Zickenkrieg um die Frauenquote

von Gerhard Kenk

Die Diskussion um die Frauenquote für Führungskräfte nimmt bisweilen skurile Formen an, doch Politik und Unternehmen haben noch wichtigere Hausaufgaben zu lösen. Wann kommt die Männerquote für die KITA-Beschäftigten?

Kaum hatte Lisa Katharina Hug ihren Vortrag beim Recruiting Convent in Schloss Bensberg zum Thema Gender-Recruiting beendet und lächelte freundlich und erwartungsvoll in die grosse Runde der Teilnehmer, um Fragen zu beantworten, ging das direkte und persönliche Abwatschen vor versammeltem Publikum los.

Eine Teilnehmerin des Recruiting Convents nahm in ihrem ersten Statement kein Blatt vor den Mund – ein Total-Verriss zeichnete sich ab: „Ich fand Ihren Vortrag inhaltlich und sachlich überhaupt nicht angemessen“ und „Aufgrund Ihrer bisherigen kurzen Lebenserfahrung muss ich Ihnen jede Kompetenz zu diesem Thema absprechen.“

Hug blieb cool, argumentierte lächelnd und diplomatisch, aber die einmal vorgezeichnete Meinung blieb haften. Weitere Wortmeldungen bestätigten die Auffassung: Ohne Lebenserfahrung, ohne eine überzeugend dargestellte Work/Life-Balance mit Karriere und Kindern der Protagonistinnen sei in der Diskussion um die Frauenquote und das Gender-Recruiting kein Blumentopf zu gewinnen.

Nach einigen hitzigen Fragen und diplomatischen Antworten konnten die TeilnehmerInnen sich doch noch auf einen Nenner einigen: Wer die Frauenquote in den Führungsetagen der Unternehmen durchsetzen will, muss zuerst die Rahmenbedingungen hinsichtlich Kinderbetreuung oder flexible Arbeitszeiten verbessern. Für diese Forderung gab es sogar einvernehmlichen Beifall.

Friede, Freude, Eierkuchen?

Mitnichten. Denn das Thema Frauenquote für Führungskräfte wird von der Politik und den Medien mit einem Hype ohnegleichen verfolgt, als ob die Rettung des Abendlandes auf dem Spiel steht. Und die Vorstände der Dax-30-Konzerne stehen mit ihrer dilettantischen Verteidigungslinie schlecht da. Zu lange haben sie mitfür das &quot%3setzung der Frauenquotenregelung zögerlich abgewartet, einige haben noch eine Chuzpe an den Tag gelegt, die kaum verächtlicher wirken könnte.

Ankündigungsweltmeister ohne Fortune

Im Februar 2010 lehnte sich Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom, ganz weit aus dem Fenster und kündigte an, dass innerhalb von 5 Jahren die Frauenquote im Vorstand der Deutschen Telekom auf 15 Prozent gesteigert werden soll. Telekom-Boss Obermann sekundiert willig diese medienwirksame Forderung, sie war dem ZDF sogar eine ausführliche Meldung in der „heute- Nachrichtensendung“ wert. Bedauerlicherweise haben die Fernseh-Journalisten bei diesem Thema nicht mehr nachgehakt und erfragt, wieweit die Deutsche Telekom ihre selbst gesteckten Ziele mittlerweile umgesetzt hat. Nach mehr als 12 Monaten kann Sattelberger keinen Fortschritt melden, entweder versagen Deutschlands Headhunter bei der externen Besetzung eines weiblichen Vorstands oder die Telekom hat es in ihrer internen Personalentwicklung immer noch nicht geschafft, talentierte weibliche Führungskräfte so weit zu fördern, dass sie für einen Vorstandsposten in Frage kämen.

Thomas Sattelberger, Personalvorstand Deutsche Telekom
Thomas Sattelberger im ZDF-Interview für das "heute journal": 50% unserer Kunden sind Frauen. Wer kann diese Perspektiven besser vertreten und aufgreifen als Frauen im Management?

