkt im Jahr 2012: Robuster Arbeitsmarkt in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld

Frank-Jürgen Weise, Bundesagentur für Arbeit
Frank-Jürgen Weise, Bundesagentur für Arbeit

„Im Jahr 2012 musste sich der deutsche Arbeitsmarkt in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld bewähren. Er hat auf diese Herausforderung robust reagiert. Spuren der langsameren konjunkturellen Gangart sind jedoch erkennbar.“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-J. Weise, heute in Nürnberg anlässlich der monatlichen Pressekonferenz.

  • Arbeitslosenzahl im Jahr 2012: 2.897.000
  • Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich: -79.000
  • Arbeitslosenquote gegenüber Vorjahr: -0,3 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent

Nicht nur Langzeitarbeitslose beantragen Hartz IV

Langzeitarbeitslosigkeit ist in den meisten Fällen nicht der Grund für den Eintritt in Hartz IV. Das zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Weniger als ein Drittel der in den Hartz-IV-Bezug Eintretenden war bereits in der Zeit davor arbeitslos gemeldet. Ähnlich viele waren vorher erwerbstätig. Die übrigen absolvierten zum Beispiel eine schulische Ausbildung oder ein Studium, waren Hausfrau oder Hausmann oder wegen Krankheit nicht in der Lage zu arbeiten.

Mehr als 100.000 Selbständige müssen mit Hartz IV aufstocken

Dr. Lena Koller

127.000 selbstständige Aufstocker gab es 2011 im Jahresdurchschnitt. Ihr Einkommen ist so niedrig, dass es ohne Hartz IV nicht für den Bedarf des Haushalts ausreicht. Fast zwei Drittel von ihnen erwirtschaften ohne die ergänzenden Hartz-IV-Leistungen rechnerisch weniger als fünf Euro netto pro Stunde. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Viele bekamen schon Hartz IV, bevor sie arbeitslos wurden

Prof.Dr.Gesine Stephan, IAB

Rund 30 Prozent derjenigen, die nach dem Ende einer Beschäftigung Arbeitslosenunterstützung erhalten, bekommen kein Arbeitslosengeld, sondern Hartz IV. Fast jeder zweite von ihnen bezog jedoch auch schon Hartz IV, bevor er arbeitslos wurde: Als Aufstocker erhielt er bereits während der Beschäftigung Leistungen aus der Grundsicherung, da sein Gehalt unter dem Grundsicherungsniveau lag. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Hartz-IV Flüsterer: Bundesagentur für Arbeit (BA) stellt Muster für Arbeitslosengeld II-Bescheide mit Erklärungstexten zur Verfügung

Heinrich Alt, Bundesagentur für Arbeit

Bescheide von Behörden sind keine leichte Lektüre. Auch der Bewilligungsbescheid für Leistungen der Grundsicherung ist für Kunden nicht immer auf den ersten Blick zu verstehen. Ab sofort steht Hartz IV-Empfängern eine Erklärungshilfe im Internet zur Verfügung. An einem Musterbescheid und einem Musterberechnungsbogen wird Schritt für Schritt erklärt, was sich hinter der Verwaltungssprache verbirgt, Fachbegriffe werden einfach und nachvollziehbar erläutert. „Unverständlichkeit schafft Misstrauen. Unsere Kundinnen und Kunden haben einen Anspruch auf eine klare und verständliche Sprache. Daran arbeiten wir.“, so Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der BA.

Alleinerziehende in Hartz IV profitieren deutlich von Weiterbildung

Dr. Cordula Zabel

Nürnberg. Alleinerziehende Arbeitslosengeld-II-Empfängerinnen profitieren deutlich von Weiterbildung, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer aktuellen Studie ermittelt. Ihre Beschäftigungschancen steigen dadurch um bis zu 19 Prozentpunkte.

Am meisten steigert eine Weiterbildung die Beschäftigungschancen der alleinerziehenden Arbeitslosengeld-II-Empfängerinnen, wenn deren Kinder bereits älter als zehn Jahre sind. Aber auch für Alleinerziehende, deren jüngstes Kind zwischen drei und fünf Jahren alt ist und die an einer Weiterbildung teilnehmen, erhöhen sich die Beschäftigungschancen um zehn Prozentpunkte in Westdeutschland und sieben Prozentpunkte in Ostdeutschland.

Befragung von Hartz IV-Empfängern zeigt: Vertrauen in die Arbeit der Jobcenter

Heinrich Alt, Bundesagentur für Arbeit

Wie gut arbeiten die Jobcenter und wie zufrieden sind Hartz IV Empfänger mit ihrer Betreuung? Darüber gibt eine bundesweite Befragung Auskunft. Seit 2008 werden pro Halbjahr und Jobcenter 100 Kunden, also insgesamt mehr als 30.000 Menschen, befragt. Sie sollen zum Beispiel das Dienstleistungsangebot, die Unterstützung durch die Mitarbeiter in den Jobcentern oder auch die Rahmenbedingungen, wie Öffnungszeiten oder telefonische Erreichbarkeit bewerten.

Alleinerziehende in Hartz IV zu vielen Kompromissen bereit

Nürnberg. 40 Prozent der Alleinerziehenden benötigen Hartz IV – fast ausschließlich Frauen. Dabei wären drei von vier alleinerziehenden Hartz-IV-Empfängerinnen bei der Jobsuche bereit, unterhalb ihres fachlichen Könnens und unter belastenden Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Gut die Hälfte würde auch für ein geringes Einkommen arbeiten. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die am Montag in der Zeitschrift IAB-FORUM veröffentlicht wurde.

„Mehrwert schaffen“ – Minijobs umwandeln

Jobcenter verstärken Bemühungen, Minijobs von Hartz IV-Empfängern in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umzuwandeln // Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen soll bundesweit Schule machen

Heinrich Alt, Bundesagentur für Arbeit

Die steigende Zahl an Minijobs zeigt, dass ein immer größeres Arbeitsvolumen in dieser Beschäftigungsform geleistet wird. Gerade für Geringqualifizierte oder Langzeitarbeitslose ist der Minijob ein Einstieg in den Arbeitsmarkt, er darf sich aber nicht zur „Sackgasse“ entwickeln. Minijobber kehren häufiger in Arbeitslosigkeit zurück oder entwachsen aufgrund des geringen Verdienstes gar nicht erst der Hilfebedürftigkeit. In einem Pilotprojekt werben ausgewählte Jobcenter in Nordrhein-Westfalen bei Unternehmen und Beschäftigten dafür, Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umzuwandeln. Unter dem Motto „Mehrwert schaffen“ sollen auf der einen Seite Hartz IV-Bezieher in existenzsichernde Beschäftigung gebracht werden und auf der anderen Seite Betriebe eingearbeitete und hoch motivierte Beschäftigte langfristig an ihr Unternehmen binden. Eine Win-Win-Situation, die gleichzeitig die Sozialkassen von Städten und Gemeinden und die Steuerzahler entlastet.