Frauen als Gewinnerinnen der Wirtschaftskrise?

Dr. Carola Burkert, IAB
Dr. Carola Burkert, IAB

Die Wirtschaftskrise hat den hessischen Arbeitsmarkt nicht so stark getroffen wie ursprünglich befürchtet. Der Beschäftigungsabbau verlief deutlich moderater, der Anstieg der Arbeitslosigkeit war schwächer als es zu erwarten war. Vor allem sind es die Frauen, die die Krise besonders gut überstanden haben. Trotzdem stellt sich die Gesamtsituation der Frauen nicht in allen Aspekten zufriedenstellend dar: Die Frauenerwerbstätigkeit ist zwar erneut angestiegen. Der Anstieg ist aber vor allem auf Zuwächse im Teilzeitbereich zurückzuführen. Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigung wird mit rund zwei Dritteln überwiegend von Frauen wahrgenommen, wobei diese Beschäftigungsform auch bei Männern in den letzten Jahren zugenommen hat. Führungspositionen befinden sich in Männerhand. Lediglich jede vierte Spitzenposition wird durch eine Frau besetzt.

Knapp 38.000 Frauen arbeiten in MINT-Berufen. Das sind allerdings lediglich vier Prozent aller beschäftigten Frauen gegenüber 15 Prozent bei den Männern. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahr 2009 betraf die Frauen nicht. Die Arbeitslosenquote der Frauen konnte gegenüber dem Vorjahr reduziert werden und fiel geringer aus als bei den Männern. Frauen werden mit Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung entsprechend ihres Anteils an den Arbeitslosen gefördert. Daher liegt ihr Anteil deutlich niedriger als noch vor zwei Jahren. (IAB2)

Zusammenfassung

Die Wirtschaftskrise hat den hessischen Arbeitsmarkt nicht so stark getroffen wie ursprüng-lich befürchtet. Der Beschäftigungsabbau verlief deutlich moderater, der Anstieg der Arbeits-losigkeit war schwächer als es zu erwarten war. Vor allem sind es die Frauen, die die Krise besonders gut überstanden haben.
Trotzdem stellt sich die Gesamtsituation der Frauen nicht in allen Aspekten zufriedenstellend dar, wie die nachfolgende Kurzzusammenfassung der Ergebnisse des Berichts teilweise zeigt.

  • Schulbildung: Junge Frauen verfügen über bessere Schulabschlüsse als junge Männer. Einerseits erreichen sie häufiger die allgemeine Hochschulreife und andererseits beenden sie seltener den Schulbesuch ohne Abschluss.
  • Betriebliche Ausbildung: Frauen haben bei der Wahl ihres Ausbildungsberufes einen sehr schmalen Fokus. Fast die Hälfte von ihnen konzentriert sich bei ihrem Berufswunsch lediglich auf eine Palette von fünf Berufen.
  • Erwerbstätigkeit: Die Frauenerwerbstätigkeit ist erneut angestiegen. Die Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern haben sich weiter angenähert. Trotzdem sind Frauen bei der Erwerbstätigkeit immer noch unterrepräsentiert.
  • Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Der Anstieg der Frauenbeschäftigung ist vor allem auf Zuwächse im Teilzeitbereich zurückzuführen. Die Teilzeitquote von Frauen ist im Verlauf der letzten Jahre kontinu-ierlich angestiegen. Über ein Drittel aller beschäftigten Frauen arbeitet in Teilzeit.
  • Geringfügig entlohnte Beschäftigung: Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigung wird mit rund zwei Dritteln über-wiegend von Frauen wahrgenommen, wobei diese Beschäftigungsform auch bei Männern in den letzten Jahren zugenommen hat.
  • Betriebsführung: Führungspositionen befinden sich in Männerhand. Lediglich jede vierte Spitzenpositi-on wird durch eine Frau besetzt. Diese Situation hat sich gegenüber der letzten Be-fragung sogar noch etwas verschlechtert. Vor allem in größeren Betrieben haben Frauen in den obersten Führungsetagen eher Seltenheitswert.
  • Arbeitslosigkeit: Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahr 2009 betraf die Frauen nicht. Die Arbeitslo-senquote der Frauen konnte gegenüber dem Vorjahr reduziert werden und fiel geringer aus als bei den Männern. Der Anteil der Frauen bei den Altersgruppen 50 Jahre und älter sowie unter 25 Jahre an den Arbeitslosen entwickelte sich in den letzten Jahren rückläufig. Die arbeitslosen Frauen gehören überwiegend zum Rechtskreis SGB II. Dieser Anteil ist stärker ausgeprägt als bei den Männern.
  • Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen: Frauen werden mit Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung entsprechend ihres Anteils an den Arbeitslosen gefördert. Daher liegt ihr Anteil deutlich niedriger als noch vor zwei Jahren. Bei der Gewährung eines Gründungszuschusses zur Förderung der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit sind Frauen dagegen erheblich unterrepräsentiert.
  • MINT-Berufe: Knapp 38.000 Frauen arbeiten in MINT-Berufen. Das sind allerdings lediglich vier Prozent aller beschäftigten Frauen gegenüber 15 Prozent bei den Männern. Dennoch hat sich in den letzten zehn Jahren die Zahl der dort tätigen Frauen um fast zehn Prozent erhöht, wogegen bei den Männern ein Rückgang der Beschäftigung in MINT-Berufen in diesem Zeitraum zu verzeichnen ist.

Kostenloser Download des IAB-Berichts: >>>hier

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