Frauenquote beim Autobauer: Die Nonchalance der blau-weißen Arithmetik

Harald Krüger Krüger studierte Maschinenbau in Deutschland und den USA und trat im April 1992 in die BMW AG ein. Zuletzt verantwortete er als Bereichsleiter die Produktionsstrategie, -steuerung und -planung. Davor leitete er unter anderem das Motorenwerk der BMW Group im britischen Hams Hall und nahm verschiedene Funktionen im Ressort Personal wahr.

Auch bei BMW nimmt man es mit der Arithmetik der Frauenquote für Führungskräfte nicht so ganz genau, wie Harald Krüger, Arbeitsdirektor und Vorstandsmitglied für Personal- und Sozialwesen in einem Interview mit Sven Astheimer von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung demonstrierte.

So schrieb die FAZ am 11.12.2010 im Aufmacher zum Interview: „Geht es nach Harald Krüger, wird der Münchner Autokonzern femininer. Der BMW-Personalchef will bis 2020 die Zahl der weiblichen Führungskräfte verdoppeln“. Im Interview wurde Krämer dann präziser: Wie viele Frauen gibt es bei BMW in den oberen Führungsetagen? „Auf der Ebene unterhalb des Vorstands hatte BMW vor zwei Jahren noch keine einzige Frau, mittlerweile sind es immerhin drei von weltweit ungefähr 60 Führungskräften.“

Und weiter führte Krüger aus: „Ich glaube, dass wir noch viele Talente im Unternehmen finden werden. Eine Quote auf der obersten Führungsebene kann ich rasch erfüllen, wenn ich schnell rekrutiere“.

Wer jetzt bei diesen Statements nachrechnet, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: von 60 Führungskräften sind derzeit drei weiblich, dieser Anteil soll in 10 Jahren verdoppelt werden, also von 3 auf 6 weibliche Führungskräfte. Das bedeutet die Einstellung bzw. Beförderung von 3 Frauen in 10 Jahren – oder alle 40 Monate eine einzige zusätzliche weibliche Führungskraft. Personalpolitische Ambitionen sehen eigentlich anders aus.

Wenn es aber um das Produkt- und Markenimage bei BMW geht, ist sich der blau-weisse Autobauer nicht zu schade, sich ein Gender-freundliches Image zuzulegen. So scheut BMW keinen Aufwand, um darzustellen, dass das Vorzeige-Modell Z1 von zwei Frauen entworfen wurden – der weibliche Touch soll die männliche Begierde zum Kauf der Macho-Maschine animierenl.

Sex sells:

Wenn Sie schon den menschlichen Körper als Inspiration genommen haben – wie erotisch ist das Automobildesign?

Juliane Blasi: Da gibt es auf jeden Fall eine erotische Komponente. Wenn man das Tonmodell entwickelt, hat man ja direkt an den Flächen des Autos zu tun – da streicht man schon mit der Hand drüber. Es gibt auch spezielle Folien, die wie lackiert wirken und die man über das Modell legt. Das hat auf jeden Fall etwas Sinnliches.

(Aus einem Interview mit Der Stern)

 

Juliane Blasi: Frauenpower beim Design der Macho-Maschine

Frauenquote braucht ein Fundament

In einem Brief an die Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb Peter Herrmann aus Stuttgart (FAZ vom 5.2.2011):

„Bei der Lektüre von „Ministerin Schröder bereitet ein Gesetz für die Frauenquote vor“ und „Auf ein Espresso“ (F.A.Z.-Wirtschaftsteil vom 29. Januar) staunt man, wie die schwarzen Damen der Koalition den „Gendermainstream“ instrumentalisieren und die „Emma“-Erfinderin Schwarzer links überholen wollen. Dabei stieß doch gerade erste beim CSU-Parteitag die Quotenregelung durch couragierte Frauen auf Ablehnung. Viel wichtiger wäre es für die Ministerin Schröder, sich um dringendere Probleme zu kümmern, zum Beispiel echte Familienpolitik im Hinblick auf die alleinerziehende Mütter (manchmal auch Väter) zu betrieben.

