Markt oder Alter: Was hat mehr Einfluss auf Freelancer-Honorare?

Die Stundensätze von vier Modell-Selbstständigen im Zeitverlauf

(Oktober 2012)

 Inhalt dieses Artikels:

Der heute 35-jährige Selbstständige | Der heute 45-jährige Selbstständige | Der heute 55-jährige Selbstständige | Der heute 65-jährige Selbstständige

IT-Freiberufler zwischen 40 und 55 Jahren fordern derzeit im Schnitt die höchsten Honorare (76 Euro) – mehr als ihre jüngeren und ihre älteren Kollegen. Die Stundensätze von Freelancern verändern sich also mit deren Alter und mit steigender Erfahrung. Doch gleichzeitig wandelt sich das geforderte Honorar auch mit der Marktsituation im Lauf der Jahre. Freelancer mit 45 fordern heute durchschnittlich 77 Euro und damit zum Beispiel nur einen Euro mehr als diese Altersgruppe vor zehn Jahren forderte, aber sieben Euro mehr als Gleichaltrige vor fünf Jahren. Wie wirkt sich der Einfluss der Zeit, der Marktentwicklung, des Alters und der Erfahrung also im Konkreten auf die Honorare von IT-Freelancern aus? Wir haben uns vier verschieden alte Modell-Freelancer angesehen – sie sind heute 35, 45, 55 und 65 Jahre alt. Wie stand es im August 2012, im August 2007 und im August 2002 um ihre Honorarforderungen?

Grundlage der halbjährlich durchgeführten GULP Stundensatz-Auswertung bilden die Stundensatzforderungen, die die mehr als 80.000 in die GULP Profiledatenbank eingetragenen IT-/Engineering-Freiberufler in ihrem Profil angeben. Die Auswertung greift somit auf die Profile von über 90 Prozent der in Deutschland tätigen IT-Freiberufler zurück (Berechnung basierend auf Mikrozensus 2010, Stat. Bundesamt, Wiesbaden).

Für alle folgenden Werte gilt: Sie bilden einen Durchschnitt ab – der auf einer guten und aussagekräftigen Datenbasis fußt, aber nicht für alle Selbstständigen gleichermaßen gilt. Natürlich werden manche über und manche unter dem Durchschnittswert liegen – aber eine Entwicklung wird aus den Mittelwerten sehr gut ersichtlich.

Die Auswertungen basieren außerdem auf den aktuellen Honorarforderungen, die IT-/Engineering-Freelancer in ihr GULP Profil eingetragen haben und die natürlich im ersten Schritt nur der Ausgangspunkt für Verhandlungen mit dem Projektanbieter sind. Dass die Wahrscheinlichkeit derzeit groß ist, dass Selbstständige ihre Forderungen in den Projektverhandlungen auch erfüllt bekommen, erläutert die Stundensatz-Auswertung unter den Punkt „Verhandelte Stundensätze“. Mehr zur Auswertung und zur Datenbasis lesen Sie hier unter dem Punkt „Methodik“.

Der heute 35-jährige Selbstständige

Der heute 35-jährige IT-Selbstständige

Bei dem heute 35-Jährigen IT-Selbstständigen ist es eindeutig: Der Einfluss des Alters auf das Honorar ist zwischen 25 und 35 Jahren so groß, dass seine Stundensatzforderung seit 2002 stetig gestiegen ist. Damals, mit 25, verlangte er im Schnitt 64 Euro – und wurde sogar durchschnittlich zu einem zwei Euro höheren Stundensatz kontaktiert. Im Jahr 2007, mit 30, hatte er seine Forderung gerade mal um einen Euro angehoben – aber mit 35 sieht die Sache anders aus: Erstens profitiert der 35-Jährige von dem deutlichen Honorarunterschied, der zwischen den Unter-35-Jährigen und den Freiberuflern ab 35 besteht.

Zweitens kommt hier natürlich das derzeitige Allzeithoch ins Spiel: Der durchschnittliche geforderte Stundensatz der bei GULP eingetragenen Selbstständigen lag im August 2012 bei 74 Euro und damit so hoch wie nie zuvor seit 1998. Für heute 35-jährige Selbstständige ist 2012 stundensatztechnisch definitiv das beste Jahr in ihrer Karriere – bislang. Denn wer weiß, was noch kommt? Das Stundensatz-Maximum erreichen Selbstständige im Schnitt mit 50 bis 54 Jahren. Wenn der Markt sich gut entwickelt, ist also noch Luft nach oben.

Der heute 45-jährige Selbstständige

Der heute 45-jährige IT-Selbstständige

Nicht mehr ganz so eindeutig sieht es aus bei dem heute 45-jährigen IT-Selbstständigen. Vor zehn Jahren lag seine Forderung bei 75 Euro, dann sank sie 2002 auf 72 Euro ab, um auf aktuell 77 Euro anzusteigen. Seine Honorarforderung ist in den letzten zehn Jahren gestiegen, auch er ist gut im Geschäft. Doch der Anstieg fiel nicht so stark aus, wie es zu erwarten gewesen wäre.

