Der Blogger, der aus der Kälte kam

Gerhard Kenk

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide

Wieder einmal mehr hat Professor Dr. Peter M. Wald ein glückliches Händchen bewiesen. Es geht um die jährliche Konferenz HR-Inno-Day in Leipzig. Und wie jede HR-Veranstaltung steht auch diese Veranstaltung im Wettbewerb der Aufmerksamkeitsökonomie und die fein abgestimmte Balance zwischen Erklären, Unterhalten und Verkaufen.

Mit dem HR-Experten und Blogger Harold Jarche hat es Wald geschafft, einen renommierten Speaker nach Leipzig zu lotsen, und das aus einer Entfernung von mehreren Tausend Meilen.

Wer sich mit Harold Jarche etwas näher beschäftigt, erkennt, dass er nicht nur ein HR-Experte ist, sondern es auch versteht, das Spannungsfeld von Heimat und Remote Work glänzend – wenn auch nicht immer ohne logistische Anstrengungen – zu überbrücken.

Jarche ist in Sackville, New Brundwick in Canada beheimatet. Und das ist – diplomatisch formuliert – nicht gerade der Nabel der Welt, wenn es um HR-Konferenzen und Speaker-Auftritte geht.

Es wäre wohl ziemlich naheliegend, in Sackville den Job eines Bahnhofschefs zu begleiten  – aber das würde nur marginal dazu dienen, eine gewisse Langeweile im Job zu überbrücken.

Bahnhof in Sackville, New Brunswick (Canada)

Im Interview mit Professor Peter Wald erläutert Harold Jarche seine Beweggründe, nach einer über 20-jährigen Karriere in der Arme eine Tätigkeit als Learning Consultant, Blogger und Speaker aufzunehmen.

Peter: First of all, thank you for enriching this year’s HR Innovation Day with a keynote. May I ask you to introduce yourself? From my point of view, you have a remarkable biography that could not to be often found among consultants.

Harold: In my first career I served as an Army officer for over 20 years. But when I discovered the Web in 1994, I realized that this would change the world. Leaving the military I worked for a university-based learning technologies group and later for an e-learning company. Since 2003 I have been an independent workplace learning consultant. I started actively blogging in 2004 and that has helped me develop an international professional network. My work is a mix from many fields — learning technologies, human performance technology, knowledge management, business innovation, organisational development, and communications theory. Therefore I do not fit into any well-defined professional category. As a result I have done a wide variety of projects for different organisations over the years.

Peter: You say „work is learning and learning is the work„. I am always impressed by this very accentuated statements on the relationship between learning and working in modern organisations. Can you briefly explain your view of learning in modern organisations to readers of my blog?

Harold: We have had a tendency over the past century to separate work and learning. People went to school, then they went to work. Professional development was usually for senior employees and it was often away from the workplace. This is still the practice in some organisations. But today we live in a world where we are constantly connected to information and knowledge flows. Much of our work is getting more complex because the repeatable tasks are being done by machines and software. To stay current in any field we need to be learning while working. This is a return to a much older way of working but now with continuous cognitive apprenticeship where every person is both a teacher and a learner. 

Harold Jarche HR-Inno-Day Leipzig 2019

Jarches Vortrag in Leipzig drehte sich um das Spannungsfeld Cooperation und Collaboration und die feinen Unterschiede zwischen diesen Begriffen. Seine zum Nachdenken anregende These lautete: „Hard Skills are temporary, soft skills are permanent“.

Individuelles Lernen – die Antwort auf NewWork?

HR Innovation Day 2019 an der HTWK in Leipzig - Harold Jarche

HR Innovation Day 2019 an der HTWK in Leipzig – Harold Jarche

Und so fasst Sven Lehmann den Vortrag zusammen:

Harold Jarche aus Kanada beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Lernen während der Arbeit. Wer in einer (Unternehmens-) Welt erfolgreich sein will, in der die Lernen ein zentraler Aspekt des menschlichen Leistens ist, muss sich die Rahmenbedingung anschauen, unter denen das individuelle Lernen besonders gut gelingt. Meistens verhindern starre Strukturen dieses eigentlich oft einfache Lernen.

Lernen ist natürlich. Soziales Lernen ist angeboren. Was die Menschen vom Lernen abhält, sind oftmals von der Personalabteilung geschaffene Hindernisse wie Leistungsmessungen, standardisierte Stellenbeschreibungen und festgelegte Kurse.Harold Jarche, Vortrag beim HR Innovation Day 2019 an der HTWK in Leipzig

Die Probleme, die seiner Ansicht nach HR hat, resultieren aus folgenden Faktoren:

  • Jobtitel und Hierarchien
  • die Überzeugung, dass Zeit Geld sei
  • Leistungsmessung
  • starre Richtlinien und das Einhalten von ebensolchen Prozeduren

Harold fasst seinen Vortrag mit der Aufforderung ganz einfacher Natur zusammen: Open the gates! Öffnet die Tore – etwas, das bei eben doch (noch) ganz gut funktionierenden Systemen oder Unternehmen eine echte Herausforderung darstellt (Stichwort Pfadabhängigkeit).

Dem Thema Lernen in Organisationen und Unternehmen, das seit über 20 Jahren mit dem Stichwort lebenslanges Lernen einhergeht, kann kaum genügend Raum gegeben werden. Aus meiner Sicht hat sich an den Bedingungen des Lernens in Bestandsunternehmen bisher viel zu wenig verbessert.

 

Weiterführende Links:

Personal und Innovationen in Unternehmen – HR Innovation Day 2019 an der HTWK Leipzig

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