Das vielbeschriebene Elend der Alleinerziehenden mit Armut, Hartz IV, sozialem Elend sowie Kindern ohne elterliche Nestwärme wäre dazu genug Anlass. Im Familienministerium gibt es offensichtlich keine Anstrengungen, die Ursachen, Strukturen und Folgen der alleinerziehenden Elternteile zu analysieren. Obwohl dies dringend notwendig wäre, weil intakte Elternbeziehungen eine wichtige Voraussetzung für schulische Erfolge der Kinder sind.

Nachfragen bei Referaten sowie in der Bibliothek des Ministeriums ergaben, dass im Ministerium keine verwertbaren Konzepte vorliegen. Auch die verschiedenen „Opferverbände“ der Alleinerziehenden haben die Verursachung ihrer Situation anscheinend nicht im Fokus. Auch hier ist das Ministerium gefordert.“

Populismus pur: Agenda-Setting mit der Frauenquote?

Die Äusserungen von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen im Spiegel-Interview vom 31.1.2011 offenbaren, wie opportunistisch-populistisch mit Priorität und Timing der  Frauenquote für Führungskräfte umgegangen wird.

Spiegel: Frau von der Leyen, Sie habe sich vor kurzem erstmals entschlossen für eine Frauenquote ausgesprochen. Warum erst jetzt? Sie hätten das doch auch schon als Familienministerin tun können.

Ursula von der Leyen
Ursula von der Leyen

Von der Leyen: Weil die Zeit reif ist und weil ich vor fünf Jahrennoch zu vertrauensselig war. Seit zehn Jahren gibt es eine freiwillige Vereinbarung mit der Privatwirtschaft. Darauf habe ich anfangs gebaut. Die Vereinbarung ist krachend gescheitert, für die Frauen hat sich kaum was bewegt. Wir haben heute wie damals eine faktische Männerquote von 97 Prozent in den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen. Was die Frauenpräsenz in Führungspositionen der deutschen Wirtschaft angeht, sind wir unter den Schlusslichtern im internationalen Vergleich, auf Augenhöhe mit Indien, hinter Brasilien, China oder Russland. Wir steuern auf einen dramatischen Fachkräftemangel zu. Als Arbeitsministerin weiß ich, dass wir es uns nicht länger erlauben können, die Hälfte unserer Talente zu ignorieren.

 

Viele Chefredakteure der Medien haben das Thema Frauenquote mittlerweile lieb gewonnen – es wird kontrovers diskutiert und eignet sich hervorragend für eine Titel-Story, wie sogar der SPIEGEL am 31.1.2011 demonstrierte und titelte: „Warum Deutschland die Frauen-Quote braucht“.

Eigentlich sollte die Priorität der Frauenquote durch eine etwas andere Fragestellung geklärt werden: „Weshalb ist die Frauenquote das wichtigste sozialpolitische Thema in Deutschland?“ – Wenn die Politik bei ihrem Agenda-Setting sich zu dieser Entscheidung durchgerungen hat, sollte man eigentlich davon ausgehen können, dass alle anderen sozialpolitischen Prioritäten sauber abgearbeitet sind. Die Realität sieht jedoch ernüchternd aus.

Zuviele Baustellen

In zermürbenden Prozessen haben Regierung und Gesetzgeber bewiesen, dass handwerkliche Unzulänglichkeiten in vielen sozialen Bereichen zu erheblichen Irritationen der Betroffenen führte. Gleichzeitig haben die politisch Verantwortlichen den Luxus der Bequemlichkeit demonstriert, sich über die rasche und nachhaltige Lösung dieser Verwerfungen zu kümmern. Die Debatte über die Transparenz und Angemessenheit der Hartz-IV-Regelsätze steht exemplarisch für diese Haltung. Und noch sind diese Baustellen nicht nachhaltig geschlossen – schon strebt man vorwärts, um mit dem Thema „Frauenquote“ die nächste Baustelle aufzumachen.

