Nach Brexit: Britische Jobsuchende orientieren sich ins Ausland

Mariano Mamertino
Mariano Mamertino

Jobsuchende im Vereinigten Königreich reagieren auf den Brexit – Irland und Deutschland könnten profitieren, so Daten der weltweiten Jobsuchmaschine Indeed

Unmittelbar nach dem Brexit-Referendum schossen Jobsuchen aus dem Vereinigten Königreich in die Höhe. Sobald in den frühen Morgenstunden des 24. Juni das Ergebnis bekannt wurde, verdoppelte sich der Anteil der Jobsuchanfragen aus dem Königreich hinaus.

Deutschland könnte davon besonders profitieren. Die Suchen von UK nach Deutschland stiegen um mehr als das Doppelte an. Suchanfragen aus dem übrigen Europa stiegen um 61% an. Besonders bemerkenswert: Unter den Branchen, die Briten besonders häufig in Deutschland suchten, befanden sich neben Marketing und Finance auch gleich mehrere Suchbegriffe aus dem IT-Bereich sowie Data Science und Ingenieurwesen. Das ist ein Indiz dafür, dass gerade Fachbereiche, die für die Digitalisierung besonders wichtig sind, von einer Umorientierung britischer und europäischer Arbeitnehmer profitieren könnten.

Aber auch Irland zeigte ein ähnliches Muster, hier schauen sich die meisten Briten nach möglichen Jobs um. Die Suchanfragen im Nachbarland stiegen ebenfalls um mehr als das Doppelte. Und nicht nur Briten schauten sich die Nachbarinsel näher an, Indeed verzeichnete auch aus anderen EU-Ländern einen deutlichen Anstieg von Suchen nach Irland, ein Hinweis auf eine Neuorientierung europäischer Arbeitnehmer. Die von Briten meistgesuchten Branchen in Irland waren unter anderem Marketing, HR, Ingenieurwesen, Logistik und Handel.

Was bedeuten die Zahlen?

Mariano Mamertino, Europa-Ökonom der Jobseite Indeed, kommentiert die Zahlen:

“Letzte Woche stimmten die britischen Bürger über den Verbleib in der EU ab. Unmittelbar danach haben Jobsuchende im Vereinigten Königreich quasi über Online-Jobsuchen ihre eigene Abstimmung gestartet. Innerhalb von 48 Stunden nachdem das Ergebnis des Referendums feststand, verdoppelte sich das Interesse von Jobsuchenden im Vereinigten Königreich an anderen europäischen Ländern. Die meisten schauen sich innerhalb der Europäischen Union um, wobei die meisten Suchen nach Irland führen. Aber auch die Suchanfragen in außereuropäische Länder wie Australien und die USA stiegen merklich an, um ganze 73%.”

“Wir haben vor fast genau einem Jahr schon einmal etwas Ähnliches beobachtet: Nach dem griechischen Referendum über den EU-Rettungsschirm verdoppelten sich die Suchen aus Griechenland heraus, genau wie jetzt in Großbritannien. Dies ist ein früher Indikator, dass britische Arbeitnehmer verunsichert sind. Kein Wunder angesichts des knappen Wahlergebnisses.”

Ist dies eine Chance für Deutschland?

Mariano Mamertino: “Berlin und Dublin haben jetzt schon Magnetwirkung auf europäische Jobsuchende. Beide Städte sind attraktiv, bieten hohe Lebensqualität und – ganz entscheidend – niedrigere Lebenshaltungskosten als London, das zieht ohnehin schon heute.”

“Britische Arbeitgeber haben von der Anziehungskraft auf internationale Fachkräfte schon immer profitiert, und umgekehrt haben viele Briten die Gelegenheit ergriffen, in EU-Staaten zu leben und zu arbeiten. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit hat klare wirtschaftliche Vorteile. Es ist wichtig für britische Arbeitgeber, dass sie weiterhin die Arbeitnehmer anwerben können, die sie benötigen. Unsere Daten zeigen: Sollte ein Brexit die Fachkräftemigration in Europa durcheinanderbringen, könnten Deutschland und Irland davon profitieren.”

“Wir bei Indeed sind der Ansicht, dass Deutschland durch einen Brexit für Fachkräfte auf der Suche nach hochqualifizierten Stellen innerhalb der EU durchaus an Attraktivität gewinnen könnte. Bereiche wie die Technologiebranche, Ingenieurwesen und Finanzdienstleistungen würden von den zusätzlichen Kandidaten profitieren, für die sich ein Großbritannien außerhalb der Europäischen Union als weniger zugänglich oder weniger attraktiv erweist.”

Key Fakten:

Alle Daten beziehen sich auf den Spitzenwert am 24. Juni (Peak).

  • Ausgehende Suchen aus UK ins Ausland: am 24. Juni 73% höher als an Durchschnittstagen vor dem Referendum

  • Ausgehende Suchen aus UK in die EU: am 24. Juni doppelt so hoch als an Durchschnittstagen vor dem Referendum

  • Ausgehende Suchen aus UK nach Irland: am 24. Juni um 2,5-Mal höher als an Durchschnittstagen vor dem Referendum

  • Eingehende Suchen aus der EU nach Irland: am 24. Juni um 2,2-Mal höher als an Durchschnittstagen vor dem Referendum

  • Eingehende Suchen aus der EU nach Deutschland: am 24. Juni um 61% höher als an Durchschnittstagen vor dem Referendum

  • Ausgehende Suchen aus UK nach Deutschland: am 24. Juni um 2,3-Mal höher als an Durchschnittstagen vor dem Referendum

Hinweis: EU bezieht sich auf die 19 Mitgliedsstaaten der EU, in denen Indeed eine Seite und somit Daten zur Jobsuche hat.

Über Indeed

Über Indeed suchen mehr Menschen nach ihrem nächsten Job als über jede andere Jobseite (comScore, Unique Visitors im Dezember 2015). Indeed bietet Kandidaten in mehr als 60 Ländern und 28 Sprachen über Desktop und PC Zugang zu Jobs auf der ganzen Welt. In den letzten 31 Tagen haben 200 Millionen Menschen Indeed besucht um nach Jobs zu suchen, Ihren Lebenslauf hochzuladen oder sich über potenzielle Arbeitgeber zu informieren (Google Analytics, Unique Visitors, 3. Januar 2016 2.Februar 2016). Indeed ist die wichtigste Quelle für externe Einstellungen für tausende von Unternehmen (SilkRoad & iCMS). Weitere Informationen auf de.indeed.com.

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