Kurzarbeit

ARBEITSMARKT: Deutschland arbeitet kurz

Holger Schäfer

Die Corona-Pandemie macht sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar, wie die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen. Die Arbeitslosigkeit steigt allerdings nur gering an. Stattdessen explodiert die Anzahl der Kurzarbeiter – und gibt einen Vorgeschmack darauf, was uns in den nächsten Wochen und Monaten erwartet, sollte der Lockdown andauern.

In den vergangenen zwei Monaten zeigten die Betriebe für über zehn Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeit an, darunter allein 7,5 Millionen im April. Das ist rund jeder dritte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland. Vor allem die Arbeitnehmer im Gastgewerbe, Handel, der Metall- und Elektro-Industrie und persönliche Dienstleister sind schwer betroffen (Schleiermacher/Stettes 2020)  …

Anstieg bei angezeigter Kurzarbeit flacht auf sehr hohem Niveau ab

• Gesamtsumme liegt stagniert weitgehend auf dem Niveau der Vorwoche
• Jeder dritte Betrieb hat Kurzarbeit angezeigt

Bis zum 20.04.2020 haben rund 718.000 Betriebe bei den Agenturen für Arbeit Kurzarbeit angemeldet. In den Arbeitsagenturen gehen weiterhin Anzeigen zur Kurzarbeit ein, die Kurve flacht aber deutlich ab. Die Daten basieren auf Sonderauswertungen der Bundesagentur für Arbeit und bilden nicht die amtliche Statistik ab.

Detlef Scheele

Zahl der Anzeigen steigt binnen einer Woche um weitere 12 Prozent – BA stockt Personal weiter auf

Bis zum 13.04.2020 haben rund 725.000 Betriebe bei den Agenturen für Arbeit Kurzarbeit angemeldet. Damit ist die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit planen, gegenüber der Vorwoche um knapp 12 Prozent gestiegen. Die Daten basieren auf Sonderauswertungen der Bundesagentur für Arbeit und bilden nicht die amtliche Statistik ab.

Die Anzeigen kommen aus nahezu allen Branchen. Schwerpunkte sind weiterhin der Einzelhandel und das Gastgewerbe. Für wie viele Personen insgesamt die Betriebe Kurzarbeit angemeldet haben, lässt sich anhand der Daten derzeit nicht ermitteln.

Food Service - Minnesota State Colleges and Universities

Immer mehr Betriebe melden Kurzarbeit an. Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffentlicht weitere Sonderauswertung

Bis zum 06. April 2020 haben rund 650.000 Betriebe bei den Agenturen für Arbeit Kurzarbeit angemeldet. Damit ist die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit planen, gegenüber dem letzten Vergleichswert von vor einer Woche nochmals um knapp 40 Prozent gestiegen. Bis zum 27. März 2020 waren im Zuge der Corona-Krise insgesamt Kurzarbeitsanzeigen von rund 470.000 Betrieben eingegangen.
Für wie viele Personen insgesamt die Betriebe Kurzarbeit angemeldet haben, lässt sich anhand der Daten derzeit nicht ermitteln. Die BA geht aber davon aus, dass die Zahl der Kurzarbeiter deutlich über dem Niveau der Wirtschafts- und Finanzkrise liegen wird. Damals haben in der Spitze bis zu 1,4 Millionen Beschäftigte kurzgearbeitet.

Kurzarbeit - Was Betroffene wissen sollten : LWK Niedersachsen

Repräsentative Umfrage: Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer*innen in Deutschland fürchtet Jobverlust

Die Coronavirus-Pandemie verunsichert viele Berufstätige, die sich in einem sicheren Angestelltenverhältnis wähnten. Das zeigt eine neue repräsentative Studie von Censuswide im Auftrag der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Glassdoor, in deren Rahmen vom 2. bis 3. April 2020 mehr als 1.000 Arbeitnehmer*innen in Deutschland befragt wurden.

Felix Altmann

Das sind die wichtigsten Umfrage-Ergebnisse im Überblick:

Arbeitnehmer*innen in Deutschland sorgen sich um die Sicherheit ihres Jobs

  • Eine Mehrheit der abhängig Beschäftigten zeigt sich angesichts der wirtschaftlichen Lage verunsichert. Während 52% der befragten Arbeitnehmer*innen Angst haben, entlassen zu werden, fühlen sich nur 26% sicher in ihrem aktuellen Job. Mehr als jeder fünfte Angestellte ist “sehr besorgt” hinsichtlich einer möglichen Arbeitslosigkeit.

