Mehr Bachelor-Absolventen zieht es auf den Arbeitsmarkt

Philipp K. Seegers

Ein Gastbeitrag von Dr. Philipp K. Seegers

Der im Jahr 1999 gestartete Bologna-Prozess ist wiederkehrend im Fokus der öffentlichen Debatte. Erklärtes Ziel der teilnehmenden Staaten war und ist es fortan, in Europa ein verständliches und vergleichbares Hochschulsystem zu schaffen, um unter anderem die studentische Mobilität in Form von Auslandsaufenthalten zu stärken.

Dieses Bestreben hatte zur Folge, dass eine gestufte Studienstruktur implementiert wurde. In Deutschland rückten an die Stelle von Diplom- und Magisterabschlüssen Bachelor- und Master-Titel. Auch wurde das Punktesystem durch Einführung des European Credit Transfer Systems standardisiert.

Um Studierende in möglichst kurzer Zeit fit für den Jobeinstieg zu machen, sollten im Rahmen der Umstellung auch die  Regelstudienzeiten verkürzt werden: In den meisten Fällen beträgt seitdem die angesetzte Dauer bis zum Bachelor- sechs und bis zum darauf folgenden Masterabschluss vier Semester.

 

Knapp 20 Jahre nach der Reform zeigt sich, dass sie ihre Ziele langfristig noch nicht erreicht hat, sich aber positive Tendenzen ablesen lassen. Aus der obigen Grafik mit Daten aus der „Fachkraft 2020“ Studienreihe geht hervor, dass 2014 rund 70% der deutschen Bachelor-Studierenden bereits während ihres Erststudiums einen Masterabschluss anstrebten. Nur knapp 20% der Bachelor-Studierenden planten hingegen, direkt mit dem ersten akademischen Abschluss in den Arbeitsmarkt einzutreten. Der Bachelor fungierte für den Großteil der Studierenden nicht als eigenständiger Hochschulabschluss, sondern als Zulassungsvoraussetzung für einen konsekutiven Master. Eine Verkürzung der Studiendauer wurde somit für einen Großteil der Studierenden nicht erreicht.

Die Grafik zeigt allerdings einen Trend in den letzten Jahren: Die Anzahl der Bachelor-Studierenden, die einen anschließenden Master planen, ist inzwischen um rund 10 Prozentpunkte auf 60% gesunken. Im gleichen Maße ist die Bereitschaft der Studierenden, die Hochschule mit dem Bachelorabschluss zu verlassen und in das Berufsleben zu starten, gestiegen.

Dies könnte darauf hindeuten, dass Unternehmen bei ihrer Personalauswahl Bachelor-Absolventen inzwischen größere Chancen einräumen. Ein Grund dafür könnte entweder sein, dass die Reputation des Bachelor-Abschlusses sich im Laufe der Jahre verbessert hat oder dass es für Unternehmen schwieriger geworden ist, geeignete Bewerber zu finden.

 

Lesen Sie dazu auch unseren Blog-Artikel „Umstellung auf Bachelor und Master“ mit einer aufschlussreichen Grafik zur Verteilung der Studienabschlüsse in Deutschland.

 

 

Über candidate select (CASE)

CASE macht Informationen, die sich aus akademischen Abschlusszeugnissen generieren lassen, für Recruiting und Personalauswahl nutzbar. CASE liegen hierzu über 220.000 Notenverteilungen sowie die psychologischen Profile von über 250.000 Studierenden vor. Basierend auf diesen Daten können akademische Leistungen eingeordnet, verglichen und Vorhersagen zu Bewerberleistungen getroffen werden. CASE arbeitet unter anderem mit der Deutsche Post DHL Group, Evonik Industries, Porsche und der Boston Consulting Group zusammen.

Unternehmen sowie auch Absolventen können auf der CASE-Plattform (www.case-score.de) Abschlüsse in Echtzeit einschätzen lassen.

Die candidate select GmbH ist eine Ausgründung der Universität Bonn mit Sitz in Köln. Die Entwicklung des Algorithmus wurde durch das Bundeswirtschaftsministerium gefördert.

 

 

Über die Fachkraft 2020 Studienreihe

Seit 2012 wird die Fachkraft Studienreihe unter Schirmherrschaft der Maastricht University durchgeführt. In bisher zwölf Befragungsrunden wurden über 250.000 Studierende befragt. CASE ist Kooperationspartner des Fachkraft 2020 Teams. Die Befragung erfolgt über das Jobmensa Netzwerk der Studitemps GmbH.

 

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