  • Das Hartz-IV-Regelwerk ist löchrig wie ein Schweizer Käse und weist so viele handwerkliche Fehler, mangelnde Definitionen und kontroverse Interpretationsmöglichkeiten auf, dass die Sozialgerichte der Republik von einem Tsunami der Hartz-IV-Klagen überrollt werden
  • Die Polit-Posse um die Neuregelung der Hartz-IV-Regelsätze zog sich nach dem Urteilsspruch der Bundesrichter ungebührlich lange hin – taktische Parteipolitik wurde auf dem Rücken der Arbeitslosen ausgetragen
  • Die organisatorische Regelung der Arbeitsvermittlung und das Zusammenwirken von Job-Centern und den Options-Kommunen scheint nur noch mit einer Änderung des Grundgesetztes möglich zu sein
Alle 13 Minuten eine Hartz-IV Klage (BZ Berlin)

Baustelle: Corporate Social Responsibility

Wer die jüngste Diskussion um die Frauenquote für Führungsrkäfte in den Deutschen Konzernen verfolgt, erkennt bald, dass bei der Personalpolitik nach Gleichstellungsprinzipien das  Gender-Mainstreaming nur ein Aspekt unter mehreren einer sozial-verantwortlichen Personalpoltik darstellt.

Der Begriff Gender-Mainstreaming oder Gleichstellungspolitik bezeichnet den Versuch, die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen. Der Begriff wurde erstmals 1985 auf der 3. UN-Weltfrauenkonferenz in Nairobi diskutiert und zehn Jahre später auf der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking propagiert. Bekannt wurde Gender-Mainstreaming insbesondere dadurch, dass der Amsterdamer Vertrag 1997/1999 das Konzept zum offiziellen Ziel der Gleichstellungspolitik der Europäischen Union machte.

Gender-Mainstreaming unterscheidet sich von expliziter Frauenpolitik dadurch, dass beide Geschlechter gleichermaßen in die Konzeptgestaltung einbezogen werden sollen. Das Ziel wird in Deutschland von weiten Teilen des politischen Spektrums anerkannt. (Wikipedia)

Die Forderung nach einer Frauenquote für Führungskräfte stellt eindimensional das Geschlecht der Mitarbeiter bzw. die Gleichstellung nach diesem Kriterium in den Mittelpunkt – und diese Forderung richtet sich letztlich an die Personalpolitik der Unternehmen, Differenzierungen zu Gunsten von Gleichstellungen abzuschaffen. Das Geschlecht ist ein wichtiges Gleichstellungsmerkmal, aber nicht das einzige. Zusätzlich sollte im Rahmen der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen auch die Aspekte der Geschlechter-Gleichstellung bei der Vergütung (Gender Pay Gap), der demografische Wandel und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Altersstruktur und die Diversity-Personalpolitik betrachtet werden.

Hieraus ergibt sich ein Bündel von Handlungsnotwendigkeiten, die die HR-Politik der Unternehmen nachhaltig beeinflussen wird – denn es ist noch ein weiter Weg zurückzulegen. So legt  beispielsweise der Personalbericht der Deutschen Telekom offen, daß es in Bezug auf die Altersstruktur der Beschäftigten durchaus eine Diskriminierung älterer Beschäftigten gibt. Die Altersgruppe der Mitarbeiter zwischen 56 und 65 Jahren repräsentieren lediglich 6% der Belegschaft – und im Personalbericht wird direkt unterhalb der Altersstruktur das hohe Lied der Belegschaftsverjüngung statistisch angestimmt. Eine alters-adäquate Beschäftigungsstruktur – so ist zu vermuten – ist out, gefragt sind jüngere Mitarbeiter. Dabei kommen auf die Beschäftigten und Unternehmen die Konsequenzen des demografischen Wandels unaufhaltbar zu.

