Covid-19-Krise: Deutscher Arbeitsmarkt zeigt sich im internationalen Vergleich stabil

● Stellenausschreibungen in Deutschland um 17 % rückläufig im Vergleich zum Vorjahr
● Hotelgewerbe und Tourismusbranche sind mit einem Minus von 35 % seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie stark betroffen
● Jobs im Einzelhandel, Baugewerbe sowie Bank- und Finanzwesen leiden weniger stark unter der Coronakrise
● International sind die Einbrüche bei den Stellenanzeigen groß: Vereinigtes Königreich -44 %, Italien -36 % und USA -31 %

Die Bemühungen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie haben weltweit ganze Wirtschaftsbereiche lahmgelegt. Mit der Zuspitzung der
Covid-19-Pandemie seit Mitte März 2020 haben die Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt erheblich zugenommen. Jobsuchende können dennoch weiterhin eine große Zahl an Stellenausschreibungen finden.

Dr. Annina Hering, Economist bei Indeed, beschreibt die Entwicklung: „Der Arbeitsmarkt in Deutschland schwächelte bereits zu Beginn des Jahres und wurde dann von der Coronakrise getroffen. Mit dem Ausbreiten der COVID-19-Pandemie in Deutschland ist die Zahl der
Stellenanzeigen um 17% niedriger als im Vorjahr.”

Unternehmen sind unterschiedlich stark von der Situation betroffen. Insgesamt zeigt sich, dass die Auswirkungen des Coronavirus auf den Arbeitsmarkt bereits erheblich sind, sich allerdings zwischen den Industrien unterscheiden. Stellenausschreibungen für Berufe im Hotelgewerbe und der Tourismusbranche sind mit den eingestellten Reiseaktivitäten seit Mitte März um 35 % zurückgegangen. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich für Berufe in der Lebensmittelzubereitung und -dienstleistung. Durch das Schließen von Restaurants und Cafés sind die Stellenausschreibungen um 32 % niedriger.

Da Supermärkte, Drogerien und Baumärkte weiterhin geöffnet haben und diese nach wie vor eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften aufweisen, ist der Rückgang im Einzelhandel mit 17 % geringer. Durch die vorübergehend komplette Schließung einzelner  Geschäftsbereiche, sind vor allem die Stellenschaltungen in den Bereichen Elektronik, Kosmetik, Möbel und Bekleidung betroffen.

Im Bauwesen sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten. Die Stellenausschreibungen sind zwar um 13 % zurückgegangen, aber weit weniger als in anderen Industrien. Vielmehr hat die Baubranche die Chance das geringere Verkehrsaufkommen für Straßenbauprojekte zu
nutzen.

Im Gegensatz zur Weltwirtschaftskrise ab 2007, die insbesondere Banken und die Finanzbranche sehr hart getroffen hatte, zeigt sich bisher in der Coronavirus-Pandemie eine geringere Betroffenheit von derzeit 14 % weniger Stellenausschreibungen im Bank- und
Finanzwesen.

Trotz vorherrschenden Fachkräftemangel sind auch die Stellenausschreibungen für Software-Entwicklung mit 15 % rückläufig. “Personalverantwortliche müssen sich selbst erst einmal mit der neuen Situation arrangieren – im Homeoffice ankommen, sich organisieren, Kinder oder pflegebedürftige Personen betreuen – und dann die Betroffenheit des Unternehmens ermitteln. Dadurch kommt es im Recruiting zu Verzögerungen, was sich auch in der Entwicklung der Stellenausschreibungen äußert, sodass ein aktuell recht stabiles Aufkommen an neuen Jobs als ein gutes Zeichen gewertet werden muss. Gerade das Thema Digitalisierung, aber auch E-Commerce, dürfte in naher Zukunft Tech-Berufe noch weiter in den Fokus rücken und die Nachfrage nach diesen Fachkräften wieder erhöhen”, erklärt Hering.

