Inga Rottländer

Die fünf hartnäckigsten Bewerbungsmythen – und was an ihnen dran ist

Düsseldorf, September 2020. Einige Gerüchte rund um das Thema Bewerbung halten sich hartnäckig – vom Anschreiben über die Selbstpräsentation bis hin zur Gehaltsfrage. Aber wo ist wirklich etwas dran? Und welche Annahmen sind längst überholt? Die Jobplattform StepStone befragt regelmäßig tausende Recruiter und Bewerber und weiß, was bei der Jobsuche zählt. Auf Basis der neuesten Erkenntnisse räumen die Experten von StepStone mit den beliebtesten Bewerbungsmythem auf.

Inga Rottländer

1. Wenn ich schon viele Jobs hatte, gelte ich als Job-Hopper.

Falsch. Der Arbeitsmarkt wird zunehmend dynamischer und schnelllebiger – das wissen auch die Personaler. Aktuelle StepStone Studien zeigen, dass die Wechselbereitschaft von Arbeitnehmern in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Jobs sind immer häufiger projektbezogen oder haben eine befristete Vertragslaufzeit. „Je nach Aufgabenprofil in der ausgeschriebenen Stelle bewerten Personaler es sogar positiv, wenn der Bewerber in vielen unterschiedlichen Bereichen in kurzer Zeit Erfahrungen gesammelt hat – das beweist Flexibilität und Anpassungsfähigkeit“, sagt StepStone Karriereexpertin Inga Rottländer. Aber es können auch persönliche Gründe sein, die eine berufliche Veränderung bedingen. Jeder zweite Bewerber gab bei einer StepStone Studie an, wegen einer unpassenden Unternehmenskultur den Job gewechselt zu haben. Jeder Dritte hat sogar schon einmal in der Probezeit gekündigt, weil es einfach nicht passte. Die Personalverantwortlichen haben häufig Verständnis für einen Wechsel, wenn dieser gut begründet ist. „Hat man sich beruflich sehr häufig und schnell verändert, ist es ratsam, den Grund im Lebenslauf unter der jeweiligen Station kurz zu nennen – zum Beispiel ein Umzug oder dass das Aufgabenprofil letztendlich doch nicht gepasst hat“, sagt Rottländer. „So können Bewerberinnen und Bewerber mögliche Fragen von Personalverantwortlichen direkt abfangen.“

2. Personaler interessieren sich nicht für meine Social Media Auftritte.

Stimmt nicht. Laut einer StepStone Studie recherchiert immerhin knapp jeder zweite Recruiter im Internet nach Informationen zu den Bewerberinnen und Bewerbern. Die wichtigsten Quellen sind dabei Google und soziale Netzwerke. „Es ergibt durchaus Sinn, vor der Jobsuche einmal in die Rolle des Personalers zu schlüpfen und seinen Namen in die Suchmaske einzugeben. So lässt sich leicht nachprüfen, welche persönlichen Informationen im Netz kursieren und welchen Eindruck der Recruiter dadurch von mir gewinnt“, empfiehlt Rottländer. „Auch wenn die Urlaubsfotos auf Instagram am Ende nicht darüber entscheiden werden, ob man einen Job bekommt oder nicht: Es ist empfehlenswert, seine sozialen Kanäle zu pflegen.“

3. Ich verschweige besser, dass ich mich auch woanders beworben habe.

Falsch. Im Gegenteil: Recruiter rechnen sogar damit, dass Bewerber sich auch bei anderen Unternehmen umsehen. Laut StepStone Marktforschung bewerben sich fast zwei Drittel der Befragten im Laufe einer Jobsuche bei sechs oder mehr Unternehmen. Ein Drittel von ihnen bewirbt sich sogar bei mehr als fünfzehn Unternehmen. Personalverantwortliche erwarten daher eine ehrliche Antwort auf die Frage, ob man sich noch bei anderen Unternehmen beworben hat. Alles andere könnte auf eine fehlende Motivation bei der Jobsuche schließen.

4. Wenn ich niedrige Gehaltsvorstellungen angebe, habe ich bessere Jobchancen.

Stimmt nicht. Allzu bescheidene Gehaltsvorstellungen können bei Personalern als Zeichen für mangelnde Erfahrung oder geringes Selbstbewusstsein interpretiert werden. Es besteht die Gefahr, dass das Gegenüber einen also gar nicht als ausreichend qualifizierten Mitarbeiter in Betracht zieht. Niedrige Gehaltswünsche offenbaren auch, dass man sich nicht hinreichend über ein realistisches Gehalt informiert hat. Bewerber sollten sich im Vorfeld darüber informieren, wie das Gehalt in vergleichbaren Positionen und Branchen ausfällt. Rottländer empfiehlt: „Hier eignen sich – neben dem Austausch mit Freunden oder der Familie – Gehaltsrechner oder -reports, die verschiedene Gehälter vergleichen und einen Überblick geben. In der Gehaltsverhandlung selbst ist es ratsam, eine Gehaltsvorstellung zu nennen, die einen gewissen Puffer nach unten zulässt – und trotzdem realistisch ist. In der Regel nähern sich Bewerber und Personalverantwortliche dann so an, dass beide zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kommen.“

5. Das Anschreiben ist der wichtigste Bestandteil meiner Bewerbung.

Falsch, der Lebenslauf ist der wichtigste Bestandteil – das gaben ganze 90 Prozent der Recruiter in Deutschland im Rahmen einer StepStone Studie an. Das Anschreiben folgt mit großem Abstand nur auf Platz zwei. Tatsächlich nimmt die Bedeutung des Anschreibens seit Jahren immer weiter ab. Der Hauptgrund: Der Trend zur schnellen, unkomplizierten Online- und Mobil-Bewerbung. Arbeitgeber legen zunehmend Wert darauf, potenziellen Bewerbern die Kontaktaufnahme so leicht wie möglich zu machen. Einige Unternehmen – wie zum Beispiel die Deutsche Bahn – haben das Anschreiben deshalb sogar abgeschafft.  