Dies zeigen die Ergebnisse der 10. und 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung ganz deutlich: der Bevölkerungsanteil in der Altersgruppe der 60jährigen und älter betrug im Jahr 1960 noch 12.7 Millionen Menschen, 2005 waren es schon 20.5 Millionen und für 2050 werden 28.7 Millionen prognostitiert. Rente mit 67 bedeutet im Umkehrschluss auch eine Erwerbstätigkeit bis 67 – und die Altersstrukturen einiger Konzerne zeichnen ein umgekehrtes Bild.

Quelle: Statistisches Bundesamt

 

Kommt nach der Frauenquote für Führungskräfte die Männerquote für Kindertagesstätten?

Kristina Schröder

In Kindertageseinrichtungen lernen Mädchen und Jungen für ihr eigenes Leben. Erzieherinnen und Erzieher dienen ihnen als Vorbild. „Wenn ich groß bin, will ich werden wie …“ Aber Kindertagesstätten bieten fast nur weibliche Vorbilder, denn hier arbeiten überwiegend Frauen; nicht nur in Deutschland. Warum eigentlich? Muss das so bleiben? Diesen Fragen geht die vorliegende Untersuchung – die erster ihrer Art in diesem Umfang – nach und gibt aufschlussreiche Antworten.

Was mich freut: Männer als Erzieher sind in Kindertagesstätten äußerst erwünscht, nicht nur bei den pädagogischen „Profis“, sondern ebenfalls in hohem Maße bei den Eltern. Wenn Männer in Kitas präsent sind, wird das von allen Seiten sehr begrüßt. Sie werden als Bereicherung für die Einrichtungen wahrgenommen.

Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in dem Vorwort  der Studie: „Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten. Eine Studie zur Situation von Männern in Kindertagesstätten und in der Ausbildung zum Erzieher“

Cui Bono – wem nützt die Diskussion um die Frauenquote?

Wenn sich der Nebel in der kontrovers und teilweise populistisch geführten Diskussion um die Frauenquote etwas lichten würde, käme die unterschiedlichen Interessenlage der Beteiligten klarer ins Blickfeld. Die für Justiz zuständige EU-Kommissarin Vivian Reding ist die europaweite Durchsetzung einer gesetzlichen Frauenquote eine willkommene Gelegenheit, sich mit den Forderungen in Verbindung mit der Androhung von gesetzlichen Regelungen medienwirksam ins Bild zu setzen. Natürlich gilt es auch für Arbeitsministerin Ursula von der Leyen oder Familienministerin Kristina Schröder. Ebenfalls kraft Amt müssen  sich Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Petra Ledendekcer, Präsidenten Verband deutscher Unternehmerinnen , Anke Domscheit-Berger von der Initiative für mehr Frauen in Aufsichtsräten oder Maria Böhmer, Vorsitzende der Frauenunion sich für dieses Thema stark machen. In exponierter Stellung formulieren sie ihre Forderungen, die Umsetzung und Lieferpflicht obliegt der „Gegenseite“, den Unternehmen.

Etwas weniger stark macht sich Familienministerin Kristina Schröder für das ähnlich gelagerte Thema der Männerquote für die Kita-Betreiber. Dies wird von den Chefredakteuren der Medien nicht so wahrgenommen und Schröder könnte Gefahr laufen, in einer Diskussion darüber auch die Schwachstellen und Mißstände der Kinderbetreuung vorgehalten zu bekommen – denn dafür ist sie ja letztlich als Bundesministerin verantwortlich. Und die „Gegenseite“ setzt sich ja aus öffentlich-rechtlich oder gemeinnützig-religiösen Organisationen zusammen, die es seit jeher schwierig haben, qualifizierte Fachkräfte bei angemessener Bezahlung zu gewinnen. Ohne eine gehörige Portion Idealismus geht in diesem Bereich ganz wenig.

