Arbeitsmarkt

Kurzarbeit: Vorsicht vor historischen Vergleichen

Holger Schäfer

Noch nie zeigten so viele Unternehmen Kurzarbeit an wie im März dieses Jahres. Die Corona-Krise dürfte damit den Arbeitsmarkt deutlich mehr belasten als die Finanz- und Wirtschaftskrise 2009. Allerdings gibt es auch Hoffnungsschimmer, zeigt eine aktuelle IW-Studie, die verschiedene Arbeitsmarkt-Indikatoren vergleicht.Die Bundesagentur für Arbeit hat vor einigen Tagen Rekordzahlen gemeldet: Noch nie haben so viele Betriebe in Deutschland Kurzarbeit angezeigt, also beantragt, dass sie Kurzarbeit in Anspruch nehmen müssen. Im März dieses Jahres meldeten sich rund 470.000 Betriebe bei der Agentur – rund 20mal mehr als im Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise im März 2009. Damals registrierte die Bundesagentur für Arbeit rund 22.900 Kurzarbeit-Anzeigen. Im Jahresdurchschnitt waren schließlich 1,1 Millionen Deutsche in Kurzarbeit.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und BA-Vorsitzender Detlef Scheele zur Lage am deutschen Arbeitsmarkt im März

Die Anzeigen auf Kurzarbeit, die bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) aufgrund der aktuellen Lage eingehen, sind seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen auf ein neues Höchstniveau angestiegen. Heute hat die BA gemeinsam mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine erste Auswertung für den März veröffentlicht. Demnach sind im März bundesweit rund 470.000 Anzeigen auf Kurzarbeit bei der BA eingegangen.

 

Zum Vergleich: Im Jahr 2019 zeigten durchschnittlich etwa 1.300 Betriebe pro Monat Kurzarbeit an. Im Februar 2020 lag die Zahl der Kurzarbeitsanzeigen noch bei 1.900. Die Nachfrage ist in allen Bundesländern hoch. Die Anzeigen kommen aus nahezu allen Branchen, anders als in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009, als vor allem das verarbeitende Gewerbe betroffen war. Branchenschwerpunkte sind unter anderem der Handel und das Hotel- und Gaststättengewerbe. Die oben genannten 470.000 Anzeigen basieren auf einer Sonderauswertung der BA. Sie beinhalten die Anzeigen, die bis zum 27. März 2020 bei der BA eingegangen sind. Diese bilden aber nicht die amtliche Statistik ab.

The leader of the Social Democrats Party (SPD), Martin Schulz (L) walks with SPD Secretary-General Hubertus Heil during a party congress of Germany’s Social Democrats in Berlin, on December 7, 2017.
Germany’s Social Democrats, who vowed to go into opposition after losing a September election to Chancellor Angela Merkel’s conservatives, hold a party congress to plot the way forward and possibly join her in another coalition government after all.
Hubertus Heil und Martin Schulz / AFP PHOTO / Odd ANDERSEN

Corona-Krise drückt Stimmung in der Digitalbranche

  • Jedes dritte Unternehmen der IT und Telekommunikation verzeichnet Nachfragerückgang
  • Präsident Berg: Krise ist Auftrag an Politik und Wirtschaft, die Digitalisierung mutiger und entschiedener voranzutreiben

In der Digitalbranche hat sich das Geschäftsklima unter dem Eindruck der Corona-Krise im März stark eingetrübt. Jedes dritte Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche (31 Prozent) verzeichnete im März einen Nachfragerückgang. Während 55 Prozent der Unternehmen negative Folgen der Corona-Krise feststellten, berichteten 43 Prozent davon, dass die Pandemie keine Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit habe. Lediglich 3 Prozent bemerkten einen positiven Effekt. Von den negativen Folgen sind in der Digitalbranche vor allem Industrie und Handel betroffen. Das ist das Ergebnis der monatlichen Konjunkturumfrage von Bitkom und ifo Institut in der ITK-Branche.

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Sehr starker Anstieg bei Kurzarbeit-Anzeigen

Die Anzeigen auf Kurzarbeit, die bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) aufgrund der aktuellen Lage eingehen, sind rasant angestiegen. Das ist das Ergebnis eines Monitorings, bei dem alle Arbeitsagenturen bundesweit befragt wurden.

Danach sind in dieser Woche bundesweit bisher rund 76.700 Anzeigen auf Kurzarbeit bei den Arbeitsagenturen eingegangen, bei denen Betriebe nach eigenen Angaben die Kurzarbeit infolge der Ausbreitung des Coronavirus angezeigt hat.
Im Vergleich dazu: Im Jahr 2019 zeigten durchschnittlich rund 600 Betriebe innerhalb einer Woche Kurzarbeit an. Ende 2019 zeigten bei konjunktureller Schwächephase rund 1.000 Betriebe wöchentlich Kurzarbeit an.
Die Nachfrage ist in allen Bundesländern hoch – besonders auffällig sind hier Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.
Anzeigen kommen aus nahezu allen Branchen, überwiegend aus Transport/Logistik, Hotel- und Gaststättengewerbe, Messebau und Tourismus.