Über die StepStone Studien

Die vorliegenden Ergebnisse beruhen auf Online-Befragungen von im Schnitt je 20.000 Fach- und Führungskräften aus dem Jahr 2020 und den vergangenen Jahren. Alle aktuellen StepStone Studien und Informationen rund um Karriere, Gehalt, Recruiting und Arbeitsmarkt kostenfrei, übersichtlich und multimedial aufbereitet unter: www.stepstone.de/wissen

Über StepStone

Mit StepStone trifft jeder die richtige Jobentscheidung. Das E-Recruiting-Unternehmen verbindet Menschen mit der Arbeitswelt – neben Online-Jobplattformen (StepStone, TotalJobs, Saongroup u.a.) zählen weitere digitale Services wie Employer-Branding-Dienstleistungen, Gehaltsanalysen sowie Video-Recruiting-Lösungen zum Angebot des Unternehmens. Die StepStone GmbH, eine Tochter der Axel Springer SE, ist in mehr als 20 Ländern aktiv und beschäftigt mehr als 3.500 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf. StepStone Deutschland betreibt die Jobplattform www.stepstone.de.

Studie: So organisieren sich Teams jetzt im Homeoffice

Jeder zweite Arbeitnehmer arbeitet derzeit von zu Hause aus. Für viele ist die Situation neu. Aktuelle Studienergebnisse zeigen, wie Teams jetzt zusammenarbeiten und miteinander kommunizieren.

Kein Plausch in der Kaffeeküche, kein gemeinsames Mittagessen und auch keine kleinen Absprachen auf dem Flur – das Miteinander mit den Kollegen hat sich aufgrund der Corona-Krise für viele stark verändert. Doch wie gut oder schlecht funktioniert die neue Zusammenarbeit im Homeoffice? StepStone ist dieser Frage im Rahmen einer Befragung auf den Grund gegangen.

 

Die acht häufigsten Gründe, warum Fachkräfte kündigen 

Fachkräfte sind wählerisch und haben genaue Vorstellungen von ihrem Job. Damit sie zufrieden mit ihrer Stelle sind, wünschen sie sich vor allem eine spannende Tätigkeit und eine hohe Jobsicherheit. Das zeigen Ergebnisse einer StepStone Studie zum Thema Arbeitgeberattraktivität, an der 22.000 Fach- und Führungskräfte teilgenommen haben. Doch was hat Fachkräfte in Deutschland eigentlich dazu gebracht, ihren letzten Arbeitgeber zu verlassen? Das sind die acht häufigsten Kündigungsgründe:

Grund 1: Zu geringe Bezahlung 

Obwohl die Befragten im Rahmen der Studie mehrere Kündigungsgründe nennen konnten, gaben nur rund vier von zehn Fachkräften (39,7 Prozent) das Gehalt an. 79 Prozent der Fachkräfte gehen davon aus, dass sie nach einem Jobwechsel mehr verdienen als vorher – das zeigt die StepStone Studie „Gehaltsverhandlungen in Deutschland“.

Inga Rottländer

„Die Bezahlung ist zwar wichtig, sie ist aber nur einer von vielen Faktoren, die für die Zufriedenheit im Job entscheidend sind“, sagt Inga Rottländer, Karriere-Expertin bei StepStone. „Wer den Job wechselt, sollte deshalb nicht nur auf das Gehalt achten, sondern auch darauf, ob er sich bei dem neuen Arbeitgeber wohlfühlen und weiter entwickeln kann.“

Speerspitze oder Nischenkämpfer: Welche Rolle spielen HR-Blogger heute?

HR-Blogs
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von Helge Weinberg

HR-Blogger – welche Bedeutung haben sie in der Personalwelt? Worüber schreiben sie? Welche Trends sehen sie? Diesen und anderen Fragen widmet sich ein Beitrag in der Fachzeitschrift „HR Performance“ (https://www.hrperformance-online.de/news/speerspitze-oder-nischenkaempfer-welche-rolle-spielen-hr-blogger). Einige davon hatte sich der Autor selber gestellt, als er vor sieben Jahren in die HR gewechselt war und sich neu orientieren musste. Wie fundiert ist das, worüber die Blogger schreiben, bewegte ihn damals. Und: Sind sie die Speerspitze der HR, eine innovative Kraft, oder eher die kreativen Einzelkämpfer im Elfenbeinturm – aber ohne Bodenhaftung?

HR Edge: Virtual Reality wird eine Spielwiese für das Personalmarketing

von Helge Weinberg

Augmented und Virtual Reality werden in Zukunft eine wichtige Rolle im Personalmarketing spielen. Zu diesem Schluss kommen vier Experten, die Crosswater-Redaktionsmitglied Helge Weinberg im Anschluss an die HR-Edge am 10. September in Hamburg befragt hatte. Für viele Besucher der mit rund 140 Teilnehmern völlig ausgebuchten Veranstaltung war das Ausprobieren dieser neuen Techniken ein Highlight der Veranstaltung. Ebenfalls im Mittelpunkt stand die Candidate Experience, wo auch für die Zukunft erheblicher Handlungsbedarf für HR gesehen wird.

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