Mauerblümchen der öffentlichen Diskussion oder Social Hype Indikatoren

Deutschlands Zitate-Titan Goethe musste sich noch auf die Wirkung des gesprochenen Wortes verlassen, als Mephisto in Faust deklamierte „Mit Worten lässt sich trefflich streiten, Mit Worten ein System bereiten, An Worte lässt sich trefflich glauben, Von einem Wort lässt sich kein Jota rauben. “ Doch damals wie heute kommt es auf die Relevanz der Worte an. Dank Web 2.0 sind nun quantitative Messungen des Social Hype möglich. Ausgangspunkt ist die Suchmaschine „Google“, wo die Häufigkeit der Treffer der Begriffe „Frauenquote“, „Hartz IV“ und „demografischer Wandel“ im Zeitverlauf gemessen wurden. Die so ermittelten Treffer des letzten Jahres, des letzten Monats, der letzten Woche und der letzten 24 Stunden wurden per Stichprobe am 2.4.2011 ermittelt und zu Vergleichszwecken auf jeweils eine durchschnittliche Zeitperiode von 24 Stunden bzw. einem Tag umgerechnet.

 

Social Hype Indikatoren für die Begriffe Hartz IV, Frauenquote, demografischer Wandel Quelle Google, Grafik Crosswater Job guide
Social Hype Indikatoren. Quelle Google, Grafik Crosswater Job guide

 

Der wahrscheinlich wichtigste und langfristige Trend für die weitere Entwicklung der Bevölkerung, der Erwerbstätigen und der sozialen Transfersysteme ist der „demografische Wandel“. Dieser Begriff fristet einen bescheidenen Zustand als Mauerblümchen des Sozialen Hypes. Wichtiger hingegen – glaubt man der reinen quantitativen Trefferquote – erscheint hingegen die Erwähnung des Begriffs „Hartz IV“, der stellvertretend für die gesamte Diskussion um Arbeitslosigkeit, Unterstützungszahlen und soziale Gerechtigkeit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe repräsentiert. Aktuell erscheint der „Darling der Medien“, das Thema Frauenquote, nur einen mittleren Stellenwert zu erzielen.

 

Und so bleibt dem Betrachter nur noch der Blick auf das Medientheater und die Erkenntnis, dass die Politik lieber neue populistische Baustellen aufmacht als mit Akribie und Hingebung wichtige Baustellen der sozialen Gerechtigkeit – wenn es sie denn überhaupt geben kann – zu schliessen.

Weiterführende Links:

Recruiting Convent

Frauenquote für Führungskräfte: Die Einsamkeit des Personalchefs Thomas S.

Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten

Mehr Frauen in die oberen Führungsetagen

Interview Stern.de „Frauen formen Männertraum“

Spiegel Studie: Ökonomen beklagen miese Frauenquote in Top-Positionen

Bevölkerungsentwicklung Deutschland. Eine interaktive Spiegel-Grafik

Frauen in Vorständen der 200 größten Unternehmen (2010) Unternehmen*

  • E.on Regine Stachelhaus
  • Siemens Brigitte Ederer, Barbara Kux
  • Opel Rita Forst, Susanna Webber
  • SAP Dr. Angelika Dammann
  • Vodafone Dr. Susan Hennersdorf
  • Volkswagen Leasing Dr. Heidrun Zirfas
  • Schlecker Christa Schlecker, Meike Schlecker
  • DB Regio Dr. Bettina Volkens
  • Sandoz International Isabell Remus (Vorsitz), Susanne Faust
  • dm-Drogerie Markt Petra Schäfer
  • Fujitsu Technology Sabine Schweiger
  • OMV Ana-Barbara Kuncic, Hannelore Scheidt
  • IBM Deutschland Martina Koederitz
  • Telefónica O2 Andrea Folgueiras Havi
  • Global Logistics Eva-Daniela Menzky
  • Nestlé Deutschland Elke Strathmann
  • Ikea Deutschland Petra Hesser (Vorsitz), Zuzana Poláková, Claudia Willvonseder
  • Citiworks Stephanie Möller
  • Air Berlin Elke Schütt
  • Douglas Anke Giesen
  • Tchibo Wioletta Rosolowska
  • Rossmann Alice Schardt-Roßmann

Quelle: DIW
* Nicht aufgeführte Unternehmen haben keine Frau im Vorstand.

 

3 Kommentare zu „Zickenkrieg um die Frauenquote“

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