Detlef Scheele

Väter fürchten Folgen langer Elternzeit

LinkedIn-Studie zeigt: Deutschlands Unternehmen müssen familienfreundlicher werden // Männer wünschen sich eine möglichst lange Elternzeit – nehmen sie sich aber nur selten // Finanzielle Zwänge, persönliche Bedürfnisse sowie gesellschaftliche Vorurteile sind Gründe für die Ungleichverteilung

Viele Väter trauen sich nicht, lange in Elternzeit zu gehen. Obwohl sich Männer wie Frauen gleichermaßen eine möglichst lange Elternzeit wünschen, sind es in der Praxis in Deutschland weiterhin die Mütter, die den Großteil der Kinderbetreuung übernehmen. Das tun sie, obwohl die Elternzeit nicht selten einen deutlichen Karriereknick mit sich bringt: Jede fünfte Mutter berichtet nach einer langen Elternzeit von negativen Auswirkungen auf den beruflichen Werdegang. Die Ursachen weshalb Väter in Elternzeit weiterhin eine Seltenheit sind, sind vielfältig: An erster Stelle stehen wirtschaftliche Gründe. Darüber hinaus werden aber auch gesellschaftliche Vorurteile und traditionelle Rollenbilder als ausschlaggebend angeführt. Einig sind sich Eltern darin, dass Deutschlands Unternehmen mehr tun müssen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu gewähren. Noch nicht einmal jeder Zweite bewertet sein Unternehmen als familienfreundlich.

Barbara Wittmann

IT-Security: Experten sind gefragt

Von Christoph Berger
Die Bedrohungslage für Cyber-Attacken steigt. Somit stehen die Unternehmen vor der Herausforderung, ihre IT zu sichern. Absolventinnen und Absolventen, die sich auf IT-Security spezialisiert haben, stehen die Türen offen.

Foto: AdobeStock/ fotogestoeber
Foto: AdobeStock/ fotogestoeber

Die Zahlen sind alarmierend: Laut der vom eco – Verband der Internetwirtschaft in diesem Jahr veröffentlichten Studie „IT-Sicherheit 2019“ steigt die Bedrohungslage im Bereich IT-Sicherheit immer weiter an. Dies sagen 90 Prozent der für die Studie befragten Sicherheitsexperten. Daher brauche es Strategien zum Schutz, so ihr einhelliges Credo. Um gegenzusteuern, planen die Unternehmen in Schulungen von Mitarbeitern zu investieren und diese mit Informationen über Cyber-Gefahren zu sensibilisieren. Doch wird das ausreichen?

EQUAL4EUROPE-Start: ESMT Berlin bei Projektauftakt für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Forschung

Expertinnen und Experten für Geschlechtergleichstellung verschiedener internationaler Universitäten und Business Schools haben sich in Barcelona zum Start von EQUAL4EUROPE getroffen. Das von der Europäischen Kommission finanzierte Forschungsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, Gleichstellungspläne auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu entwickeln, die anschließend in den beteiligten Organisationen umgesetzt werden sollen. Die Erkenntnisse sollen darüber hinaus anderen europäischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden.

Großes Potential der beruflichen Bildung für die Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen und Migranten

Schlussfolgerungen aus OECD-Studie

Das duale System der beruflichen Bildung in Deutschland leistet einen entscheidenden Beitrag zur Integration von Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt und trägt dazu bei, den Fachkräftebedarf zu decken. Insbesondere im Handwerk sind die Potentiale groß. Deutschland hat zudem beeindruckendes geleistet, um Hindernisse für den Zugang von Migranten zur Berufsbildung und zum Arbeitsmarkt abzubauen, und dabei große Kreativität an den Tag gelegt.

Ludger Schuknecht

Ausländische MINT-Kräfte sichern deutschen Wohlstand

Axel Plünnecke

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamt zeigen, dass ausländische Männer und Frauen einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung in vielen Berufen leisten. Auch zur nachhaltigen Sicherung des Wohlstands werden Zuwanderer immer wichtiger, zeigen Analysen des IW. Deutschland muss in den nächsten Jahren einige große Aufgaben meistern, um seinen Wohlstand zu sichern: Die Bevölkerung altert, die Digitalisierung beschäftigt unzählige Unternehmen, und die Dekarbonisierung gilt ohnehin als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Dafür braucht es Innovationen – und die entstehen meist in Forschungsabteilungen.

Fachkräftemangel: Wo der Engpass am größten ist

Mittlerweile können sich viele Fachkräfte ihren Arbeitgeber aussuchen. Durch den Fachkräftemangel werden sie immer begehrter bei den Unternehmen. Die IW-Engpassquote zeigt, in welchen deutschen Regionen der Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte besonders intensiv ist.

Süden Deutschlands sucht händeringend

Susanne Seyda
DR. SUSANNE SEYDA Senior Economist für Fachkräftesicherung und Weiterbildung

Mitte 2019 waren 79 Prozent der offenen Stellen in Deutschland in Engpassberufen ausgeschrieben. Diese Quote zeigt, dass Unternehmen immer häufiger Mitarbeiter suchen, die einen Engpassberuf gelernt haben. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich zunehmend zu einem Bewerbermarkt, auf dem sich die Fachkräfte ihren Arbeitgeber aussuchen können. Früher war das anders: 2010 betrug die sogenannte Engpassquote deutschlandweit noch 25 Prozent. Fünf Jahre später waren es bereits 48 Prozent. Im vergangenen Jahr hat sie ihren Höchststand erreicht.

Doch nicht nur regional gibt es große Unterschiede, sondern auch nach Berufen: Bei Spezialisten in Gesundheitsberufen, zu denen etwa Fachkrankenpfleger und Physiotherapeuten gehören, liegt die Engpassquote in 152 von 156 untersuchten Regionen bei über 90 Prozent. Sucht ein Unternehmen hingegen Bürokaufleute, wird es in der Regel schnell fündig: Die Engpassquote liegt in den meisten Regionen unter 30 Prozent.