Kurzarbeit: Vorsicht vor historischen Vergleichen

Holger Schäfer

Noch nie zeigten so viele Unternehmen Kurzarbeit an wie im März dieses Jahres. Die Corona-Krise dürfte damit den Arbeitsmarkt deutlich mehr belasten als die Finanz- und Wirtschaftskrise 2009. Allerdings gibt es auch Hoffnungsschimmer, zeigt eine aktuelle IW-Studie, die verschiedene Arbeitsmarkt-Indikatoren vergleicht.Die Bundesagentur für Arbeit hat vor einigen Tagen Rekordzahlen gemeldet: Noch nie haben so viele Betriebe in Deutschland Kurzarbeit angezeigt, also beantragt, dass sie Kurzarbeit in Anspruch nehmen müssen. Im März dieses Jahres meldeten sich rund 470.000 Betriebe bei der Agentur – rund 20mal mehr als im Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise im März 2009. Damals registrierte die Bundesagentur für Arbeit rund 22.900 Kurzarbeit-Anzeigen. Im Jahresdurchschnitt waren schließlich 1,1 Millionen Deutsche in Kurzarbeit.

Deutscher Arbeitsmarkt ist weiterhin robust

Arbeitsmarktkommentar von Dr. Annina Hering, Economist Indeed DACH

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist immer noch hoch: Die Zahl der Erwerbstätigen ist zum Oktober 2019 erneut gestiegen. Zwar gehen die neu gemeldeten Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit zurück – um hier allerdings eine verlässliche Schlussfolgerung ziehen zu können, müssen die Zahlen der IAB-Stellenerhebung abgewartet werden, die tatsächlich alle offenen Stellen in Deutschland umfassen, aber derzeit erst für das zweite Quartal 2019 vorliegen.

Dr. Annina Hering

Kurzarbeit: Von einer Krise weit entfernt

Holger Schäfer
Holger Schäfer

Von Holger Schäfer

Kurzarbeit ist ein wichtiger Indikator dafür, dass es nicht mehr so rund läuft, wie Unternehmen es sich wünschen. Kurzarbeit hilft aber auch dabei, dass sich Konjunkturkrisen nur bedingt auf den Arbeitsmarkt übertragen. Die aktuelle Konjunktureintrübung ist längst nicht so dramatisch wie vor zehn Jahren.

In den kommenden Monaten wollen Unternehmen wieder verstärkt auf Kurzarbeit zurückzugreifen, meldet die jüngste Konjunkturumfrage des ifo-Instituts. Von einem außergewöhnlich starken Anstieg der Kurzarbeit ist bisher allerdings nichts zu sehen: Für Juli rechnet die Bundesagentur für Arbeit mit rund 34.000 Kurzarbeitern, die aus konjunkturellen Gründen kürzertreten müssen. Das wären zwar fast dreimal so viele wie im Vorjahresmonat. Allerdings gab es 2015 und 2016 ähnlich viele Kurzarbeiter wie derzeit, in den Jahren davor waren es sogar deutlich mehr.

ifo Institut: Kurzarbeit konzentriert sich bislang auf acht Branchen

Die Kurzarbeit in der deutschen Industrie konzentriert sich bislang auf acht Branchen. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor. Besonders betroffen – mit einem Anteil von 30 Prozent – sind die Betriebe im Sonstigen Fahrzeugbau, also Hersteller von Schiffen, Zügen, Luft- und Raumfahrzeugen, Panzern und von Motor- und Fahrrädern.

In der Textilindustrie liegt der Anteil bei 25 Prozent der Firmen, bei Leder, Lederwaren und Schuhen bei 18 Prozent. Bei Metallerzeugung und -bearbeitung sind es 9 Prozent, im Maschinenbau 7 Prozent, bei Autos und Autoteilen 7 Prozent, bei Gummi- und Kunststoffwaren 6 Prozent, bei elektrischen Ausrüstungen 5 Prozent.

Timo Wollmershäuser

Realisierte Kurzarbeit sowie Anzeigen aktuell auf normalem Niveau

Raimund Becker, Bundesagentur für Arbeit

Konjunkturelle Kurzarbeit gibt es nicht nur im Wirtschaftsabschwung. Auch in wirtschaftlich guten Zeiten können einzelnen Unternehmen Aufträge vorübergehend wegbrechen. Wenn jedoch – so wie jetzt – die wirtschaftliche Dynamik nachlässt, lohnt es sich, die Entwicklungen bei der Kurzarbeit im Auge zu behalten. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat deshalb eine Broschüre aufgelegt, die künftig monatlich aktualisiert wird.