Fingerhakln: XING gegen LinkedIn

Kräftemessen wie beim Fingerhakln: Wer ist Xing, wer ist LinkedIn?

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide

Beim urbayerischen Fingerhakln gehen die Kontrahenten mit Konzentration und kompletten Kräften aufeinander los, um den jeweiligen Gegner sprichwörtlich „über den Tisch“ zu ziehen. Der Wettbewerb um die Führungsposition bei den Business Netzwerken in Deutschland spielt sich zwischen XING aus Hamburg und LinkedIn aus Mountain View in Kalifornien ab – verkörpert durch die Protagonisten Dr. Thomas Vollmoeller und Reid Hoffmann. Weltweit ist LinkedIn das größte Business Netzwerk, doch in Deutschland gilt XING als Platzhirsch – noch. Die Signale des Kräftemessens lassen sich an den Aktienkursen der beiden börsennotierten Gesellschaften ablesen – entscheidend wird jedoch die Wechselbereitschaft der Mitglieder sein.

 

Thomas Vollmoeller

Die Angebote der beiden Business Netzwerke überlappen sich in vielen Aspekten, in einem verfolgen sie allerdings das gleiche Ziel: Recruiting-Dienstleistungen rund um die Mitgliedsprofile gelten als Cash Cow – doch die Mitglieder mögen keine doppelten Profile und lassen sich am liebsten nur von einem Business Netzwerk melken. Vor kurzem nahm der Börsenkurs von XING Fahrt auf – schon waren die Blicke aller Börsianer auf die Kristallkugel gerichtet: Ein Übernahme-Versuch von LinkedIn sollte hinter der Kursrallye stecken.

 

Aktiencheck.de berichtete am 12.6.2013: „Ein Grund für das gewaltige Kursplus könnten die immer mal wieder kursierenden Übernahmegerüchte sein. Marktbeobachter erwarten seit langem einen Einstieg des Weltmarktführers im Bereich Business-Netwerke LinkedIn bei dem deutschen Wettbewerber.

Entwicklung des XING-Aktienkurses in den letzten 12 Monaten. (Quelle: Onvista.de)

 

Noch am 12.6.2013 kommentierte 4investors.de den XING-Aktienkursverlauf so:

XING-Aktie: Die Luft scheint vorerst raus

12.06.2013 (www.4investors.de) – Nach der jüngsten Atem beraubende Kursrallye der XING-Aktie verzeichnet das Papier heute Gewinnmitnahmen. Nach einem schwachen Handelsstart und einem Tagestief bei 54,08 Euro hat sich der Titel zwar bis auf 56,80 Euro erholt, kommt damit aber nicht über das gestrige Verlaufshoch bei 57,14 Euro hinaus. In der Folge bröckelt der XING-Aktienkurs ab, liegt gegen 13;47 Uhr bei 55,20 Euro spürbar unter dem Tageshoch.

Die Luft scheint zumindest im heutigen Handel raus, nachdem der TecDAX-notierte Internettitel seit Ende April von 38,60 Euro auf 57,14 Euro gesprungen ist. Vor allem in den vergangenen Tagen ging es ungebremst und steil nach oben, noch am 30 Mai wurden für einen XING-Anteilsschein 44,23 Euro bezahlt. Die überhitzte Lage provoziert weitere Gewinnmitnahmen, wenn der Schwung aus dem Internetpapier endgültig weicht, dann wären auch Tests der gerade erst überwundenen Widerstandsmarken unter anderem um 52,00/52,40 Euro und darunter möglich.

 

Reid Hoffmann auf dem Forbes-Titelblatt. (Quelle: Forbes)

Allerdings halten sich bei LinkedIn Licht und Schatten die Wage und neue potentielle Wettbewerber stehen in den USA schon in den Startlöchern. So kommentierte Robert Vossen auf dem Blog basicthinking.de die Wettbewerbssituation:

„Bei einer Investoren-Präsentationgab Lex Fenwick, Herausgeber des “Wall Street Journals”, bekannt, dass der Mutterkonzern News Corp. an einem entsprechenden Netzwerk namens WSJ Profile arbeite. Man wolle “gleichgesinnte Menschen” ansprechen und dem Leser ermöglichen, in der “Sharing-Welt” teilzunehmen. Natürlich kann man sich mit einer kleinen Biographie vorstellen – quasi wer bin ich und was mache ich hier – mit anderen Netzwerkteilnehmern kommunizieren und eigene Blog-Posts oder Forschungsergebnisse veröffentlichen.

Da das WSJ natürlich überwiegend Geschäftsleute und Manager anspricht, ist offensichtlich worauf es hinauslaufen soll: Man möchte das amerikanische Business-Netzwerk LinkedIn herausfordern, das es inzwischen auch in Deutschland gibt. Allerdings liegt man mit seinen 3,3 Millionen Mitgliedern hierzulande noch hinter Xing mit 6,1 Millionen Usern – weltweit ist man mit 216 Millionen Nutzern aber deutlich außerhalb von Xings Reichweite.“

Der US-amerikanische Anlageberater „Motley Fool“ nahm sich die Situation von LinkedIn näher unter die Lupe. Pam Peerce-Landers and John Reeves stellten die Stärken und Schwächen von LinkedIn gegenüber, aufmerksamkeitswirksam als Bull vs Bear Case beschrieben.

The company currently has more than 225 million registered members, and it’s been able to grow sales at an annualized rate of 95% over the past two years. Investors who were lucky enough to buy shares at the IPO price of $45 have now seen gains of 306%. And the stock is up 59% already in 2013. Clearly, LinkedIn is on fire.

All that glitters may not be gold, however. Growth rates for LinkedIn are slowing, and there are legitimate concerns about the online engagement of all those members. Even the company itself admits that a substantial majority of its members do not visit its website on a monthly basis.

In den Mittelpunkt ihrer Analyse stellen Peerce-Landers und Reeves eine prägnante Gegenüberstellung der Stärken (Bull) und Schwächen (Bear) dar – diese Analyse dürfte auch in Hamburg auf den XING-Vorstandsetagen aufmerksam studiert werden.

 

Zwar ist der Wettbewerb um die Dominanz unter Deutschlands Business Netzwerken noch lange nicht entschieden – das letzte Wort dürften die Mitglieder der beiden Netzwerke haben, und diese stimmen mit ihren Füssen bzw. mit ihrem Login ab. Auch Politiker zeigen schon klare Kante. US-Präsident präsentiert sich ganz cool auf einer LinkedIn-Veranstaltung, während Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem Statement „Das Internet ist für uns alle noch #Neuland“ zwar Stirnrunzeln erntet, zumindest sorgt sie jedoch für einen Beschäftigungsschub bei den Satire-Publikationen.

Präsident Obama bei LinkedIn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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