Glücklich im Beruf: Das darf kein Zufall sein

FU - das chinesische Symbol für Glück
FU – das chinesische Symbol für Glück

Profi-Fußballer erleben beim erfolgreichen Torschuss das Gefühl, Operntenöre genießen den Applaus, Diven sind es gewohnt, mit roten Rosen beworfen zu werden. Doch wenn ein normal sterblicher Werkstätiger, sei er Angestellter, Manager, Minijobber oder Praktikant so richtig glücklich im Beruf ist, wird er nicht den ganzen Tag mit einem Schild „Ich bin glücklich“ durch Büros oder Werkhallen laufen – oder sich das chinesische Symbol „Fu“ für Glück an das Revers heften. Maximal sind ein stilles Lächeln und ein gelassen entspannter Gesichtsausdruck das höchste der nach außen dargestellten Gefühle. Der Glückszustand der Mitarbeiter kann einem Arbeitgeber eigentlich nicht gleichgültig sein. Viel wird über Work/Life Balance geplaudert, schlechte Arbeitsbedingungen werden zu Recht kritisiert – aber wie sieht das Gegenteil aus?

Um diese Fragen ging es im Crosswater-Interview mit Prof. Dr. Martin-Niels Däfler und Ralph Dannhäuser. Lesen Sie selbst.

Interview „Glücklich im Beruf“ mit Prof. Dr. Martin-Niels Däfler und Ralph Dannhäuser

 

Wann sind wir glücklich im Beruf?

Däfler: Wenn es Kekse in der Besprechung und Currywurst in der Kantine gibt. Ernsthaft: Natürlich tragen auch solche Kleinigkeiten dazu bei, sich am Arbeitsplatz wohl zu fühlen, aber entscheidend ist, dass Arbeitnehmer in materieller und immaterieller Hinsicht mit ihrem Job zufrieden sind.

 

Prof. Dr. Martin-Niels Däfler
Prof. Dr. Martin-Niels Däfler

Was heißt das genau?

Dannhäuser: Wie glücklich wir mit unserem Job sind, hängt zunächst davon ab, wie gut unser Verdienst und die Sozialleistungen des Arbeitgebers sind. Auch angemessene Arbeitszeiten und zeitgemäße Arbeitsbedingungen stellen zentrale Glücksfaktoren dar. Zudem schätzen es Mitarbeiter, wenn sie realistische Aufstiegs-/Entwicklungschancen haben.

Ralph Dannhäuser
Ralph Dannhäuser

 

Däfler: Geld allein macht jedoch nicht glücklich. Diese materiellen Glückstreiber sind nämlich nur eine Seite der Medaille. Die andere besteht aus den immateriellen Aspekten, vor allem darin, eine sinnvolle, interessante oder abwechslungsreiche Aufgabe zu haben. Ebenso wichtig sind selbstbestimmtes Arbeiten, ausreichend Freiräume, Möglichkeiten, sich einzubringen oder Verantwortung zu übernehmen. Ganz klar rangiert auch eine ausgeglichene Work-Life-Balance weit oben. Eine entscheidende Rolle spielt zudem der Vorgesetzte. Zeigt er/sie Anerkennung, nimmt sich Zeit, ist fair/berechenbar, führt regelmäßige Feedbackgespräche und kommuniziert verständlich? Und schließlich die Kollegen – sind sie freundlich, kompetent und hilfsbereit?

 

Wie glücklich sind die Berufstätigen in Deutschland denn nun genau?

Däfler: Das können wir so noch nicht sagen. Wir haben uns Dutzende von Studien und Umfragen angeschaut. Die Ergebnisse sind verwirrend, mitunter widersprüchlich. Klarheit wollen wir deshalb nun mit einer eigenen Umfrage erlangen.

 

Dannhäuser: Seit kurzem haben wir eine Online-Befragung (Link) laufen. Wir wollen wissen, wie glücklich die Berufstätigen in materieller und immaterieller Hinsicht mit ihrem gegenwärtigen Job sind. Es dauert circa eine Minute, um die Fragen zu beantworten. Doch für uns sind die Ergebnisse sehr aufschlussreich.

 

Wieso, was wollen Sie mit den Umfrageergebnissen anfangen?

Dannhäuser: Sie bilden die Grundlage für unser Buch, an dem wir gerade schreiben. Anders als die meisten Karriereratgeber wollen wir nämlich unsere Empfehlungen auf ein seriöses Fundament stellen und unseren Lesern ganz konkrete Hinweise geben, wie sie im Beruf glücklich werden können.

 

Was empfehlen Sie Menschen, die unglücklich im Job sind?

Däfler: Im ersten Schritt sollte man sich mal in Ruhe hinsetzen und eine Bestandsaufnahme machen: Was genau nervt mich denn? Oft ist es ja nur so ein schwammiges Gefühl der Unzufriedenheit. Hat man identifiziert, wie sehr und womit man konkret unzufrieden ist, kann man sich dann im nächsten Schritt die passende Strategie aussuchen.

 

Welche Strategien gibt es?

Dannhäuser: Wir beschreiben drei Basis-Strategien, von uns als „Kompass-Strategien“ bezeichnet – die „Ost-Strategie“ für Mitarbeiter, die vor allem wegen immaterieller Faktoren unzufrieden sind, die „Nord-Strategie“ für jene, die hauptsächlich wegen materieller Gründe klagen und schließlich die „Exit-Strategie“ für die hoffnungslosen Fälle, wenn gar nichts passt.

 

Das klingt spannend – wann können wir Ihr Buch lesen?

Däfler: „Glücklich im Beruf“ wird im Frühjahr 2016 im SpringerGabler-Verlag erscheinen und mit einer Fülle praxistauglichcher Tipps aufwarten.

 

Vielen Dank Herr Prof. Dr. Däfler und Herr Dannhäuser für dieses Interview.

 

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