Kurzarbeit

Deutscher Arbeitsmarkt ist weiterhin robust

Arbeitsmarktkommentar von Dr. Annina Hering, Economist Indeed DACH

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist immer noch hoch: Die Zahl der Erwerbstätigen ist zum Oktober 2019 erneut gestiegen. Zwar gehen die neu gemeldeten Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit zurück – um hier allerdings eine verlässliche Schlussfolgerung ziehen zu können, müssen die Zahlen der IAB-Stellenerhebung abgewartet werden, die tatsächlich alle offenen Stellen in Deutschland umfassen, aber derzeit erst für das zweite Quartal 2019 vorliegen.

Dr. Annina Hering

Kurzarbeit: Von einer Krise weit entfernt

Holger Schäfer
Holger Schäfer

Von Holger Schäfer

Kurzarbeit ist ein wichtiger Indikator dafür, dass es nicht mehr so rund läuft, wie Unternehmen es sich wünschen. Kurzarbeit hilft aber auch dabei, dass sich Konjunkturkrisen nur bedingt auf den Arbeitsmarkt übertragen. Die aktuelle Konjunktureintrübung ist längst nicht so dramatisch wie vor zehn Jahren.

In den kommenden Monaten wollen Unternehmen wieder verstärkt auf Kurzarbeit zurückzugreifen, meldet die jüngste Konjunkturumfrage des ifo-Instituts. Von einem außergewöhnlich starken Anstieg der Kurzarbeit ist bisher allerdings nichts zu sehen: Für Juli rechnet die Bundesagentur für Arbeit mit rund 34.000 Kurzarbeitern, die aus konjunkturellen Gründen kürzertreten müssen. Das wären zwar fast dreimal so viele wie im Vorjahresmonat. Allerdings gab es 2015 und 2016 ähnlich viele Kurzarbeiter wie derzeit, in den Jahren davor waren es sogar deutlich mehr.

ifo Institut: Kurzarbeit konzentriert sich bislang auf acht Branchen

Die Kurzarbeit in der deutschen Industrie konzentriert sich bislang auf acht Branchen. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor. Besonders betroffen – mit einem Anteil von 30 Prozent – sind die Betriebe im Sonstigen Fahrzeugbau, also Hersteller von Schiffen, Zügen, Luft- und Raumfahrzeugen, Panzern und von Motor- und Fahrrädern.

In der Textilindustrie liegt der Anteil bei 25 Prozent der Firmen, bei Leder, Lederwaren und Schuhen bei 18 Prozent. Bei Metallerzeugung und -bearbeitung sind es 9 Prozent, im Maschinenbau 7 Prozent, bei Autos und Autoteilen 7 Prozent, bei Gummi- und Kunststoffwaren 6 Prozent, bei elektrischen Ausrüstungen 5 Prozent.

Timo Wollmershäuser

Realisierte Kurzarbeit sowie Anzeigen aktuell auf normalem Niveau

Raimund Becker, Bundesagentur für Arbeit

Konjunkturelle Kurzarbeit gibt es nicht nur im Wirtschaftsabschwung. Auch in wirtschaftlich guten Zeiten können einzelnen Unternehmen Aufträge vorübergehend wegbrechen. Wenn jedoch – so wie jetzt – die wirtschaftliche Dynamik nachlässt, lohnt es sich, die Entwicklungen bei der Kurzarbeit im Auge zu behalten. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat deshalb eine Broschüre aufgelegt, die künftig monatlich aktualisiert wird.

IAB: Kurzarbeit ist kein Abstellgleis

Theresa Scholz

Nürnberg. Zwei Drittel der Kurzarbeiter waren maximal vier Monate von Kurzarbeit betroffen. Nur jeder sechste war länger als ein halbes Jahr, nur jeder 25. länger als ein Jahr in Kurzarbeit. Das zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die auf Daten aus der Stadt Nürnberg beruht.