Denn in der Regel verändern sich die Honorare zwischen 35 und 45 Jahren doch stark – und zwar zum Positiven. Die Stundensatz-Auswertung von August 2012 zeigt: IT-/Engineering-Spezialisten mit 35 fordern im Schnitt 73 Euro pro Stunde, während zehn Jahre ältere Freelancer mit ihrer Forderung um vier Euro höher liegen (77 Euro wie der Modell-Freelancer).

Eigentlich hätten die Stundensatzforderungen des heute 45-Jährigen also fast ebenso deutlich steigen sollen wie die seines oben erwähnten, zehn Jahre jüngeren Kollegen. Doch scheinbar hatte die Marktsituation einen starken Einfluss auf die Honorare seiner Altersgruppe, denn in etwa folgt seine Honorarentwicklung der des Durchschnitts:

Durchschnittliche Stundensatzforderung der IT-/Engineering-Freiberufler in Deutschland

Alle bei GULP eingetragenen IT-/Engineering-Spezialisten forderten im August 2002 einen durchschnittlichen Stundensatz von 72 Euro. Das durchschnittliche Honorar sank in den folgenden Jahren bis auf 64 Euro ab – um im August 2007 immerhin wieder 70 Euro und schließlich, im August 2012, 74 Euro zu erreichen. Sollte sich diese positive Entwicklung weiter fortsetzen, stehen für den heute 45-Jährigen die Chancen äußerst gut, dass er sein Honorar in den nächsten zehn Jahren noch weiter steigern kann.

Der heute 55-jährige Selbstständige

Der heute 55-jährige IT-Selbstständige

Auch die Stundensatzforderungen des heute 55-jährigen IT-/Engineering-Spezialisten zollen der allgemeinen Honorarentwicklung ihren Tribut. Doch nicht nur dieser, denn hier spielt nun auch das Alter eine Rolle: Forderte er im Jahr 2002 noch 76 Euro, waren es 2007 nur noch 71 Euro – aber im Jahr 2012 immerhin wieder 74 Euro. Das war zu erwarten – denn zwischen 45 und 55 Jahren sinken die Honorarforderungen im Schnitt:

Diese Grafik ist aus der GULP Stundensatz-Auswertung übernommen. Diese Grafik ist aus der GULP Stundensatz-Auswertung übernommen.

Im August 2012 waren die Selbstständigen mit 45 Jahren am Stundensatz-Maximum (Forderung: 77 Euro) – und die zehn Jahre älteren verlangten 74 Euro und damit drei Euro weniger.

Nach dieser Verteilung zu urteilen, müsste der durchschnittliche heute 55-jährige Selbstständige bereits an seinem Maximum angekommen sein. Er wird sein Honorar-Level in den nächsten Jahren vielleicht nicht mehr weiter steigern, aber dennoch halten können, wenn der Markt mitmacht.

Der heute 65-jährige Selbstständige

Der heute 65-jährige IT-Selbstständige

Wo es bei dem heute 35-Jährigen nach oben ging, ging es bei dem 65-jährigen Freelancer nach unten. Mit 55 Jahren, im Jahr 2002, hatte er durchschnittlich eine Honorarforderung von 77 Euro in sein GULP Profil eingetragen. Auf diese Höhe kam er in den Folgejahren nicht mehr: 2007 forderte er 69 Euro und aktuell sind es nur noch 65 Euro.

Diese Entwicklung war bis zu einem gewissen Grade vorhersehbar, aber nicht in diesem Maße. Zusätzlich bleibt sie unverständlich: Was externe IT-/Engineering-Spezialisten in Unternehmen mitbringen, ist vor allem Erfahrung, Know-how aus früheren Projekten und Fachwissen. Und es liegt auf der Hand, dass diese Dinge im Laufe eines Berufslebens immer mehr werden – und nicht weniger. Projektanbieter sind aktuell bereit, im Schnitt einen Euro mehr zu bezahlen als die Freelancer fordern – anscheinend wissen einige Unternehmen Erfahrung und Know-how durchaus zu schätzen.

Die vollständige GULP Stundensatz-Auswertung mit den Honoraren je nach Alter, Wohnort, Berufserfahrung und Position finden Sie hier:
http://www.gulp.de/kb/st/stdsaetze/sstext.html

Über GULP:
Mehr als 3.000 Kunden, 80.000 eingetragene IT-Experten, davon 11.500 mit Schwerpunkt Engineering, und über 1.100.000 abgewickelte Projektanfragen: GULP ist die wichtigste Quelle für die Besetzung von IT-/Engineering-Projekten mit externen Spezialisten im deutschsprachigen Raum. Als Internet-Jobbörse für Freiberufler ist GULP im Jahr 1996 gestartet. Heute bietet GULP zusätzlich zu den Dienstleistungen einer modernen Personalagentur ein umfassendes Online-Portal mit Informationen und Services für die Teilnehmer im Markt. Das in München ansässige Unternehmen erzielte 2011 einen Umsatz von 208,6 Millionen Euro und beschäftigt in der Zentrale und an den Standorten Frankfurt, Hamburg, Köln, Stuttgart und Zürich derzeit über 180 interne Mitarbeiter.

 

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