Deutscher Arbeitsmarkt im internationalen Vergleich stark

Der deutsche Arbeitsmarkt steht im internationalen Vergleich derzeit gut dar: Die Zahl der Stellenausschreibungen hat sich in Deutschland bisher geringer nach unten entwickelt. Zu beachten ist, dass die Länder zu unterschiedlichen Zeitpunkten verschiedene Maßnahmen ergriffen haben, die das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben beeinflussen. Italien befindet sich wesentlich länger im nationalen Ausnahmezustand als das Vereinigte Königreich, wo die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt gemessen an der Entwicklung der Stellenausschreibungen bereits jetzt schon höher liegen als in Italien.

Eine aktuelle Indeed-Analyse zeigt, dass Stellenausschreibungen allgemein in den Ländern stärker zurückgegangen sind, die einen höheren Anteil an Dienstleistungsberufen, wie Gast- und Hotelgewerbe oder Tourismus, aufweisen und damit stärker von den
Lockdown-Maßnahmen betroffen sind.
Von den betrachteten Ländern (Vereinigtes Königreich, Italien, Spanien, Frankreich, USA und Deutschland) hat Deutschland den geringsten Anteil an Beschäftigungen, die direkt durch die Eindämmungsmaßnahmen betroffenen sind. Gleichzeitig sind in Deutschland
insgesamt die Stellenausschreibungen am wenigsten zurückgegangen ( -17%). Die derzeit weniger von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Branchen halten das Niveau an Stellenausschreibungen im deutschen Arbeitsmarkt weiterhin hoch. In Deutschland ist die
Zahl der neuen Stellenausschreibungen im Vergleich zum Vorjahr nicht so stark gesunken wie in den Vergleichsländern. Am 10. April 2020 liegt Deutschland bei -10 % im Vergleich zum Vorjahr. Um mehr als die Hälfte eingebrochen sind dagegen die neuen
Stellenausschreibungen in Frankreich, Italien, Spanien, USA und im Vereinigten Königreich.

Hering kommentiert: “Die aktuell zu beobachtende Stabilisierung der neuen Stellenausschreibungen macht Hoffnung, dass sich der negative Einfluss auf den deutschen Arbeitsmarkt bereits abgeschwächt hat. Allerdings ist es für eine Entwarnung deutlich zu früh.”

 

Methodische Hinweise
Um die aktuellen Auswirkungen durch die Covid-19-Krise auf dem Arbeitsmarkt zu untersuchen, wurden die Entwicklungen der
Online-Stellenanzeigen auf Indeed im Zeitraum Februar-April 2020 mit der Entwicklung des letzten Jahres im gleichen Zeitraum
verglichen. Für jeden Tag wird ein gleitender Durchschnitt über sieben Tage berechnet. Dabei dient der 1. Februar als Basiswert
(01. Februar = 100), da zu dieser Zeit das Coronavirus in Deutschland mit wenigen Ausnahmen noch nicht angekommen war.
Als Stichtag für den Start der Krise, wird der 24. Februar gewertet, da hier die ersten deutschen Fälle in Heinsberg bekannt
wurden. Als neue Stellenausschreibungen werden Stellen definiert, die seit sieben Tagen oder kürzer auf Indeed auffindbar
sind. Betrachtet werden sowohl bezahlte als auch unbezahlte Stellenausschreibungen. Damit kann Indeed den Arbeitsmarkt
großräumig darstellen.

Über Indeed

Über Indeed suchen mehr Menschen nach ihrem nächsten Job als über jede andere Jobseite (bezogen auf Total Visits, Quelle: comScore). Indeed bietet Kandidaten in mehr als 60 Ländern und 28 Sprachen über Desktop und mobile Endgeräte Zugang zu Jobs auf der ganzen Welt. Insgesamt mehr als 250 Millionen Menschen nutzen Indeed jeden Monat für die Jobsuche, um ihren Lebenslauf hochzuladen oder um sich über potenzielle Arbeitgeber zu informieren (Google Analytics; Unique Visitors, September 2018). Weitere Informationen auf
de.indeed.com.

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