Betriebe investieren in die Kurzarbeit rund fünf Milliarden Euro

Dr. Eugen Spitznagel, IAB
Dr. Eugen Spitznagel, IAB

Für Kurzarbeit wenden die betroffenen Betriebe in Deutschland 2009 zwischen 4,2 und 6,2 Milliarden Euro auf, geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Die Arbeitsmarktforscher Hans-Uwe Bach und Eugen Spitznagel betonen: „Die Betriebe zahlen mit – und haben was davon“.

IAB: „Wirkungen der Kurzarbeit-Neuregelungen nicht überschätzen“

Andreas Crimmann, IAB
Andreas Crimmann, IAB

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) dämpft die Erwartungen an die Ausweitung der Kurzarbeitergeld-Bezugsdauer auf 24 Monate und die vollständige Übernahme der Sozialabgaben nach sechs Monaten durch die Bundesagentur für Arbeit. In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie schreiben die IAB-Arbeitsmarktexperten Andreas Crimmann und Frank Wießner, man solle die Wirkungen nicht überschätzen: „Je länger die Krise andauert, desto weniger kann Kurzarbeit die Folgen abfedern.“

Flexible Arbeitszeiten und Kurzarbeit bremsen Jobverluste

Flexible Arbeitszeiten und Kurzarbeit haben die erste Wucht der Wirtschaftskrise am deutschen Arbeitsmarkt abgefangen, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Der Stand auf den Arbeitszeitkonten ist im Schnitt um fast 6 Stunden abgeschmolzen. Die Zahl der Kurzarbeiter ist in den ersten Monaten des Jahres sprunghaft angestiegen und belief sich im Monatsdurchschnitt des ersten Quartals 2009 auf 950 000. Bei der Kurzarbeit ist gut ein Drittel der normalen Arbeitszeit ausgefallen. Auf alle Arbeitnehmer umgerechnet waren das im ersten Quartal 3,5 Arbeitsstunden.

Die Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsstellenmarktes im April 2009

Frank-J. Weise, Bundesagentur für Arbeit
Frank-J. Weise, Bundesagentur für Arbeit

„Die Rezession der deutschen Wirtschaft wirkt sich zunehmend auf den Arbeitsmarkt aus. Die Arbeitslosigkeit ist für einen April ungewöhnlich schwach zurückgegangen. Allerdings hat vor allem die starke Nutzung der Kurzarbeit die Beschäftigung und damit den Arbeitsmarkt insgesamt stabilisiert und Schlimmeres verhindert.“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-J. Weise.

Arbeitslosenzahl im April: -1.000 auf 3.585.000

    Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich: +171.000

      Arbeitslosenquote im April: -0,0 Prozentpunkte auf 8,6 Prozent

        Die Arbeitslosigkeit hat sich von März auf April um 1.000 auf 3.585.000 verringert (West: +21.000 auf 2.400.000; Ost: -22.000 auf 1.185.000). In den letzten beiden Jahren war die Arbeitslosigkeit im April im Zuge der Frühjahrsbelebung jeweils zurückgegangen.

        BA-Chef Weise: „Rettungsschirm“ für Arbeitnehmer ist Sache der Politik

        Frank-J. Weise, Bundesgentur für Arbeit
        Frank-J. Weise, Bundesgentur für Arbeit

        Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit widerspricht einem Bericht in der heutigen „Rheinischen Post“, er werde beim Konjunkturgipfel kommende Woche im Bundeskanzleramt Vorschläge zu weiteren Schutzmaßnahmen für Arbeitnehmer vorlegen.

        „Vorschläge zu weiteren Maßnahmen für den Schutz von Arbeitnehmern in Zeiten der Krise sind allein Sache der Politik“, sagte Weise. „Aufgabe des Vorstandes der BA ist es allein, die Folgen dieser Vorschläge zu berechnen und transparent zu machen und politische Entscheidungen umzusetzen.“