Internationaler Handel: Freihandelsabkommen zwischen Japan und EU fördert Produktivität

Dr. Erdal Yalcin
Dr. Erdal Yalcin

München – Im März 2013 haben die Europäische Union und Japan Verhandlungen über ein bilaterales Freihandelsabkommen begonnen. Wissenschaftler des ifo Instituts untersuchten nun im Rahmen der Studie „Ökonomische Effekte eines Freihandelsabkommens zwischen Japan und der EU“ die wirtschaftlichen Resultate eines solchen Vertragswerkes. Das Ergebnis: Zwar gäbe es in beiden Regionen nur geringe Effekte auf dem Arbeitsmarkt, aber die Handelspartner würden von deutlichen Wohlfahrtsgewinnen profitieren. Die bloße Abschaffung von Zöllen brächte hingegen nur mäßigen Aufwind für die Wirtschaft.

Japan befindet sich seit zwei Jahrzehnten in einer Deflationsspirale. Als ein Baustein zur Überwindung der Krise wird der Abschluss eines Freihandelsabkommens mit der EU gesehen. Die Gespräche darüber stehen völlig im Schatten der Diskussion über das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU obwohl die EU und Japan gemeinsam ca. 45% des weltweiten Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften und an 25% der globalen Handelsaktivitäten beteiligt sind. Beide Vertragspartner haben einen vergleichbaren Entwicklungsstand und sind über Investitionen und Handel eng miteinander verbunden. „Japan ist der sechstgrößte Abnehmer europäischer Produkte, und umgekehrt ist die EU der drittbedeutendste ausländische Absatzmarkt für Japan. Daher sind bilaterale Handelsbeziehungen für beide Parteien sehr wichtig“, sagt Erdal Yalcin, Stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Außenhandel.

Um die Effekte eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Japan auf Handel, Arbeitsmarkt und Wohlstand bemessen zu können, untersuchte Yalcin die Auswirkungen einer reinen Zollsenkung und verglich diese mit den Folgen einer umfassenden Liberalisierung, die neben einer Abschaffung von Zöllen auch eine Senkung von nicht-tarifären Barrieren (NTB) miteinschließt.

Insbesondere BIP-Wachstum und Anstieg der Produktivität möglich

Bei einer umfassenden Liberalisierung würden die Exporte der EU um 4,17% und die Ausfuhren Japans sogar um 10,78% steigen – in absoluten Zahlen gerechnet bedeutet dies ein zusätzliches Exportvolumen für beide Regionen in Höhe von 75 Milliarden US-Dollar. Das ist deutlich mehr als bei einer reinen Zollsenkung, die lediglich zu einem Anstieg der EU-Exporte um 0,37% und derjenigen Japans um 0,95% führen würde, in absoluten Zahlen gerechnet „nur“ 6,7 Milliarden US-Dollar.

Auch die Wohlfahrtseffekte wären im Falle einer umfassenden Liberalisierung stärker. Für die Europäische Union ergäbe sich ein Wachstum des realen BIP um 0,21%, das BIP Japans würde sogar um 0,86% zulegen. Fallen hingegen nur die Zollbeschränkungen, ergäben sich lediglich Wohlfahrtsgewinne in Höhe von 0,02% für die EU und 0,07% für Japan. „Diese positiven Effekte auf das BIP werden maßgeblich dadurch verursacht, dass bereits produktive Firmen ihr Exportvolumen ausweiten und zusätzlich weitere Unternehmen ins Exportgeschäft einsteigen. Das bringt zunächst mehr Konkurrenz, vor diesem Hintergrund steigern die effizient wirtschaftenden Unternehmen jedoch im Laufe der Zeit ihre Produktivität“, ergänzt Yalcin.

Der Arbeitsmarkt hingegen würde nur moderat beflügelt werden. So würde ein Freihandelsabkommen in der EU zu 18.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen führen, immerhin noch weitaus mehr, als im Falle einer reinen Zollsenkung, die rund 1.700 neue Stellen zur Folge hätte. Auch in Japan würden die Beschäftigungseffekte im Falle einer vollständigen Liberalisierung mit 10.000 neuen Stellen ähnlich gering ausfallen.

Andere Regionen würden durch das bilaterale Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan leicht verlieren, indem zum Beispiel weltweit 15.000 Stellen verloren gehen oder das BIP in anderen asiatischen Ländern um 0,05% zurückgeht. Diese Nachteile wären aber wesentlich geringer als die wirtschaftlichen Gewinne, die die Liberalisierung des Handels zwischen der EU und Japan mit sich bringen würde. „Das wichtigste ist der Produktivitätszuwachs. Dieser beträgt im Falle einer umfassenden Liberalisierung in der EU 0,13% und in Japan 0,56% und hat damit den größten Einfluss auf das Wachstum des BIP. Für Europa würde ein Freihandelsabkommen zum einen mit einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit einhergehen und zum anderen den Anschluss an weitere internationale Märkte ermöglichen“, ergänzt Yalcin.

ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.
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