Regulierung der Zeitarbeit: Frage nach Notwendigkeit bleibt

Nach langer Diskussion hat sich die Bundesregierung darauf geeinigt, wie sie Zeitarbeit und Werkverträge neu regeln will. Die Koalitionspartner haben dabei zwar viele der Einwände gegen den Gesetzentwurf berücksichtigt. Doch es bleibt die grundsätzliche Frage, ob eine Regulierung überhaupt nötig ist.

 

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Die Bundesregierung will Zeitarbeit neu regulieren, dabei ist gar nicht klar, ob das überhaupt nötig ist. Foto: guruXOOX/iStock

Frage nach Notwendigkeit bleibt

Die Bundesregierung will Zeitarbeit neu regulieren, dabei ist gar nicht klar, ob das überhaupt nötig ist. In erster Linie trifft das geplante Gesetz die Zeitarbeit, indem es der Branche zwei Einschränkungen verordnet:

  • Die Dauer, für die ein Zeitarbeitnehmer einem Einsatzbetrieb überlassen werden kann, wird auf 18 Monate beschränkt. Den Einsatzbranchen ist es erlaubt, über Tarifvertrag und Betriebsvereinbarungen von dieser Höchstgrenze abzuweichen. Dieses Privileg gilt aber nicht für die Zeitarbeitsbranche als der eigentliche Tarifpartner.
  • Zeitarbeitnehmern muss künftig nach neun Monaten der gleiche Lohn gezahlt werden wie vergleichbaren Beschäftigten des Einsatzbetriebes. Haben die Tarifpartner der Zeitarbeitsbranche ein Zuschlagstarifvertrag vereinbart, der beispielsweise bei einem ununterbrochenen Einsatz des Zeitarbeitnehmers beim gleichen Kundenbetrieb nach Einsatzdauer gestaffelte Lohnzuschläge vorsieht, ist „Equal Pay“ erst nach 15 Monaten Einsatzdauer Pflicht. Unklar bleibt, warum hier überhaupt eine gesetzliche Regelung erforderlich ist. Denn mit Zuschlagstarifen haben die Tarifpartner bereits eine tarifliche Equal-Pay-Regelung geschaffen. Hier greift der Gesetzgeber ohne Not in die Tarifautonomie ein.

Leidtragende der neuen Regeln werden in erster Linie die Zeitarbeitnehmer sein. Ihren Arbeitgebern wird es erschwert, sie für längere Zeit an einem Einsatzbetrieb zu überlassen. Damit verlieren die Arbeitnehmer vor allem die Chance, sich „on the job“ beruflich weiterzuentwickeln. Letztlich erhöht sich auch ihr Beschäftigungsrisiko, denn es gibt keine Garantie, dass das Zeitarbeitsunternehmen für jeden Arbeitnehmer einen alternativen Einsatzbetrieb bereitstellen kann.

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1 Kommentar zu „Regulierung der Zeitarbeit: Frage nach Notwendigkeit bleibt“

  1. Ex-Zeitarbeitet

    Dieser Kompromiss und auch der viel erworbene Slogan „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ ist in meinen Augen ein schlechter Scherz. Die Begründung meiner Aussage liefere ich gleich mit.

    Ich, der 4 Jahre in der Zeitarbeit tätig war und immer an denselben Betrieb verliehen war (chemische Industrie), habe sowohl mit Entleihern als auch Zeitarbeitsfirmen offene Gespräche geführt (im Vorfeld und zum Thema). Einschlägige Meinung ist hinter vorgehaltener Hand: „Diese 18 Monats-Regel wird umgangen!“ 2 Mitarbeiter die rotierenden (der Sperrfrist entsprechend) in 2 Betrieben (2 Firmen des Chemieparks) eingesetzt. So wird es nie zu einer Einsatzdauer von 18 Monaten kommen. Gleiches verhält sich mit der „Gleiches Geld für gleiche Arbeit-Schönrederei“. Bereits jetzt in den Bereichen der Chemie, Elektro und Kautschukindustrie (hier gibt’s den Branchenzuschlag) praktiziert, rotieren die Mitarbeiter nun öfter zw. 2 Firmen hin und her. Schon muss nicht mehr bezahlt werden.

    Apropos Equal Pay. Thema Gleiches Geld für gleiche Arbeit. Aktueller Stand ist, dass mit Branchenzuschlag max. 90% des Gehaltes eines vergleichbaren Mitarbeiters im Betrieb verdient werden soll. Von 100% also keine Spur. Die 10% sackt nämlich die Zeitarbeitsfirma ein. Wofür eigentlich? Mehr Arbeit haben sie deswegen nicht.

    Aber selbst die 90% sind nur Augenwischerei. Mit tariflich zugesicherten Zulagen wie Urlaubs und Weihnachtsgeld, Schmutzzulage etc. verdient ein Mitarbeiter der Stammbelegschaft weit mehr als ein Zeitarbeitnehmer jemals erreichen kann. Vergleicht man die Jahresbruttos kommt man schnell auf einen Maximalwert von rund 72-75% für den Zeitarbeitnehmer. Von „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ kann also bei Weitem nicht die Rede sein.

    Frau Nahles und die Koalition tun gut daran, diese Fakten in ihre Überlegungen mit aufzunehmen. Leider wird das aber nicht passieren.

    Herzliche Grüße

    S. K.

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